Donnersbergkreis In 72 Stunden Großes geleistet

Die Rockenhausener Gruppe „T.O.F.F.E.S.“ hat es geschafft: Schon am Sonntag wurde die mobile Bibliothek eingeweiht, die in einem
Die Rockenhausener Gruppe »T.O.F.F.E.S.« hat es geschafft: Schon am Sonntag wurde die mobile Bibliothek eingeweiht, die in einem alten Bauwagen entstanden ist.

An Feierabend ist am Donnerstag ab 17.07 Uhr im Rockenhausener Schlosspark nicht zu denken. Nach Bekanntgabe der gemeinnützigen Projekte, die die sechs Gruppen in nur 72 Stunden umsetzen sollen, wird bei den „Gellemer Engelscher“ noch am Abend in die Hände gespuckt. „Als wir erfahren haben, dass es unsere Aufgabe ist, den Dachsie-Weg zu verschönern und eine Waldrallye zu organisieren, sind wir sofort dahin gefahren und haben uns die Stelle angeschaut“, so die Gruppenleiterin Anne Matheis. „Heute Morgen waren wir noch etwas ratlos. Wir sollen ja eine Baumpyramide bauen, wussten aber nicht, was das ist“, gibt die 14-jährige Lulu, die zum ersten Mal bei der Sozialaktion mitmacht, am Freitagabend zu. Dank der Hilfe von Förster Franz Kern ist das Rätsel schnell gelöst: Bei der Baumpyramide handelt es sich um eine Art Tipi, dessen Zeltwand nicht aus einer künstlichen Plane, sondern aus mit Blättern bedeckten Ästen besteht. Während Kern für die ordnungsgemäße Beschaffung von Material in Form von Baumstämmen und Ästen sorgt, ist die 14-köpfige Truppe mit dem Bauen des Unterschlupfs und der Werbung für die Waldrallye am Sonntag in der Grundschule und der Kita beschäftigt. Ähnlich wie die „Gellemer Engelscher“ verbringt die Gruppe der Jugendkirche (Juki) ihren dreitägigen Arbeitseinsatz im Freien. In Winnweiler verschönern die 42 Teilnehmer hochmotiviert den Saint-Laurent-Nouant-Park. Dazu gehört vor allem das Abschmirgeln und Streichen von Mülleimern, Bänken und Laternen. Es ist sogar noch Zeit, um eine Wildblumenwiese anzulegen. Angesteckt vom Engagement ihrer Kinder steuern viele Eltern Kaffee und Kuchen zum Verkauf bei der Abschlussfeier am Sonntag im Winnweilerer Park bei. „Die Einnahmen gehen an Viva con Aqua, da die Juki Speyer eine Kooperation mit der Organisation abgeschlossen hat“, erzählt Gruppenleiterin Katharina Hoffmann begeistert. Zeit zum Spielen muss sein Auch die Gruppe um Pascal Garrecht, die sich in der Lebenshilfe Kirchheimbolanden mit den Bewohnern dem Thema „Der Baum als Ort der Erinnerung“ widmet, hat beim gemeinsamen Frühstück einen Plan. Schnell ist ein alter Trockner organisiert, dessen Trommel als Pflanzbehälter dienen soll. Bepflanzte Paletten und angemalte Steine sollen das Gesamtbild abrunden. „Wir könnten auch eine Vogeltränke in das Fach hier machen. Oder ertrinken da die Vögel?“, sorgt sich die elfjährige Kaya und deutet auf den Kondenswasserbehälter des Trockners. Derweil freuen sich die Bewohner über den Besuch der jungen Leute. So hilft Bewohner Sven gerne beim Zerlegen der Elektronik in der Maschine. Katharina hingegen lässt sich von Pascal ein 72-Stunden-Tattoo aufkleben und Seniorin Else freut sich über Zuwendung. Zeit für ein paar Umarmungen oder eine Spielerunde muss sein, ist sich die Gruppe einig. Angst, dass ihnen die Zeit beim Umbau eines Bauwagens in eine mobile Bibliothek davonrennt, hat die Rockenhausener Gruppe „T.O.F.F.E.S.“. „Am Freitag haben wir uns kurz Sorgen gemacht, weil das Abschleifen der selbstgebauten Bücherregale so lange gedauert hat“, erinnert sich Teilnehmerin Annika. Deswegen habe das Team den Joker bei den Organisatoren, dem KoKreis, eingesetzt und so eine Stunde Hilfe erhalten. Am Sonntagmorgen neigen sich die Arbeiten dem Ende zu. Gelassen malt Annika einen Teddy auf eine Kiste. Mittlerweile erstrahlt der ehemals orangefarbene Bauwagen in neuem Antlitz: Kinderbuchhelden wie Hase Felix, Biene Maya oder Ungeheuer Grüffelo laden nun ins gemütliche Innere zum Stöbern ein. Dort warten bereits neue Kissen und einige Sitzgelegenheiten auf ihren ersten Einsatz während der Vorleseaktion beim späteren Abschlussfest im Schlosspark. Das Thema Sterben berührt Die letzten Stunden vor dem Ende der Aktion will auch die Gruppe vom Stadthaus sinnvoll nutzen. Ihre Aufgabe ist es, eine Spendenaktion für das Hospiz in Rockenhausen zu organisieren. „Dafür haben wir am Samstag beispielsweise Blumen-Spenden in den Gärtnereien gesammelt, die wir später neben Getränken und Waffeln beim Abschlussfest verkaufen wollen“, erklärt der 16-jährige Kevin. Die Gruppe wurde nach einem intensiven und zum Teil sehr persönlichen Gespräch mit Hospizleiterin Birgit Edinger zum Thema Sterben selbst kreativ. Berührt von den Schicksalen erstellte Maurice 50 Flyer, um viele Menschen auf die Spendenaktion bei der Abschlussfeier im Schlosspark hinzuweisen. „Außerdem haben wir Dekoblumen aus Holz in der Werkstatt von einem Opa geschreinert, die wir auch verkaufen wollen“, erzählt Teilnehmer Luca (16) stolz. Gruppenleiter Phillip Lichtenberger organisiert zudem Spieletische, die oft beim Dorfspielwagen zum Einsatz kommen. Die Gruppe erhofft sich so, trotz Kommunalwahl viele Besucher in den Park zu locken. Nur wenige Stunden später geht das Konzept auf: Rund 1400 Euro gehen nach der Spendenaktion vom Stadthaus-Team an das Rockenhausener Hospiz. Ebenfalls als vollen Erfolg bezeichnet Jugendreferentin Jutta Baltes die Aktion in Hallgarten/Feilbingert. Neben der Sanierung eines Bushäuschens organisiert die Gruppe einen Kinoabend für Senioren. „Die Kinder und Jugendlichen haben einen Fahrdienst organisiert, damit das Angebot sogar von Senioren wahrgenommen werden konnte, die alleine leben und nicht mobil sind“, sagt Baltes. Tatsächlich ist das Interesse groß. „Die vielen geparkten Rollatoren im Pfarrheim am Sonntagabend sprechen eindeutig für die gelungene Aktion und die tollen Ideen aller Teilnehmer“, zeigt sich Baltes stolz.

x