Donnersbergkreis
Kirchheimbolanden: Kultusminister eröffnet deutsch-ukrainisches Steinmetzprojekt
Gleich in mehrfacher Hinsicht würdigte der rheinland-pfälzische Kultusminister Konrad Wolf die Wiederbelebung des barocken Terrassengartens in Kirchheimbolanden als ein herausragendes Projekt. Zum einen, weil er zu den sehr seltenen Gartenanlagen dieser Art in Deutschland gehöre, deren Strukturen noch nachweisbar seien. Zum anderen, weil öffentliche und private Partner hier engagiert zusammenarbeiteten. Und zum dritten, weil in das Gesamtvorhaben mit dem alljährlich im September stattfindenden interkulturellen Dialogprojekt ein vorbildhaftes Programm von großer Nachhaltigkeit integriert sei.
Zu dessen Eröffnung war Wolf am Samstagvormittag nach Kirchheimbolanden in den Westflügel der Orangerie gekommen. Bereits zum neunten Mal seit 2011 arbeiten junge deutsche und ukrainische Steinmetz- beziehungsweise Bildhauerschüler in den kommenden drei Wochen gemeinsam an Bauelementen für den Terrassengarten: Abdeckplatten, Postamenten, Treppenstufen ... Umgekehrt treffen sie sich regelmäßig in Lviv, dem früheren Lemberg, zu denkmalpflegerischen Arbeiten, wie im vorigen Monat zur Restaurierung einer Treppenanlage.
„Denkmäler verbinden Menschen über Grenzen hinweg“, sagte Wolf, der auch Schirmherr des von Lydia Thorn Wickert konzipierten und betreuten Dialogprojekts ist. Dessen Nachhaltigkeit reiche über das Handwerkliche hinaus, lobte Wolf. Das persönliche Erlebnis, die zahlreichen Exkursionen – diesmal auch nach Weilburg mit seinen für Kirchheimbolanden vorbildhaften Barockbauten –, das Anliegen, Begeisterung der jungen Generation für das Erbe zu wecken, seien Beiträge zur Völkerverständigung. Wolle man Menschen eines anderen Landes verstehen, so der Minister, sei es wichtig, deren Kultur zu kennen. Und Denkmäler seien „ein Stück unseres Selbstverständnisses, das zu Stein geworden ist“. Gedanken, die auch Brigitte Mannert, Präsidentin der Handwerkskammer der Pfalz, aufgriff: 1374 Kilometer lägen laut Google zwischen Kibo und Lemberg, aber immer bleibe man verbunden durch das Handwerk, die gemeinsame Arbeit und persönliche Hingabe.
Terrassengarten im Blick
Zu denen, die den Erfolg von Beginn an als eine Art „Steigbügelhalter“ möglich gemacht haben, gehören die bald 150-jährige Meisterschule für Handwerker in Kaiserslautern und dort insbesondere engagierte Steinmetz-Lehrer, die mit den jungen Leuten in den Werkstätten arbeiten. Das Material, pfälzischer Sandstein, stellt die Stadt Kirchheimbolanden zur Verfügung, in deren Namen Bürgermeister Marc Muchow die Gäste der Eröffnungsfeier begrüßt und die auf höchstem Niveau geleistete Arbeit der Meisterschule gewürdigt hatte. Deren Leiter Eckhard Mielke hielt Begegnungen wie durch das Dialogprojekt „gerade in heutiger Zeit für enorm wichtig“, erwähnte aber auch, dass an der Schule der Terrassengarten auch übers restliche Jahr im Blick bleibt: „Für die Eröffnung der Lindenallee haben wir nochmal richtig Gas gegeben.“
Auf die dort gepflanzten Linden und die Symbolkraft von Bäumen generell nahm in ihrem Grußwort Simone Schöck Bezug: Die Baden-Badener Stiftung ihres Vaters Eberhard Schöck ist seit Anbeginn das finanzielle Rückgrat des Projekts. Ihr Anliegen, den handwerklichen Mittelstand in Osteuropa zu stärken, und den Erfolg, vielen jungen Leuten bereits auf dem Weg in ein aktives Berufsleben geholfen zu haben, verglich sie mit den Linden auf der Langen Bahn. Deren Streben nach Wachstum, Entfaltung und Entwicklung zu Höherem entspreche dem Sinn der Stiftung, deren Logo nicht zufällig einen Früchte tragenden Baum zeige.
„Langer steiniger Weg“
Vor den zahlreichen Gästen stellte Bauforscher Achim Wendt danach die Geschichte des Terrassengartens und den Stand der Revitalisierung vor, für die, so der Archäologe, noch ein „langer steiniger Weg“ zu gehen sein wird. Doch die wiederhergestellte Lange Bahn beeindruckte die Besucher aus Nah und Fern vor Ort schon mal sehr.
Mit den oberhalb freigelegten Stufen einer – später wiederherzustellenden – Kaskade wies der Heidelberger Experte auch die jungen Projektteilnehmer auf eine „steinmetztechnisch aufregende“ Entdeckung hin. Die kunstvolle Ausarbeitung dieser Kaskadenstufen bewirkte, dass sich das Wasser in feinen Strahlen und Mustern nach unten in ein Becken ergoss. Bisher, so Wendt, hätten die am Projekt Beteiligten keine vergleichbar aufwendig gearbeiteten Stufen in einem Park gefunden.
Hauptterrasse abschieben
Die Fortsetzung der Forschungsarbeiten wird auch 2020 im Mittelpunkt der Arbeiten stehen. Darüber hinaus, sagte Achim Wendt auf RHEINPFALZ-Nachfrage, wolle man die mittlere Hauptterrasse abschieben, außerdem testen, in welcher Farbe die Terrassenmauern verputzt werden und wie sie wieder Spaliere tragen könnten – beides ist historisch verbürgt. Tatjana Fuchs, in der Verwaltung verantwortlich für das Jahrhundertprojekt Terrassengarten, sagte, dass man sich anstelle der momentan noch provisorischen Absicherung der Langen Bahn zum Schloss hin mittlerweile für Metall-Baluster entschieden habe.