Donnersbergkreis Jitos Schuss wie ein Strich
Winnweiler. Kein Mut, kein Esprit. Und derbyreif war der Auftritt schon gar nicht: Der ASV Winnweiler II kam gestern gegen seine Ortsnachbarn von der SG Münchweiler/Alsenbrück-Langmeil unter die Räder. Mit 0:4 (0:2) wurde der Sechste der B-Klasse Nord, zugegeben einen Tick zu deutlich, zerpflückt. Brillieren musste die Elf von Trainer Igor Schmidt nicht. Das Nötigste, ergo die Tore, reichten, um einen vom Aluminium-Pech heimgesuchten ASV ins Leere laufen zu lassen.
Bassirou Boukari schlich als Letzter vom Kunstrasen. Er zuckte mit den Achseln, grummelte ernüchtert ein paar Worte in seinen schwarzen Trainingspulli. Und dann zwang er sich, obwohl es schwer fallen musste, noch zu einem sarkastischen Grinsen. „Ich hatte das Gefühl, wir hätten bis morgen Früh weiterspielen können und hätten kein Tor geschossen“, raunte der Coach des ASV Winnweiler II und schüttelte den Kopf. Sein erfahrener Abwehrchef Marcello Salice fällte da ein deutlich härteres Urteil, als er schweißnass und schwer atmend vom Feld trottete. „Da war kein Einsatz, technisch war das gar nix. Einfach zu wenig. Wir haben nicht dagegengehalten.“ Als schlichtweg „katastrophal“ beschrieb Salice den, gerade im ersten Durchgang, laschen Auftritt des ASV II. Ein 0:4 stand am Ende. Im Derby gegen die neu formierte SG Münchweiler/Alsenbrück-Langmeil. Das saß tief. Und schmerzte. Es gab dabei eine Phase, in der der „kleine“ ASV das Malheur Halbzeit eins, den 0:2-Rückstand, ordentlich hätte retuschieren können. Mit Joker Christian Lacmann, dem 37-jährigen Knipser, lebte Winnweilers Hoffnung auf – mit ihm starb sie jedoch auch jäh: Zwar holte Lacmann, clever fallend, einen Elfer raus. Den knallte er selbst aber an den Pfosten (68.). Klar, alte Fußballweisheit, der Gefoulte soll doch nicht. Drei Minuten früher schon hatte der Routinier die Riesen-Doppelchance, schoss erst SG-Torsteher Jonas Schuschke an den Fuß, dann ins Auffangnetz. Einer davon musste sitzen. „Ich hatte in der Kabine gesagt, das ist noch nicht verloren“, resümierte Boukari später. „Laci hat normal die Erfahrung, dass er die Dinger macht.“ Normal war gestern nichts beim ASV II. Mit dem 1:2-Anschluss hätte er das Derby womöglich gerade biegen können. So bestrafte die SG die Fahrlässigkeit, auch die verzeihliche Unerfahrenheit der noch grünen Winnweilerer Elf, knallhart: Nachdem Elias Hühn an die eigene Latte köpfte, staubte Maximilian Frick trocken zum 3:0 ab (74.). Ein klasse Drehschuss von SG-Kapitän Philip Dautermann schlug schließlich zentimetergenau im langen Eck ein, 4:0 (80.). Ein verdienter Sieg, wenn auch zu hoch. Denn es kann keine Rede davon sein, dass der Gast den ASV permanent an die Wand gepresst hätte. Boukaris Team hatte noch dazu massig Pech. Neben Lacmanns Strafstoß schepperte zwei weitere Male das Aluminium (29., 56.). „Das Ergebnis war vorher nicht zu erwarten und spiegelt den Verlauf nicht wieder“, räumte Igor Schmidt, Spielertrainer der SG, ein. „Wir haben halt durchgezogen und das Tor getroffen.“ Hinten kompakt gegen harmlose Winnweilerer, vorne nicht immer, aber ab und an mit kalter Schnauze. Es genügte. Ein Extralob verdiente sich in Reihen von Blau-Weiß Schmidts 18-jähriger Syrer Ali Jito. Wie oft ließ er die ASV-Defensive mit Bolzplatztricks alt aussehen, mehrere Male tunnelte er und setzte zum Solo an. Nachdem Denny Weiler mit einem haltbaren Schuss das 1:0 markiert hatte (6.), zimmerte Jito den Ball ansatzlos flach ins Netz (9.). Ein Strich. Direkt, schnell, stramm kombiniert der Angriff – Glanzpunkt gestern. „Die Tore kamen aus dem Nichts. Uns hat einfach die Entschlossenheit gefehlt“, rügte Boukari. „Der war gut geschossen. Wir haben heute als geschlossene Mannschaft gespielt, aber noch zu viele Bälle verloren“, meinte der Syrer Jito zu seiner Bude. Trainer Schmidt sagte lachend über ihn: „Er ist schon ein Guter. Manchmal zu ballverliebt.“ Vier, fünf freche Aktionen – Jito belebte das Spiel. Das hatte der Kick auch nötig… So spielten sie ASV Winnweiler II: Erdmann - Dellmann (58. Weis), Salice, Hühn, Huff - Jan Giehl, Bleckmann - Luca Boukari, Dalli (46. Iselborn), Heimsoeth (55. Lacmann) - Marlow SG Münchweiler/Alsenbrück-Langmeil: Jonas Schuschke - Bies (67. Philipp Schmitt), David Schuschke, Andreas Schmitt, Frick (76. Vogel) - Schmidt, Dautermann - Günther, Sautner, Weiler (46. Fahr) - Jito Tore: 0:1 Weiler (6.), 0:2 Jito (9.), 0:3 Frick (74.), 0:4 Dautermann (80.) - Gelbe Karten: Bleckmann, Salice, Jan Giehl - Jito - Beste Spieler: Jito, Dautermann - Zuschauer: 120 - Schiedsrichter: Dillenkofer (Trippstadt).