Motorsport
Kerzenheim: Augenweide neben Augenweide bei 18. Donnersberg-Klassik
Die Donnersberg-Klassik für Motorräder vom Automobil- und Motorrad-Club Kerzenheim hat einen besonderen Stellenwert in der Pfalz. Das machte sich am Samstag bei der 18. Auflage mehr als bemerkbar. Gründe dafür sind die hervorragende Streckenführung durch eine landschaftlich reizvolle Gegend und die interessanten Aufgaben auf der Strecke.
Zu bewältigen waren diesmal bei der Donnersberg-Klassik 120 Kilometer durch die Nordpfalz und Teile der Westpfalz. Geeignet war die Route für alle Typen von Zweirädern, von der Straßenmaschine über Enduro-Motorräder bis hin zu Sportmodellen. Entsprechend breit gefächert war dann auch das Teilnehmerfeld, das sich am Morgen vom Clubheim am Waldsportplatz in Kerzenheim auf den Weg machte.
85-jähriger Volker Conrad startet mit einer Vespa
Es war schon am frühen Morgen eine Augenweide beim Blick auf das Veranstaltungsgelände des Ausrichters: Säuberlich aufgereiht standen die Schmuckstücke mit zwei und drei Rädern – und je näher es zum Nennungsschluss ging, desto interessanter wurden die Fahrzeuge. Der erste Blick fiel auf die Standard, die im baden-württembergischen Ludwigsburg von der Firma Gutbrod gebaut wurde. Stolz ist Besitzer Steffen Urschel aus Welchweiler bei Kusel auf das Kennzeichen IIIA 1268, das noch heute am Zweirad installiert ist. „Es war das erste Kennzeichen des 1932 gebauten Motorrades, das vom Polizeipräsidium Stuttgart vergeben wurde“, erzählt der 58-jährige Berufskraftfahrer. Über Bekannte ist er an dieses Schmuckstück gelangt, das mit einem Einzylinder-Motor mit 500 Kubikzentimeter Hubraum ausgerüstet ist, der 24 Pferdestärken leistet. „Raus aus dem Alltag und sich mit der Technik in der Natur bewegen“, ist der Grund für Urschels Teilnahme. Im Ziel war es für den Westpfälzer mit seiner Standard vom Typ BS 500 Rang zwei.
In diesem Sport gibt es keine Altersbegrenzung. Mit 85 Jahren ging Volker Conrad aus Kaiserslautern mit seiner Hoffmann-Vespa an den Start. Die vier Pferdestärken aus dem Motor mit 125 Kubikzentimetern Hubraum brachten ihn über die Strecke bis ins Ziel. Gebaut wurde dieses Modell in Bielefeld und von dem Motorenfachmann nach dem Auffinden auf dem Schrottplatz wieder in einen fahrbaren Zustand versetzt. Seit 1994 ist er nun mit diesem Zweirad bei solchen Veranstaltungen unterwegs, „ganz einfach, weil es mir viel Spaß macht und ich noch mithalten kann“. Die Platzierung war ihm nach der Zielankunft egal.
Rolf Beppler auf „echtem Brocken“ unterwegs
Anders ist das bei Rolf Beppler aus Appenhofen. Der ist nur ein Jahr jünger und noch immer voller Ehrgeiz. Er lenkte das an diesem Tag älteste Zweirad, eine Rudge Whiteworth aus dem Jahre 1924. „Der 350 Kubikzentimeter-Motor leistet 18 Pferdestärken und hat einen Vierverteilerkopf“, erzählt der Fachmann aus der Südpfalz. Als „Brocken“ hat er das Zweirad erworben und wieder zu einem fahrbaren Untersatz gezaubert. „Nicht alle Teile waren zu beschaffen. Deshalb musste ich diese in Kleinarbeit anfertigen. Dann habe ich mir sie zum 50. Geburtstag selbst geschenkt“, verzählt er lachend weiter. In Beppler war auch kein Geringerer als der 23-malige Pfalzmeister im Enduro-Sport und 19-malige Teilnehmer an internationalen Six-Days am Start. Sein Einsatzwille war so hoch, dass er seine Klasse mit deutlichem Vorsprung gewann.
Viele Blicke richteten sich recht schnell auf die BMW R 75, ein Gespann, das in einer Stückzahl von 18.000 für die Wehrmacht gebaut wurde. An den Start gebracht haben es Hermann Matula (76 Jahre) und Raimund Link (74 Jahre), die aus Schlüchtern kommen. Der Motor mit 750 Kubikzentimeter leistet 26 Pferdestärken. Das Motorrad hat eine Geländeübersetzung und der Beiwagen einen eigenen Antrieb und das Gespann selbst ist mit einem Rückwärtsgang ausgestattet. Während des Weltkrieges ist das 1941 gebaute Fahrzeug in Russland verblieben, wo es der Fahrer entdeckte. „Das Gespann war restlos kaputt und der Rahmen verzogen“, berichtete der Besitzer. In vielen Stunden hat er es restauriert und wieder einsetzbar gemacht.
Elsässer hat extra einen Tag Urlaub genommen
Für Jonas Manz (32) aus Gönnheim gibt es nichts Schöneres, als mit Gleichgesinnten Touren durch herrliche Landschaften zu unternehmen. Die Donnersberg-Klassik war da das Richtige für ihn. Der Ingenieur für Fahrzeugbau startete mit einer DKW KS 200 mit acht Pferdestärken aus 200 Kubikzentimetern. „Das ist meine erste Ausfahrt mit diesem Zweirad“, sagte er. Über ein Inserat hätte er es gefunden und es in seinen ursprünglichen Zustand versetzt. „Geschraubt habe ich schon als Kind, sowohl am Motorroller als auch an der Kettensäge“, verriet der Zweiradfan.
Sichtlich wohl in diesem auserlesenen Feld fühlte sich Sascha Leiner, ein 44-jähriger Elsässer, der die Pfalz liebt. Mit einer Peugeot P 105 nahm er die Herausforderung an und erzählte vor dem Start von den Besonderheiten seines Motorrades. Das 1928 gebaute Fahrzeug hat keinen Fußraster zum Schalten, sondern einen langen Schalthebel, der fast bis zum Lenker reicht. „Hier kann ich nur fahren wenn ich Urlaub habe“, verrät der Gastfahrer. „Es handelt sich um eine Samstagsveranstaltung – und an diesen Tagen muss ich als Postbote normalerweise Sendungen zustellen.“