Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Kirchheimbolanden: Minutenlanger Beifall für Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium

Bezirkskantor Martin Reitzig sorgte für eine überzeugende, in sich geschlossene Ensembleleistung.
Bezirkskantor Martin Reitzig sorgte für eine überzeugende, in sich geschlossene Ensembleleistung. Foto: Stepan

Kein Weihnachten ohne J. S. Bachs Oratorium (Kantatenzyklus WV 248) mit Paukendonner, triumphierenden Trompeten und Jubelgesängen. Sie erzählen die Geburtsgeschichte Christi nach dem Lukas-Evangelium, von dem Dichter Picander mit lyrischen Passagen barockal ausgeschmückt. Die Aufführung von drei der sechs Kantaten in der Peterskirche durch die Bezirkskantorei wurde mit minutenlangem Beifall gefeiert.

Die Genialität und Ausdruckskraft dieser Musik, ihre sich einbrennenden Melodien und wunderbaren instrumentalen Stimmungsbilder verkündigen die frohe Botschaft auf ihre Weise: tief bewegend, mehr als Worte das vermögen. Rundum beglückend und festlich war am Sonntag die Aufführung der Kantaten I, III und VI in der vollbesetzten Protestantischen Peterskirche. Von nicht weiter ins Gewicht fallenden „Wacklern“ hie und da abgesehen, gelang Martin Reitzig einmal mehr eine solide erarbeitete, in sich geschlossene Ensembleleistung mit der Bezirkskantorei Kirchheimbolanden-Winnweiler, dem Collegium Musicale Bingen und vier weit herausleuchtenden Solistinnen und Solisten.

Alle drei Jahre führt Reitzig drei Weihnachtskantaten auf, 2016 waren es die ersten drei. Also dieses Jahr vier bis sechs? Auf die erste, die große Huldigung mit „Jauchzet, frohlocket“ zu verzichten – nein, das wollte der Dirigent nicht. Sie ist der Aufbruch zur Freude schlechthin, hochgestimmter Jubel. Der Chor wirkte homogen, geschult und hochmotiviert, das gut besetzte Orchester bestach durch seine ausgewogene, geschliffene Konzertanz von Bläser- und Streicherstimmen.

Dirigat stringent und gelassen

Als erster Solist tritt der erzählende Evangelist auf: „Es begab sich aber zu der Zeit“... Manuel Horras sang die Tenor-Partie mit lebhaft-kräftigem, klangschönem Timbre. Ein echter Zugewinn, denn die weiteren Solostimmen sind vor Ort schon lange bekannt und beliebt: Antonietta Jana mit ihrem facettenreichen, warm strahlenden Sopran, Thomas Herberich als viriler, vitaler Bass eine bewährte tragende Säule. Mit ein Glanzlicht blieb seine Arie „Großer Herr, o starker König“. Simone Pepping-Sattelberger nahm mit ihrem opernhaft weiten, ausdrucksvollen Alt ein, ganz besonders in der zauberhaften Arie „Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben“, untermalt von fein agierenden Streichern und Holzbläsern.

Es war ein weiterer Höhepunkt der Kantate, zu dem der folgende Choral in seiner eindringlichen Schlichtheit kontrastiert: „Wie soll ich dich empfangen?“ Zitiert wird die Melodie des Passionslieds „O Haupt voll Blut und Wunden.“ Geburt und Tod sind eins. Das Kind in der Krippe ist zum Erlöser am Kreuz bestimmt. Reitzig hielt das große Ensemble mit klaren, knappen Gesten zusammen, sein Dirigat wirkte stringent und gelassen.

Die Kantaten des „Evangelisten Bach“ leben nicht zuletzt vom Wechsel altbekannter liedhafter Choräle mit kunstvollen Koloraturgesängen, Volksszenen und orchestraler Konzertanz. Unterschiedlichste Szenen und Klangfärbungen kontrastieren miteinander in einer enormen Bandbreite menschlicher und instrumentaler Stimmen.

Der Weg der Hirten nach Bethlehem

Teil 3 setzt mit dem Chor ein „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“, der im Charakter dem Anfang der ersten Jubelarie ähnelt. Begleitet wird jetzt der Weg der Hirten nach Bethlehem. „Lasset uns nun gehen gen Bethlehem“ – das bedeutet Aufbruch, Erregung, Aufgeregtheit. Sie wird nach einem erklärenden Bass- Rezitativ aufgelöst von dem Choral „Dies hat er alles uns getan“, bekannt als das Kirchenlied „Gelobet seist du, Jesus Christ“. Er klingt innig, ruht in sich selber. Wunderschön: das Duett (Sopran, Bass) „Herr dein Mitleid, dein Erbarmen“ und besonders auch die Marienarie (Alt) „Schließe, mein Herze, dies selige Wunder fest in deinen Glauben ein“, expressiv und anrührend von der ersten Geige eingeführt.

Teil 6 (Matthäus 2, 7-12) thematisiert die Bosheit des letztlich machtlosen König Herodes: Das Finale des Kantatenkreises steigert sich dramatisch. „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“ tönt der Chor emphatisch zu schmetternden Fanfaren. Aufgewühlt klagt das Sopran-Rezitativ mit den skrupellosen Kindermörder an, die folgende Sopran-Arie preist die Übermacht Gottes. Jana tritt hier gleichzeitig als Furie und Engel auf, grandios. „Ich steh an deiner Krippen hier“ – der zentrale Weihnachtschoral klingt lange nach. Melodiös besingt der Tenor den Sieg über das Böse, im Quartett schließen die Solisten mit „Was will der Höllen Schrecken nun?“

Umstrahlt von barocker Trompetenpracht

Am Ende steht eine überwältigende Choralfantasie – wieder nach der Melodie von „O Haupt voll Blut und Wunden“. Noch einmal wird der Tod am Kreuz vor der Krippe angekündigt – aber jetzt nicht mehr in trauernden Molltönen, sondern bekenntnishaft froh, voller Gottvertrauen, umstrahlt von barocker Trompetenpracht. Letztes Wort ist die Gewissheit: „Bei Gott hat eine Stelle das menschliche Geschlecht.“

Minutenlanger, sehr zugetaner Beifall feierte die Musiker.

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