Donnersbergkreis Kranichzug: Schon 12.000 „Vögel des Glücks“
„Vögel des Glücks“ werden sie genannt – weil mit ihnen in den über Winter meist dunklen Ländern Nordeuropas der Frühling und damit die helle Jahreszeit zurückkehrt. Demzufolge müsste es – auch wenn die aktuellen Geschehnisse in der Welt anderes verheißen – eigentlich ein gutes Jahr für unsere Region werden. Denn seit Anfang Februar sind bereits rund 12.000 Kraniche bei ihrer Rückkehr aus dem spanischen Winterquartier über dem Donnersbergkreis gesichtet und gemeldet worden, hat Conni Reuther von der Nabu-Kreisgruppe Donnersberg der RHEINPFALZ mitgeteilt.
Dies sei jedenfalls „für den Frühjahrszug eine erstaunlich hohe Zahl“, so Reuther im Vergleich mit den 3000 Exemplaren, die sie im Herbst registriert hatte – „sonst ist es eher umgekehrt“. Generell sei entscheidend, wie gut oder schlecht die Durchreisenden wahrgenommen werden: „Die jüngsten Züge waren beispielsweise aufgrund der Windgeschwindigkeiten so schnell und hoch, da ist es eine Frage von Sekundenbruchteilen, ob jemand sie sieht und man deren ungefähre Anzahl feststellen kann.“
6000 Exemplare an einem Tag
Ein Grund für den aktuellen „Boom“ könne beispielsweise sein, „dass wir Anfang/Mitte Februar oft ruhiges Wetter und zum Teil milde Nächte hatten, da sind die Kraniche sehr gemäßigt über den Kreis hinweggezogen“. Hinzu komme, dass sich bei guter Witterung mehr Menschen im Freien aufhalten und auf die Vögel aufmerksam werden – wie etwa am 9. Februar, als an einem Tag allein rund 6000 Kraniche gemeldet worden sind! Auch deren Route differiere je nach Wind, „oft sind sie über dem Appelbachtal unterwegs, dieses Jahr hatten wir aber ebenfalls viele Meldungen aus dem Ostkreis“, berichtet die Expertin. Letzten Endes blieben die schwankenden Zahlen ein Stück weit Spekulation.
Klar ist hingegen, dass die Nordpfälzer „Flug-Autobahn“ bei den Vögeln mit den markanten Trompeten-Rufen sehr beliebt ist: Im Oktober starten sie in Skandinavien, dem Baltikum oder der Ostsee ihren rund 2000 Kilometer langen Flug in den sonnigen Süden, aus dem sie meist im Februar zurückkehren. Auf diesem Weg passieren viele von ihnen auch den Donnersberg. Große Sammelplätze gibt es im brandenburgischen Dörfchen Linum nahe Berlin sowie in der Champagne am Lac du Der-Chantecoq, dem größten Stausee Frankreichs – hier legen die Kraniche jeweils eine Zwischenrast ein.
Fliegen im Windschatten spart Kraft
Ins Auge fallen sie dem Betrachter vor allem wegen der charakteristischen Keil- oder Ketten-Formationen, die Gunter Neu auf dem hier abgebildeten Foto über Schönborn festgehalten hat: Die jeweils nachfolgenden Tiere sparen im Windschatten Kraft für die weite Reise, die kräftigsten und erfahrensten Vögel, die über eine Spannweite von fast zweieinhalb Metern verfügen, wechseln sich in der Führungsarbeit ab. Wer das „live“ beobachten will, hat vermutlich noch ein paar Wochen Gelegenheit dazu: Laut Reuther dauern die Züge erfahrungsgemäß bis ungefähr Ende März an. Und vielleicht haben die Nachzügler ja auch (nicht nur für uns) noch eine Extra-Portion Glück im Gepäck ...