Donnersbergkreis
Kritische Infrastruktur: Nicht in Panik – aber gut vorbereitet
„Wir haben in den zurückliegenden beiden Jahren gelernt, auch in Pandemiezeiten unsere Einsatzfähigkeit zu erhalten.“ Und noch, so die Einschätzung des stellvertretenden Brand- und Katastrophenschutzinspekteurs (früher Kreisfeuerwehrinspekteur) Christian Füllert, sei man in Sachen Omikron weit von einer bedrohlichen Lage entfernt. Aber selbst wenn sich die Situation deutlich verschärfen würde, „wir haben unsere Notfallpläne und sind gut gerüstet“, so Füllert, der zugleich hauptamtlicher Wehrleiter bei der Verbandsgemeinde Winnweiler ist.
Bereits seit Beginn der Pandemie achte man darauf, dass bei der Ausbildung und bei Einsätzen Schutzmaßnahmen wie Abstand und Maskentragen umgesetzt würden. Zudem gebe es unter den Wehrleuten eine sehr hohe Impfbereitschaft. „Ich schätze, deutlich über 90 Prozent unserer Leute sind geimpft und ein Großteil auch geboostert“, so Füllert.
Im Notfall 24-Stunden-Dienste auf der Wache
Falls eine Katastrophenschutzlage festgestellt würde – „was ja während der gesamten Pandemiezeit in Rheinland-Pfalz noch nicht der Fall war“ – sei in der höchsten Stufe auch ein 24-Stunden-Dienst in den Wachen denkbar und bei jedem Dienstantritt ein Test nötig, um einsatzfähig zu bleiben, so Füllert. Ein Worst-Case-Szenario, auf das man sich vorbereite, betrifft die Verstärkung des Krankenhauspersonals oder des Rettungsdienstes, wenn dort mehr als die Hälfte der Mitarbeiter ausfallen würden. „Auch hier gibt es Pläne, wie man bestimmte Bereichen durch Teams aus dem Sanitätsdienst unterstützen könnte.“ Das, so betont Füllert, sei ab einer Eskalationsstufe nötig, mit der er in den kommenden Wochen nicht rechne.
Als großes Plus für den Donnersbergkreis wertet Füllert, dass man hier die Wehren der einzelnen Verbandsgemeinden gut vernetzt habe. „Wir schauen über die VG-Grenzen hinaus, können uns also jederzeit auch gegenseitig unterstützen“, so der Wehrleiter. Außerdem hat man im Kreis während der gesamten Pandemie die Aus- und Weiterbildungen aufrechterhalten. „Nach meiner Auffassung ist das wie im Sport, wer nicht trainiert, baut ganz schnell ab“, macht Füllert seinen Standpunkt deutlich. Dass Übungen trotz Masken und Abstand sinnvoll waren, habe sich beim jüngsten Hochwassereinsatz an der Alsenz gezeigt. Dieser endete nach seiner Überzeugung deshalb so glimpflich, weil die Truppen routiniert und schlagkräftig agierten. „Wir haben dabei Schaden in sechsstelliger Höhe verhindern können, so etwas ist nur möglich, wenn die Teams funktionieren und wissen, was zu tun ist“, so Füllert.
Pflegepersonal für Notfall freigesetzt
„Die Versorgungslage in Kirchheimbolanden und Rockenhausen ist zurzeit stabil, die Belegungszahlen mit Corona-Patienten sind im gesamten Klinikum momentan rückläufig“, so der Pressesprecher des Westpfalz-Klinikums, Dennis Kolter. Um auf eine Verschärfung der Lage vorbereitet zu sein, sei aber bereits seit November eine Station in Rockenhausen nicht mehr mit Patienten belegt worden. Damit wolle man Pflegefachpersonal für den Bedarfsfall freisetzen. „Wie in der gesamten Zeit der Pandemie wurde und wird zudem bei Bedarf ein standortübergreifender Einsatz praktiziert“, so Kolter. So sei beispielsweise in der Vergangenheit Intensivpersonal aus Kirchheimbolanden auf Intensivstationen in Kaiserslautern eingesetzt worden.
