Donnersbergkreis Kamel-Orden und das Heile Gänsje

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Mainz. Es sind Gegenstände, die viele Deutsche kennen: die alte Hornbrille von Rolf Braun, die Lederschürze von Ernst Neger und die weißen Handschuhe von Norbert Roth. Nun kommen diese Devotionalien der Mainzer Fasnacht zu neuen Ehren.

Das Mainzer Fasnachtsmuseum erstrahlt seit einer Woche in neuem Glanze. In vier Monaten Umbauzeit wurde aus dem ziemlich verstaubten Hause ein modernes Mitmach-Museum, das viel mehr zeigt, als „nur“ die Fasnacht: Es ist auch ein Stück Mainzer Stadtgeschichte. Wenn das Gutenberg-Denkmal Narrenkappe trägt und der Mainzer Stadtplan zum Rosenmontagszug-Plan wird, dann ist Fasnacht in Mainz, dann steht die Stadt vier Tage still. Die Narrenzeit ist heilig, und sie hat die Stadt am Rhein geprägt wie nur wenige in der Republik. 1837 wurde in Mainz der „Krähwinkler Landsturm“ ins Leben gerufen, es war der Vorläufer des Rosenmontagszuges, der ab 1838 jährlich durch Mainz zog. Im Mainzer Fasnachtsmuseum kann man nun auf einem Stadtplan am Boden den Zugweg abschreiten, in nur 30 Sekunden, was sonst drei Stunden dauert. Gleich daneben hängen Narrenkappen uralter Machart. Erfunden wurde die Kopfbedeckung der Narren in den 1820er Jahren von einem preußischen General in Köln. Die Kappen waren damals noch aus Papier, dienten als Eintrittskarten für die Narren-Veranstaltungen – und wurden am Aschermittwoch verbrannt. Was für ein Alptraum für heutige Narren, sind Narrenkappen doch heute innig gehegte und stolz getragene Rangesabzeichen. Solche und andere Geschichten erzählt das neugestaltete Fasnachtsmuseum im Proviantamt in Mainz liebevoll und mit modernem Schwung. 2004 wurde das kleine Museum in dem alten Gemäuer gleich neben dem Schillerplatz eröffnet, seit September 2016 wurde es neu gestaltet. Nun sind die Räume heller und luftiger, aus Durchgängen wurden Schaufenster für die Fasnachtsgeschichte, die alten Vitrinen verschwanden. Stattdessen gibt es nun kleine Kästen mit Infotafeln zum herausziehen, dort erfährt der Besucher dann etwa, dass Carl Zuckmayer einst als Klepperbub durch Mainz schritt, woher das „Zugplakettche“ kommt und wie der Fasnachter Seppel Glückert in seinen Büttenreden den Nazis trotzte. Direkt daneben, an einer Hörstation, kann man Glückerts Reden lauschen, um die Ecke auf einem Fernseher Büttenreden von Fasnachtsgrößen wie Herbert Bonewitz. Die Größen der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ spielen natürlich eine zentrale Rolle im Fasnachtsmuseum: Da ist die berühmte Hornbrille des legendären Sitzungspräsidenten Rolf Braun, aber auch Lederschürze und Klavier des singenden Dachdeckermeisters Ernst Neger samt der Noten des berühmten „Heile Gänsje“, des Liedes, das im Nachkriegsdeutschland Mainz und die Republik zu Tränen rührte. Die Fasnacht ist eben auch ein wichtiges Stück Mainzer Stadtgeschichte, und das reflektiert auch das Museum. Da ist ein Fasnachtskostüm von 1910 zu sehen, dessen Saum die Stadtsilhouette von Mainz zeigt, oder der älteste Mainzer Fasnachtsorden, ein Kamel-Orden von 1838, samt Carnevals-Almanach aus dem gleichen Jahr. Nebenan liegt ein winziges Büchlein, es ist ein Leporello, eine gezeichnete Darstellung des kompletten Rosenmontagszuges von 1857 – ausgestreckt misst das Werk 6,40 Meter. Nun wurde das Werk digitalisiert, der Besucher kann per Kurbel durch die Seiten blättern. Mehr als 25.000 Exponate rund um die Narretei hütet das kleine Museum samt angeschlossenem Fastnachtsarchiv. Gezeigt wird auf den rund 400 Quadratmetern nur eine kleine, aber feine Auswahl, auch Orden und Uniformen natürlich, Schwellköppe – und eine Original Bütt aus dem Mainzer Schloss. In die Eule kann man selbst hineinsteigen – und per Knopfdruck ertönen dann sogar Narrhallamarsch, Applaus oder Uiuiui. Infos Das Mainzer Fasnachtsmuseum befindet sich im Proviantamt Nähe Schillerplatz und ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Infos unter www.mainzer-fastnachtsmuseum.de.

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