Radreport RHEINPFALZ Plus Artikel Klimaschutzmanager rühren die Trommel fürs Fahrrad

Beliebt: der Zellertalradweg, hier beim jährlichen Sattelfest.
Beliebt: der Zellertalradweg, hier beim jährlichen Sattelfest.

Mit dem Fahrrad zur Arbeit, zum Einkaufen fahren: Das sorgt im Vergleich zum Auto für eine unschlagbare Klimabilanz. Es ist naheliegend, dass das vor anderthalb Jahren installierte Klimamanagement des Kreises früh da angesetzt hat und nun für das Fahrrad als Verkehrsmittel trommelt. Ein Ansatzpunkt sind da auch Angebot und Zustand der Radwege.

Letztes Jahr waren vor allem Bürgermeister und andere Kommunalpolitiker eingeladen zu zwei Regionalkonferenzen des Klimaschutzmanagements, wo Vorschläge gesammelt werden sollten für gewünschte Radwegprojekte im Hinblick auf aktuelle Förderprogramme. „Wir haben die Bedarfe der Orts- und Verbandsgemeinden aufgenommen und da auch eine große Anzahl an Rückmeldungen bekommen, fast 50 Wege wurden uns da gemeldet“, berichtet Klimaschutzmanagerin Lena Gilcher. „Wir haben uns die Wege im Hinblick auf die Förderprogramme angeschaut und jetzt in der Förderberatung mit einzelnen Gemeinden.“ Dabei gehe es um Förderprogramme, die auf Klimaschutzziele fokussiert sind.

Radwegebau „ein Thema von notwendiger Infrastruktur“

Knapp die Hälfte der genannten Projekte können näher betrachtet werden, an fünf Projekten sei man ganz konkret dran, wo jetzt der Antragsprozess begleitet werde. Gilcher nennt da Radwege in Sippersfeld und Höringen, in der Alten Welt – wobei dort vor dem Hintergrund des Alte-Welt-Konzepts schon eigenständig gehandelt werde, auch in der VG Göllheim gebe es konkrete Ansätze, ergänzt Gilchers Kollege Klaus-Dieter Jacubasch. Es gehe hier um Projekte für das Förderprogramm „Stadt und Land“ des Bundes, das mit einer Übernahme von 90 Prozent der Kosten sehr attraktiv ist, aber auch den Abschluss der Fördermaßnahmen bis Ende 2023 fordert.

Jacubasch macht indes darauf aufmerksam, dass Wunsch und Förderung allein nicht ausreichten. Auch bei attraktiver Förderung bleibe ein Finanzierungsrest bei der Kommune oder der VG, und daran könne ein solches Projekt scheitern, wenn die Kommunalaufsicht wegen der Haushaltslage „Nein“ sage. Reiner Bauer, als Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung auch der Chef der drei Klimaschutzmanager, relativiert das allerdings, der Kreis betrachte das als Aufsichtsbehörde mit Augenmaß. „Radwegebau ist mittlerweile ein Thema von notwendiger Infrastruktur, die geschaffen werden muss.“ Da werde kein Blankoscheck ausgestellt, aber es heiße nicht, dass eine finanzschwache Gemeinde nicht zum Zuge kommen könne, wenn es um notwendige Infrastruktur gehe. Auch solche Gemeinden dürften nicht abgehängt werden. Zudem gehe es ja bei einem Radweg oft nicht um einen Ort allein, sondern auch um weitere Orte, die miteinander verbunden werden sollen, so dass man sich abstimmen sollen.

Bauer: „Komplette Neutrassierungen sehen wir eigentlich als absolute Ausnahme“

Jacubasch hat an dieser Stelle aber auch eine bittere Pille zu verabreichen, denn wenn von Radwegen die Rede ist, denken viele an neu zu bauende eigene Trassen für den Radverkehr. Viele Straßen im Landkreis haben aber keine ausreichende Verkehrsdichte, damit ein solches Bauvorhaben überhaupt in Betracht kommen kann. 2500 Kraftfahrzeuge müssten eine solche Strecke täglich passieren, damit Aussicht auf Genehmigung bestehe, informiert Lena Gilcher. Bauer meint zwar, dass man für die gemeldeten Wunschstrecken eine andere Aufgreifschwelle ansetzen müsse, betont aber auch den Grundansatz des Kreises, vorhandene Wege zu nutzen, um den Flächenverbrauch zu minimieren. „Komplette Neutrassierungen sehen wir eigentlich als absolute Ausnahme.“ Wenn man vorhandene Wege nutze, könne mit den vorhandenen Budgets mehr bewirkt werden, so Bauer.

Die Wünsche der Ortsgemeinden betreffen nicht nur Wege, es gehe auch um ergänzende Infrastruktur wie Abstellmöglichkeiten, E-Bike-Ladestationen oder Beschilderungen. Im Gespräch wird aber deutlich, dass viele Wünsche sich gerade auf die Sanierung oder den Neubau von Trassen beziehen. Jacubasch nennt dafür ein konkretes Beispiel. Bei einem Treffen in der VG Eisenberg mit Bürgermeistern und Vertretern der VG kam auf die Frage, was aus ihrer Sicht das allerwichtigste und dringendste sei, da habe es geheißen: eine Radwegtrasse neben der Straße von Ramsen nach Eisenberg. Der LBM habe das immer abgelehnt mit Verweis auf den Barbarossa-Radweg, der im Eistal verläuft. „Der ist aber auf einem Teilstück gefährlich, verläuft zum Teil durch den Wald und auf unbefestigten Wegen. Wer ins Büro, auf die Arbeit will, nimmt diesen Weg nicht, denn der will nicht schmutzig bei der Arbeit erscheinen. Zumal die Infrastruktur in den Firmen – etwa mit Duschen – auch mitunter noch fehlt“, fasst Jacubasch zusammen. Die Bereitschaft, aufs Rad umzusteigen für den Alltagsverkehr, sieht er auch abhängig von der Attraktivität der Wege, vor allem in puncto Sicherheit und Sauberkeit.

Überzeugt sind die Klimaschützer davon, dass der Fahrradboom, von der Pandemie gepuscht, nicht wieder verpuffen wird, sondern nachhaltig sei und Chancen birgt. Bauer beobachtet in der Kreisverwaltung selbst, dass mehr Mitarbeiter mit dem Fahrrad kommen. Und da E-Bikes nicht nur komfortabel seien, sondern auch eine größere Investition darstellten, sei das Interesse, es zu nutzen und nicht in der Ecke stehen zu lassen, sicher hoch einzuschätzen.

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