Rockenhausen
Innenstadt: Wieder einige Barrieren weniger
Die Rockenhausener Innenstadt wird zum einen – bevorzugt von Auswärtigen – für ihr malerisches Flair gelobt, zum anderen – bevorzugt von Einheimischen – für ihre schwierige Begehbarkeit kritisiert. Für Letzteres sorgt vor allem das Kopfsteinpflaster, das zwar den Gässchen rund um Marktplatz und protestantische Kirche ihren prägenden Charme verleiht, aber das Vorankommen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen deutlich erschwert bis unmöglich macht. Und auch außerhalb des unmittelbaren Stadtkerns – etwa auf Verbindungswegen, die von Parkplätzen ins Zentrum führen – bestehen Barrieren.
Diese zumindest an einige Stellen abzubauen, hat sich der Stadtrat vor geraumer Zeit zum Ziel gesetzt. Konkret wurden dann vor drei Jahren mehrere Projekte beschlossen, die seither sukzessive umgesetzt werden. So ist im unteren Teil der Ringstraße auf zwei Abschnitten vor dem protestantischen Gemeindehaus das Pflaster besonders grob – eine Spezialfirma aus der Nähe von Stuttgart hat daher den Belag links und rechts auf jeweils einem Meter Breite mit einer sogenannten Zementschlämme verfestigt, danach abgeschliffen und dadurch geglättet. Auf diese Weise sind vier leichter begeh- oder befahrbare Streifen entstanden.
Ohne Hindernisse von Sparkassen-Parkplatz ins Zentrum
Bereits vor knapp zwei Jahren war eine erste Maßnahme umgesetzt worden: Der Fußweg, der den Parkplatz an der Sparkasse Donnersberg mit der in die Innenstadt führenden Rosmarienstraße verbindet, war zuvor auf einem rund 15 Meter langen Abschnitt geschottert – den losen Untergrund hat der städtische Bauhof mit Pflastersteinen befestigt.
Und nur wenige Meter entfernt ist vor wenigen Tagen ebenfalls eine Hürde beseitigt worden: Denn zwischen besagtem Pfad und dem Sparkassen-Parkplatz liegt die obere Ringstraße – auf beiden Seiten war bisher zwischen Fahrbahn und Bürgersteig ein kleiner, für gehbehinderte Menschen aber entscheidender Absatz zu überwinden. Das ist nun Geschichte, wie Erster Stadtbeigeordneter Werner Dietz auf RHEINPFALZ-Anfrage mitgeteilt hat: Der Baggerbetrieb Dörr aus Marienthal hat ein mehrere Meter breites und bis zur Kante der Gehwege angehobenes Plateau errichtet. Zusammen bilden sie nun eine ebene Fläche – künftig ist also aus dieser Richtung das Zentrum barrierefrei erreichbar.
Autos müssen langsamer machen
Die neue Gestaltung hat mehrere positive Begleiteffekte: Die Pflasterung mit Betonsteinen sieht nicht nur ansprechend aus, sondern hebt die Stelle als Fußgängerüberweg optisch noch stärker als bisher hervor. Ferner müssen Verkehrsteilnehmer deutlich langsamer machen, um über das Podest zu fahren. Es ersetzt in dieser bremsenden Funktion die beiden Schwellen aus Kunststoff, die bislang auf die Fahrbahn montiert waren. „Die musste der Bauhof – etwa für den Triathlon am Herbstfest – öfter ab- und wieder dranschrauben, zudem hat das Material im Laufe der Zeit gelitten“, so Dietz. Die jetzige Lösung bedeute somit auch Entlastung für die städtischen Arbeiter.
Abhilfe geschaffen wurde kürzlich auf einem weiteren Abschnitt: der Verbindung Schlossstraße–Rognacplatz, vorbei am St.-Theodor-Platz beim Eiscafé Messina. Diese wird vor allem deshalb viel genutzt, weil der Rognacplatz die flächenmäßig größte und am nächsten gelegene Parkmöglichkeit der Altstadt darstellt. Gerade hier ist jedoch die Oberfläche besonders holprig, weshalb man zunächst ebenfalls über ein Abschleifen nachgedacht habe.
Ebener Weg zwischen Schlossstraße und Rognacplatz
Da aber in diesem Bereich zudem „das letzte original Rockenhausener Altstadtpflaster liegt, wollten wir so viel wie möglich davon erhalten“, so Dietz. Der Kompromiss: Auf der einen Seite blieb der Belag unberührt, auf der anderen hat die Firma Paul aus Stahlberg einen Laufweg aus Basaltlava eingezogen. Die Platten aus Naturstein fügen sich nicht nur nach Meinung des Beigeordneten optimal in das Ambiente der Innenstadt ein. Für die zwei jüngsten Maßnahmen waren 60.000 Euro veranschlagt, „es wird vermutlich etwas billiger“, berichtet Dietz. Zudem werden 90 Prozent der Kosten aus dem noch bis Jahresende laufenden Konjunkturprogramm III des Bundes gezahlt.
Noch in der Warteschleife befindet sich dagegen ein anderes Vorhaben: Ähnlich wie in der Ringstraße soll auch an der Ecke Kaiserslauterer Straße/Bahnhofstraße die Fahrbahn angehoben werden. Grund: Am dortigen Zebrastreifen ist der Bürgersteig wegen des hohen Absatzes aufseiten der Alsenz mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen nur schwer zu erklimmen. Das ist wegen des hohen Verkehrsaufkommens nicht nur hinderlich, sondern mitunter auch gefährlich und hat wiederholt schon zu Klagen von Bürgern geführt.
Fahrbahn am Zebrastreifen soll angehoben werden
Allerdings sei dieses Projekt in Planung und Ausführung aufwendiger als in der Ringstraße: „Die Rampe ist länger und erstreckt sich über zirka 20, 30 Meter – mit dem Zebrastreifen als höchsten Punkt. Die Einmündung zum Bahnhof soll ebenfalls ein wenig angepasst werden“, erläutert Dietz. Bei der Finanzierung hoffe man auf Zuschüsse aus dem Folgeprogramm der 2016 ausgelaufenen Altstadtsanierung. Aus dem Fördertopf des Bundes werden über zehn Jahre private und öffentliche Bauvorhaben bis zu einer Gesamtsumme von 6,5 Millionen Euro durch Zuschüsse unterstützt. „Die ersten Förderanträge sind gestellt, darin ist auch diese Maßnahme enthalten“, so Dietz. Es wäre ein weiterer Mosaikstein für eine barrierefrei(er)e Innenstadt.