Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Jessica Bauer geht in die Basketball-Rente

Jessica Bauer in ihrem allerletzten Spiel für den TV Kirchheimbolanden im Halbfinale des BVP-Pokals gegen Kaiserslautern Thunder
Jessica Bauer in ihrem allerletzten Spiel für den TV Kirchheimbolanden im Halbfinale des BVP-Pokals gegen Kaiserslautern Thunderbolt.

Jessica Bauer hängt nach über 35 Jahren ihr Trikot des TV Kirchheimbolanden an den Nagel. Was sie am Sport fasziniert und warum Kinder nicht nur privat ihr Leben bewegen.

Es war kein Basketball-Spiel wie jedes andere. Die Körperspannung und Körperanspannung waren ganz andere. Die Motivation eine besondere. Ihre Augen feucht, vor allem nach Abpfiff. Als richtig bewusst wurde, „das war mein letztes Match“. Auch gab’s einige Tränen des Wehmuts, als sie beim Halbfinale gegen die Kaiserslautern Thunderbolts um den Pfalz-Pokal 2026 vor wenigen Wochen zum letzten Mal ihre Basketball-Stiefel schnürte. Aber auch Tränen der Freude und Dankbarkeit, diese „verdammt schöne Zeit“ ohne große Verletzungen und mit vielen tollen Momenten erlebt zu haben. Und wichtige Bezugsperson für viele, viele jüngere TVK-Korbjägerinnen gewesen zu sein. Die Zeitreise als Kurzfilm in ihrem Kopf – viele Erinnerungen waren präsent. Auch nach Abpfiff beim geselligen, „feuchtfröhlichen“ Beisammensein in der Halle mit dem Team, Anhängern und alten Bekannten, die extra zu ihrem letzten Spiel gekommen waren.

Immer den TVK treu

„Mit 16 fing ich an, jetzt bin ich 53. Ich spielte aktiv länger Basketball als Dirk Nowitzki. Im Gegensatz zum deutschen Superstar war ich brav nur dem TVK treu. Weil ich hier lebe, mich bei ,Kibos’ Korbjägern wohl fühle, gerne mit gutem Beispiel vorangegangen bin und Ansprechpartnerin für jüngere Spielerinnen war“, erzählt das TVK-Vorbild. „Am Anfang war das natürlich anders, als ich über Freundinnen zum Basketballtraining mitgenommen wurde. Da war ich noch sehr unbeholfen und demütig, mit erfahrenen Spielerinnen trainieren und spielen zu dürfen. Von ihnen saugte ich viel auf. Entscheidend für meinen Weg waren auch mein erster Trainer Wolfgang Ebel bei der A-Jugend und Wolfgang Eid als Trainer des Damenteams.“

Man habe sich vorbildlich um sie als Neuanfängerin, auch mit Individualtraining, gekümmert. Für das richtige Ball-Handling, die passenden Bewegungen bei Korblegern oder Pässen und auch später für den perfekten Weitwurf, erinnert sich die in Bischheim lebende Vollblut-Korbjägerin genau an ihre Anfänge beim ältesten pfälzischen Basketballclub. „Auch wenn nach so einer langen Zeit etwas Wehmut dabei war, fühlt sich alles richtig an. Es ist jetzt einfach mal gut. Zuletzt ging mir in einer schwierigen Saison mit vielen Niederlagen und wenig Chancen auf Erfolgserlebnisse mental auch etwas die Puste aus“, sagt die TVK-Kapitänin, die bis zum Schluss Leistungsträgerin und oft, wie zu ihrem Ausstand beim Top-Four-Finale, Topscorerin ihrer Mannschaft war. „Ich konnte bis zum Schluss voll durchziehen und mit einer entscheidenden Rolle das Team unterstützen.“

Mit Töchtern auf dem Feld

Natürlich habe die Zeit, als die eigenen Kinder mit dem Basketball anfingen, sie besonders geprägt und erst recht mit der Korbjagd in Kirchheimbolanden verwurzelt. „Besonders gut fühlte es sich an, als ich mit meinen Töchtern Emma und Meike in einer Mannschaft spielte. Das waren schöne Erlebnisse“, erklärt der in der großen TVK-Basketball-Familie beliebte „Gute-Laune-Mensch“. Was faszinierte das große Energiebündel am meisten an der Korbjagd? „Basketball ist ein unheimlich ästhetischer und dynamischer Sport. Der zum Selbst-Spielen, aber auch zum Zuschauen, live in der Halle oder am Fernsehen, viel Spaß macht“, berichtet Bauer. „Wenn die Lederkugel elegant und leise aus weiter Entfernung durchs Netz flutscht, ohne dabei ein Geräusch zu hören, wenn der Ball den Ring berührt – das ist ein tolles Gefühl!“

Dass sie es so lange beim Basketball „ausgehalten“ habe, hinge vor allem mit den vielen Begegnungen und den daraus entstandenen Freundschaften zusammen. Es seien die Menschen, die den TVK und die Korbjagd zu etwas Besonderem machen. „Nur ein Beispiel von vielen: Mit Eva-Maria Krause-Lott verbindet uns zum Beispiel über den Basketball hinaus eine feste Freundschaft“, verrät Jessica Bauer. „Seit Jahren fahren wir mit beiden Familien in den Sommerferien nach Frankreich und genießen dort alle gemeinsam unseren Urlaub am Atlantik. Basketball und der TVK sind dabei immer ein Thema.“

Die Familie mit Carsten, ebenfalls eingefleischter TVK-Basketballer, und ihren vier Kindern Emma, Meike, Peter und Lutz ist wichtiger Lebensmittelpunkt – auch wenn es aktuell „beschaulicher“ zugeht im Eigenheim in Bischheim. Lutz besucht die 8. Klasse des Nordpfalz-Gymnasiums und auch Meike, die zu ihrem Lehramtsstudium nach Landau pendelt, lebt noch Zuhause. Emma studiert Lehramt in Würzburg und ist gelegentlich in der Heimat. Genauso wie Peter, der mit dem dualen Studium „Chemische Technik“ an der Hochschule in Mannheim und bei einem Unternehmen in Eberbach in seine berufliche Karriere startete.

Beruf als Berufung

Auch in der Basketballhalle steht die Jugend im Fokus. Seit 2020 kümmert sich Jessica Bauer als Assistenztrainerin an der Seite von Headcoach Sven Radloff um den männlichen Nachwuchs und die Talentförderung beim TVK. Ganz besonders bestimmen Kinder ihr berufliches Leben. „Nach 27 Jahren kann ich immer noch behaupten: Ich bin mit Leib und Seele Grundschullehrerin“, sagt sie mit Überzeugung. „Mit der Zeit hat sich aber alles verändert. Gefühlt muss man sich heute als Lehrerin um 100 Sachen kümmern. Der Erziehungsanteil ist größer geworden. Konfliktlösungen und Kontakt zu Eltern gehören zum Alltag. Unsere Grundschule in Kirchheimbolanden mit 400 Kindern hat viele Modelle unter einem Dach: Ganztagsschule, PES- und Schwerpunktschule. Den Hauptblick auf den Unterricht zu halten, ist mit den vielfältigen Aufgaben anspruchsvoll geworden.“

Wie beim Basketball gehört auch im Job die Extra-Portion Leidenschaft und Engagement dazu – so ist sie neben ihrer Tätigkeit als Lehrerin und Klassenleiterin auch Personalratsvorsitzende der Schule mit 35 Lehrkräften. Verantwortung übernehmen und voran gehen – das gehört ganz fest zum Leben von Jessica Bauer!

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