Donnersbergkreis „Job vereint alles, wofür ich mich interessiere“
Lesen, Schreiben, Rechnen und viele andere nützliche Dinge fürs Leben hat Lehrerin Edith Knötzsch, Schulleiterin der Maria-Montessori-Grundschule in Winnweiler, ihren Schützlingen Tag für Tag beigebracht. Nach 40 Jahren ist nun Schluss: Die 63-Jährige wird heute in den wohl verdienten Ruhestand verabschiedet. Im Gespräch mit Lisa Demmerle blickt Knötzsch auf ihre Karriere zurück, aber auch auf den neuen Lebensabschnitt voraus.
Ich glaube, er freut sich genauso sehr wie ich. Er ist selbst Lehrer und geht jetzt ebenfalls in Ruhestand. Wie sehen Ihre Pläne für die neugewonnene Freizeit aus? Ich freue mich darauf, mehr Zeit für die Familie zu haben, vor allem für unsere vier Enkelkinder. Ansonsten liebe ich es, im Garten zu arbeiten, und mit dem Malen möchte ich wieder anfangen. Das letzte Bild, das ich privat gemalt habe, liegt 16 Jahre zurück – da wurde ich hier in Winnweiler Rektorin. Außerdem lernen mein Mann und ich seit fünf Jahren Spanisch. Das wollen wir vertiefen. Dann machen wir hoffentlich auch mal wieder unsere Hausaufgaben. Warum haben Sie sich damals für den Beruf als Grundschullehrerin entschieden? Zuvor hatte ich immer mal wieder mit Berufen wie Journalistin, Innenarchitektin oder etwas mit Sprachen geliebäugelt. Nachdem ich als Schülerin oft im Kindergarten geholfen und in der Nachbarschaft Nachhilfe gegeben habe, wusste ich: Das ist es! Als ich kurz vorm Studium stand, haben sich die ersten Lehrerschwemmen abgezeichnet, und viele haben mir von meinem Berufswunsch abgeraten. Aber ich bereue es nicht. Mein Job vereint sogar alles, wofür ich mich je interessiert habe. Wie sahen ihre Vorstellungen vom Lehrerdasein vor Ihrer Karriere aus – und wie sehen Sie es heute? Als Schülerin dachte ich, man lernt mit Kindern nur Rechnen, Schreiben und Lesen. Heute weiß ich, dass fächerübergreifendes Lernen und Freude am Unterricht der Schlüssel dazu sind, ein Grund- und Allgemeinwissen zu vermitteln. Außerdem glaube ich, dass insbesondere durch Kunst, Musik und Theaterspielen ein Kind in seiner Persönlichkeit und in seinen Interessen stark gefördert werden kann. Was haben Sie im Gegenzug von Ihren Schülern gelernt? Unheimlich viel: die Welt mit anderen Augen zu sehen. Schwierige Dinge auf ein Level herunterzuholen, das für Kinder verständlich ist. Und natürlich die Freude der Kinder. In diesem Punkt waren wir vielleicht auch wesensgleich: Denn wenn sich die Kinder gefreut haben, hat es mich immer weiter motiviert, und es hat mir gezeigt, dass meine Arbeit klappt. Was wird Ihnen fehlen? Natürlich die Kinder, aber auch der Austausch mit Kollegen: Ich habe es genossen, sowohl jüngere als auch ältere Kollegen zu haben. Die Gespräche im Alltag empfand ich immer als angenehm und bereichernd. Aber ich freue mich auch auf die Zeit ohne die Verantwortung einer Schulleiterin. Was war Ihr persönlicher Höhepunkt in Ihrer Karriere? Definitiv das Comeniusprojekt von 2011 bis 2013. Dabei stand unsere Schule mit vier Partnerschulen aus Irland, Spanien, Norwegen und Rumänien in Kontakt. Gemeinsam haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie man Fremdenfeindlichkeit in der Grundschule abbauen kann. Dazu gehörte auch, dass sich die Lehrer-Teams gegenseitig an den Schulen besuchten. Zum Abschluss gab es dann im Winnweilerer Festhaus eine Musical-Aufführung, wofür Schüler, Eltern und Lehrer aus den Partnerschulen anreisten und mitwirkten. Ich bin so dankbar für dieses geniale Kollegium, ohne das so etwas nie im Leben möglich gewesen wäre.