Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Kirchheimbolanden: Clara und Marie Becker und ihr gemeinsamer Weg durch die Musik

Am 1. März auf der Bühne des Theaters Blaues Haus auf dem Weierhof zu erleben: das Klavierduo Marie (links) und Clara Becker.
Am 1. März auf der Bühne des Theaters Blaues Haus auf dem Weierhof zu erleben: das Klavierduo Marie (links) und Clara Becker.

Zwillingen sagt man nach, dass sie zueinander in einer ganz besonderen Verbindung stehen, fast wie zwei Seiten eines gemeinsamen Ganzen, die eine nicht denkbar ohne die andere. Bei Clara und Marie Becker gilt das auch für ihren beruflichen Lebensweg: Den wollen sie miteinander gehen, in der Musik, als Klavierduo.

Es ist kein ganz einfacher Weg, den sich Clara und Marie Becker vorgenommen haben, denn ein Musikstudium speziell für ihre Konstellation gibt es eigentlich nicht, allenfalls später als Masterstudiengang, wie die beiden berichten. Und sich zunächst getrennt zu Solo-Konzertpianistinnen ausbilden zu lassen, das wollen sie nicht. Insofern ist die Ausbildung der beiden hochtalentierten Pianistinnen aus Kirchheimbolanden kompliziert und mit weiten Reisen verbunden, Reisen in Orte mit gutem Klang: Den musikalischen Feinschliff für ihre Spezialisierung holen sie sich in der Toscana, in Paris und in Hamburg.

Feinarbeit in Florenz

Wichtigster Ausbildungsstützpunkt ist da die Kammermusikklasse von Bruno Canino in Florenz, der mittlerweile 85-Jährige ist Pianist und Komponist, arbeitet mit unterschiedlichsten kammermusikalischen Besetzungen und gilt dabei als Spezialist für Klavierduo. „Da sind wir sieben, acht Mal im Jahr für jeweils drei Tage“, erzählt Marie Becker. „Dazu haben wir einen engen künstlerischen Austausch mit Isabelle und Florence Lafitte in Paris“, fügt sie den zweiten Bezugspunkt an, der mit ihnen viel gemeinsam hat: Die beiden Französinnen sind ein etabliertes Klavierduo, und auch sie sind Zwillinge.

Und dann gibt es für die beiden noch die Zusammenarbeit mit einem Komponisten aus Hamburg und damit die Einbindung in lebendiges Musikgeschehen, das auch neue Musik hervorbringt. Mathias Christian Kosel habe sie bei einem Festival gehört und sei auf sie zugekommen. „Er hat unseren Weg sehr unterstützt, künstlerisch hat das sofort gepasst“, erzählt Clara Becker. Kosel, selbst auch Pianist, Dirigent, Festival-Intedant und zudem Autor von Lyrik und Bühnenwerken, hat für die beiden 22-jährigen Virtuosinnen auch etwas ganz Besonderes geschaffen: Er hat für sie ein Konzert geschrieben für zwei Klaviere und Orchester. Eine Ehre und eine wertvolle Erfahrung, gemeinsam mit einem Komponisten an einem Stück Musik arbeiten zu können, ohne dass es schon Vorbilder gegeben hat oder eine Rezeptionsgeschichte. „Das ist ein großer Unterschied zur Arbeit an Werken aus der Vergangenheit, bei denen man versucht, durch Quellen oder die Tradition möglichst nah an eine authentische Interpretation zu kommen“, erläutert Marie. Zur Zeit sind Marie und Clara dabei, sich gemeinsam mit Kosel das Werk zu erarbeiten für die Uraufführung.

Gemeinsames und Unterschiede

Klar, dass der Auftritt von Zwillingen Fragen nach dem Miteinander, nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden nach sich zieht. An diesem Tag in der Redaktion machen es die beiden ihrem Gesprächspartner leicht, denn Marie trägt die Haare offen, Clara hat sich Zöpfe geflochten. Ansonsten ist es nicht so einfach, sie auseinanderzuhalten. „Wer uns aber kennt, weiß, dass unsere Charaktere sehr unterschiedlich sind“, sagt Marie, und das spiegele sich auch am Instrument wieder in der Rollenverteilung. Clara sei die Ausgeglichenere, Ruhigere, Reflektiertere, während Marie, die auch eher das Wort führt, sich selbst intuitiver, emotionaler, risikofreudiger, auch stressanfälliger wahrnimmt. So sei es am Klavier Claras Part, im Bass für das Grundgerüst, die Stabilität, die Architektur der Musik zu sorgen, während sich Marie eher in den Melodien, in den freieren, solistischeren Partien auslebe. Die Unterschiede habe auch Kosel wahrgenommen. „Manchmal würde ich Euch beide gerne etwas durchmischen“, habe er mal gesagt, erzählt Marie schmunzelnd.

Marie und Clara Becker, die im Nordpfalzgymnasium Abitur gemacht haben und viele Jahre von der Konzertpianistin Brigitta Lutz in Kirchheim unterrichtet wurden, sind schon gut unterwegs auf den Konzertbühnen in Deutschland und auch darüber hinaus – kürzlich haben sie erstmals in New York ein Konzert gegeben. In diesem Jahr werden sie gleich zweimal auch in ihrer Heimatregion zu erleben sein. Zunächst steht für das Duo ein Auftritt im Blauen Haus bevor, am 1. März werden sie dort Stücke spielen von Franz Schubert – einer, der sehr viel für ihre spezielle Besetzung komponiert habe – sowie Claude Debussys „Six Epigraph antique“, um dann mit „Night“ von Fazil Say, 2016 geschrieben, ganz nah an die Gegenwart heranzurücken.

Herausforderung Neue Musik

Die zeitgenössische Musik soll dann auch ihren zweiten Auftritt besonders prägen, denn Lydia Thorn Wickert hat die beiden für das zweite Festival „Neue Musik“, das die Intendantin nach derzeitigem Planungsstand von 6. bis 8. November veranstalten will, nach Rockenhausen eingeladen. Dafür haben sie sich Gewichtiges aufs Notenpult gelegt, nämlich Olivier Messiaens (1908-1992) „Visions de l’amen“, ein „gewaltiges Werk“, so Marie, das der eigenwillige Neutöner für sich und seine Frau Yvonne Loriod geschrieben hat, und das mit der Verteilung von Klavier 1 und 2 gut auf sie beide passe. „Für uns ist das ein ganz großes, wichtiges Projekt“, sagt Clara. Hinzu kommen die „Monologe“ des Avantgarde-Komponisten Bernd Alois Zimmermann (1918-1970). Neue Musik ist für die beiden eine besondere Herausforderung. „Es ist wie mit einer Fremdsprache, am Anfang versteht man gar nichts, mit der Zeit aber lernt man die Zeichen, Codes, Vokabeln zu deuten und zu verstehen“, so Marie. „Das passt zu uns, weil wir generell sprach-affine Menschen sind.“

Kurz-Info

1. März, 17 Uhr, Theater Blaues Haus auf dem Weierhof: Clara & Marie Becker spielen Werke für Klavier zu vier Händen von Franz Schubert, Claude Debussy und Fazil Say.

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