Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel „Jugend musiziert“ zu Corona-Zeiten: Viele Fragen um geplanten Wettbewerb

Vierhändig Klavierspielen? Beim Wettbewerb Jugend musiziert ist das vorgesehen. Mit Abstandsregeln aber ist das kaum vereinbar.
Vierhändig Klavierspielen? Beim Wettbewerb Jugend musiziert ist das vorgesehen. Mit Abstandsregeln aber ist das kaum vereinbar.

Auf Unverständnis stößt der trotz Corona-Zwangspause geplante Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ für die Sektion Westpfalz. Der Wettbewerb soll über die Bühne gehen, obwohl zurzeit Auftritte und Probenarbeit für Künstler der freien Szene untersagt sind.

Der Lockdown geht einher mit einer unterschiedlichen Behandlung von Breiten- und Laienkultur einerseits und professionellen Klangkörpern andererseits. So sind etwa Übungstreffen regionaler Musikvereins-Orchester untersagt, während Theater- und Rundfunkorchester proben dürfen. Ein weiterer Streitpunkt ist die Rechtfertigung von Musikschulunterricht in Zweier-Gruppen. Möglich ist dies, weil Musikschulen als Bildungseinrichtungen gelten. Musikvereine hingegen sind „nur“ örtliche Kulturträger. Ihnen sind nicht nur komplette Proben, sondern auch das Spielen in kleinen Gruppen untersagt.

Die allgemeinbildenden Schulen dürfen, wie die RHEINPFALZ auf Anfrage unter anderem beim Gymnasium Winnweiler erfahren hat, keinen unterrichtsbegleitenden instrumentalen Musikunterricht in Arbeitsgemeinschaften anbieten. Nicht einmal Einzelunterricht ist gestattet.

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EINWURF

Unvereinbar

Bei den Einschränkungen der aktuellen Corona-Verordnung zielt vieles auf die angestrebte Kontaktminimierung. Wie aber ist in diesem Licht der geplante Wettbewerb „Jugend musiziert“ in Einklang zu bringen mit der Corona-Bekämpfungsverordnung?

Die Organisatoren des 58. Wettbewerbs stehen vor einer Herkulesaufgabe. Lucia Flores, die mit Viktor Wendtner die Leitung der Kreismusikschule des Donnersbergkreises innehat, und Kristina Schier, Leiterin der Kreismusikschule Kaiserslautern, sprechen von drei möglichen Varianten, wie der Wettbewerb ablaufen könnte.

Denkbar wäre, für die Dauer des Vorspiels nur Angehörigen der jungen Musiker Zutritt zu gewähren. Eine zweite Variante sehe vor, die Öffentlichkeit völlig auszuschließen. Die dritte Variante wäre ein virtueller Wettbewerb. Dabei wirft aber Flores selbst die Frage auf, ob ein Vorspielen über Internet überall gleichermaßen funktioniere.

Schier hält trotz dieser noch offenen Fragen der Wettbewerbsgestaltung grundsätzlich an der Ausrichtung fest. Sie betont den Motivationscharakter des musikpädagogisch erforderlichen Regional- Wettbewerbs. Organisatorisch stellen die Ausschreibungs-Kategorien die größte Herausforderung dar, bei denen zwangsläufig der geltende Mindestabstand nicht gewahrt werden kann. So in den Fächern Klavier vierhändig oder an zwei Klavieren und bei Schlagzeug-Ensembles.

Hygienekonzept steht schon

Im Übrigen wird potenziellen Teilnehmern des Wettbewerbs bereits ein detailliertes Hygienekonzept vorgestellt, das sie im Zuge der Anmeldung akzeptieren müssen. Für den Fall positiver Testungen der Beteiligten seien – so heißt es in der „Handreichung Jugend musiziert 2021“ – sogar Isolationsräume eingeplant.

Anmeldeschluss war bereits am Sonntag. Der 58. Wettbewerb ist ausgeschrieben für Blas- und Zupfinstrumente, für Bass, Orgel und für besondere Instrumente. In der Ensemblewertung sind neben den genannten Klavierfächern die Duowertung für Klavier und Streichinstrument sowie in der Gattung Kunstlied Singstimme mit Klavier vorgesehen. Gemäß Ausschreibung, die „besondere Instrumente“ zulässt, sind auch „besondere Ensembles“ teilnahmeberechtigt. Lucia Flores weist darauf hin, dass der Wettbewerb zunehmend Nischen und außergewöhnliche Formate und Besetzungen fördern will. Auch die Kategorie „Jumu open“ breche mit bisherigen Tabus, da könnten Eigen-Kompositionen neben spontanen Improvisationen auf ungewöhnlichen Instrumenten präsentiert werden. Es gehe um eine schlüssige, wirksame und überzeugende Performance.

Der Regionalwettbewerb für die Westpfalz soll für Stadt und Landkreis Kaiserslautern, die Städte Pirmasens und Zweibrücken sowie die Landkreise Kusel und Südwestpfalz und nicht zuletzt den Donnersbergkreis im kommenden Januar stattfinden. Und wann genau? Die Homepage der Sektion Westpfalz ist nicht aktuell, die letzte Eintragung ist vom Januar 2020. Selbst die Bundes-Geschäftsstelle „Jugend musiziert“ konnte auf Anfrage für die Westpfalz keinen konkreten Termin benennen. Immerhin ist bekannt, dass der Landeswettbewerb in Mainz zwischen 18. und 21. März, der Bundeswettbewerb in Bremen und Bremerhaven vom 20. bis 27. Mai stattfinden soll.

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