Donnersbergkreis „Konfession spielt nicht wichtigste Rolle“

91-82842395.jpg

Es ist die größte ökumenische Veranstaltung für Jugendliche, die es bislang in unserem Landkreis gegeben hat: Drei protestantische Jugendzentralen und die katholische Jugendarbeit im Dekanat Donnersberg laden für morgen, Freitag, zur „Nacht der offenen Kirchen“ nach Winnweiler ein. Rainer Knoll hat sich im Vorfeld mit Tanja Rieger, katholische Gemeindereferentin in Rockenhausen, und Joachim Bäcker von der Evangelischen Jugend Winnweiler über Entstehung, Ablauf und Ziele der Aktion unterhalten.

Wieso muss es eigentlich eine Nacht der offenen Kirchen sein – können sich Protestanten und Katholiken im Hellen nicht begegnen? Tanja Rieger: (

Lacht) Im Organisationsteam sind sich Protestanten und Katholiken immer tagsüber begegnet, und es hat nie Probleme gegeben – das war stets gute Ökumene .... Joachim Bäcker: (Lacht ebenfalls) Das kann ich bestätigen. Rieger: Der Abendtermin ist natürlich ein Stück weit dem Jugendaspekt geschuldet. Für Jugendliche ist das sicher reizvoller als ein „Tag der offenen Kirchen“ – das vermuten wir jedenfalls aus den Erfahrungen, die wir bei ähnlichen Veranstaltungen schon gemacht haben. Und viele Programmpunkte wirken im Dunkeln besser. Bäcker: Wenn eine Kirche beleuchtet ist, ergibt das einfach eine andere Atmosphäre als am Tag. Junge Menschen verschiedener Konfessionen und Religionen treffen ja Tag für Tag in allen Lebensbereichen aufeinander, sei es in Schule oder Freizeit. Warum halten Sie es trotzdem für wichtig, dass sich diese Jugendlichen auch im kirchlichen Umfeld begegnen? Bäcker: Gerade weil diese Jugendlichen sonst überall zusammenleben, sollen sie sich auch im kirchlichen Kontext begegnen. Das ist also das Normale, nicht das Außergewöhnliche. Ich bin froh, dass wir in Sachen Ökumene viel weiter sind als vor Jahrzehnten. Bei uns sind auch immer mal wieder Katholiken dabei, umgekehrt ist das ebenfalls so. In diesem Alter ist viel entscheidender: Was machen meine Freunde? Es geht darum, Gemeinschaft zu erleben – da spielt die Konfession zunächst nicht die wichtigste Rolle. Dass es in der Ausübung dieser Religion dann Unterschiede gibt, steht auf einem anderen Blatt. Rieger: Es war uns dabei aber schon wichtig, dass die Jugendlichen in diesem kirchlichen Rahmen zusammenkommen. Wir hätten das Ganze ja auch in einer Turnhalle machen können. Wir wollen zeigen, dass wir in der Kirche und mit Kirche – konfessionsunabhängig – etwas erleben können, dass man sich hier wohlfühlen und auch Spaß haben kann. Es geht also auch darum, Berührungsängste gegenüber der Kirche abzubauen. Wie kam die Aktion zustande? Rieger: Auslöser war ein Treffen vor rund zwei Jahren, zu dem die Jugendreferentin des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend im Dekanat Donnersberg, Jutta Baltes, die Vertreter des Jugendverbandes im Kreis eingeladen hatte. Dabei ging es um den Vorschlag, dass wir gemeinsam eine ökumenische Veranstaltung für die Jugend machen wollen – denn das ist in dieser Größenordnung etwas völlig Neues. Relativ schnell ist dann die Idee für solch eine „Nacht der offenen Kirchen“ entstanden, zumal einige von uns – allerdings regional begrenzt – bereits positive Erfahrungen mit ähnlichen Angeboten gemacht hatten. Und warum Winnweiler? Rieger: Winnweiler eignet sich schon alleine deshalb hervorragend, weil die Kirchen sehr eng beieinander liegen und darüber hinaus auch die Raummöglichkeiten dort ideal sind. Bäcker: Genau, nebenan befindet sich das katholische Gemeindehaus, seitens der Protestanten gibt es noch das Kaffeemühlchen. Zum Bahnhof sind es nur wenige Meter. Außerdem ist Winnweiler sowohl aus dem West- als auch aus dem Ostkreis gut erreichbar. Wie läuft der Abend ab: Nach festem Zeitplan oder möglichst flexibel? Bäcker: Geplant ist eine Mischung aus beidem. Es gibt feste Elemente, dazu zählt der gemeinsame Beginn um 18 Uhr und ein gemeinsamer Abschluss um 1 Uhr. Dazwischen gibt es alle zwei Stunden – um 20, 22 und 0 Uhr – einen Impuls. Festgelegt ist außerdem die Taizé-Andacht auf 22.30 Uhr. Manche Angebote stehen den ganzen Abend zur Verfügung – etwa ein Café, Großspiele mit dem Spielmobil des Kreisjugendrings im Freien, eine Lese-Ecke oder ein Raum der Stille. Zeitlich begrenzt wird es unter anderem eine Selfie-Station, erlebnispädagogische Angebote auf der Wiese beim Gemeindehaus und – nach Einbruch der Dunkelheit – Light-Painting geben. Dürfen auch Erwachsene kommen? Bäcker: Natürlich. Ich kenne einige, die gesagt haben: Da kommen wir mal vorbei, das schauen wir uns an. Rieger: Als Jugendverbände bewerben wir diese Veranstaltung zwar vor allem bei Jugendlichen, aber ich habe auch viele Erwachsene eingeladen – etwa zur Taizé-Andacht. Selbstverständlich ist jeder willkommen, der Kirche mal anders erleben möchte. Welche Resonanz erhoffen Sie sich? Bäcker: Bestimmte Erwartungen hat man natürlich. Wenn 100 Gäste kommen, bin ich zufrieden – dann hat sich die Arbeit schon gelohnt. (Lacht) Alles darüber nehmen wir gerne mit. Wann ist für Sie der Abend ein Erfolg? Rieger: Wenn ich das Gefühl habe, dass unsere Angebote – gerade auch die speziell religiöseren – die Leute ansprechen. Für viele Menschen sind ja der Glaube und das „normale“ Leben sozusagen zwei Welten. Dass diese Bereiche gut zusammenpassen, dass der Glaube im Alltag basiert, dass ich auch vor einem religiösen Hintergrund Spaß haben kann: das sind Dinge, die wir vermitteln möchten. Dies in Gemeinschaft mit anderen zu erleben, ist bereits eine religiöse Erfahrung. Wenn das bei den Besuchern ankommt, haben wir es richtig gemacht. Und was erhoffen Sie sich für die Ökumene in unserer Region? Bäcker: Ich denke, dass die Erwachsenen aus beiden Kirchen das persönlich sehen oder zumindest wahrnehmen. Natürlich weiß ich, dass Ökumene auf Jugendebene deutlich unkomplizierter funktioniert. Aber vielleicht wird es ja doch von beiden Seiten zumindest als Signal verstanden. Ohnehin bin ich der Meinung, dass dieses Thema für die meisten Menschen beider Konfessionen kein Problem ist. Info „Nacht der offenen Kirchen“ morgen, 18 bis 1 Uhr, in der Kirchstraße in Winnweiler. Veranstalter sind der Bund der Deutschen Katholischen Jugend sowie die protestantischen Jugendzentralen Alsenz-Obermoschel, Kirchheimbolanden und Winnweiler.

91-82842397.jpg
91-82842396.jpg
x