Besprechungen überwiegend digital
„Die Polizeipräsidien haben Pläne erstellt, um die Funktionsfähigkeit der Dienststellen zu gewährleisten“, sagte Rinaldo Roberto, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mainz, der auch im Namen seiner Kollegen vom PP Westpfalz in Kaiserslautern Auskunft gegeben hat. Auf den Dienststellen gelten demnach strenge Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen. „In Innenräumen werden bei Anwesenheit mehrerer Personen ausschließlich FFP2-Masken getragen. Das gilt auch für Besucher“, so Roberto. „Besprechungen werden überwiegend digital oder als Telefonschaltkonferenz durchgeführt, Dienstreisen auf das absolut notwendige Maß reduziert. Wo es möglich ist, arbeiten die Mitarbeiter von zu Hause.“
Die Impfquote bei den Beschäftigten der rheinland-pfälzischen Polizei liegt laut Roberto bei über 90 Prozent. In den Polizeipräsidien Mainz und Westpfalz seien sogar mehr als 95 Prozent vollständig geimpft. „Sollten wegen der Omikron-Welle in einzelnen Regionen besonders viele Beamte zur gleichen Zeit ausfallen, werden sie durch Kräfte anderer Dienststellen innerhalb der eigenen Behörde oder auch anderer Präsidien ersetzt“, so Roberto. Eventuell komme auch Verstärkung seitens der Bereitschaftspolizei in Frage. Im PP Mainz seien aktuell – bei rund 1800 Mitarbeitern – lediglich drei Personen in Quarantäne.
Netzstrukturen ständig überwacht
Alles, was verschoben werden kann, wird derzeit verschoben, lässt der Energieversorger EWR wissen, der für die Stadt Kirchheimbolanden zuständig ist. Schließlich sei man als Energie- und Telekommunikationsdienstleister in der besonderen Verantwortung gegenüber Kunden und Kommunen, die Versorgung mit Strom, Gas, Wasser und Telekommunikation auch bei steigendem Krankheitsstand nachhaltig sicherzustellen. Besonders im Blick hat der Vorstand die infrastrukturrelevanten Bereiche wie Netzleitstelle oder IT. „Dafür gibt es spezielle Dienstpläne und Sicherheitsvorkehrungen, um auch bei steigenden Infektionszahlen einen durchgehenden Betrieb zu gewährleisten“, erklärt Dieter Lagois aus dem Vorstand. Bereits zu Beginn der Pandemie seien speziell für die Rund-um-die-Uhr-Überwachung der Netze Szenarien erarbeitet worden, die bislang aber noch nicht greifen mussten.
Die EWR-Mitarbeiter arbeiten soweit möglich im Homeoffice, lassen sich für betriebsnotwendige Arbeiten vor Ort täglich testen und haben zusätzliche Impfangebote bekommen. „Wir liegen mit der Impf- und Boosterquote weit über dem Durchschnitt“, betont Vorstandssprecher Stephan Wilhelm.
Die bundesweite Anpassung der Quarantäneregelung begrüßt die Unternehmenssprecherin der Pfalzwerke, Susanne Becker. „Es muss aber gewährleistet sein, dass von einem rückkehrenden Mitarbeiter kein Infektions- beziehungsweise Übertragungsrisiko ausgeht“, so Becker auf RHEINPFALZ-Anfrage. Über die Notfallmaßnahmen selbst will das Unternehmen keine Auskunft geben, weil es sich dabei um sensible Daten handle. „Als Betreiber einer kritischen Netzinfrastruktur haben wir natürlich Notfallpläne und sind immer sehr gut vorbereitet. Eben weil wir eine kritische Netzinfrastruktur betreiben, sind wir im Umgang mit solchen Informationen sehr sensibel und vorsichtig.“