Donnersbergkreis
Immesheim: Kerwefeier mit schmissigen Klängen und hohen Heulade-Zielen
Wenn an einem Freitag in der Zeltstadt am Nordhang des Saukopfs die Schlachtschüssel dampft, geht der Ruf durchs Zellertal: „In Immesem is Kerb“.
Die Immesheimer Kirchweih ist schon seit vielen Jahren für die Kolpingkapelle Zell der Anlass, ihre Sommerpause zu beenden. Ausschlaggebend dafür ist wohl, dass etliche Musiker des Zeller Blasorchesters aus dem Ort stammen. Unvergessen die drei Gebrüder, die als das Trompetentrio die „Drei Hugos“ Eindruck hinterließen. Dirigent Jochen Paulokat setzte das Kerwe-Schlachtfest in Töne um und stellte die Behauptung auf „Do werd die Wutz geschlacht, un doraus werd Worschd gemacht“ – was die Gäste in den voll besetzten Zelten lauthals gesanglich bestätigten.
„Kerwe gehört in die Ortsmitte“
In seiner Begrüßung trat Ortsbürgermeister Kurt Kauk dem Ansinnen einiger Bürger entgegen, die die Kerwe künftig in der neuerrichteten Feldscheune abhalten wollen, um so die Aufbauarbeiten zu ersparen. Mit ihm sei dies nicht zu machen, die Kerwe sei der Mittelpunkt der Dorfgemeinschaft und solle daher auch in der Mitte des Dorfes gefeiert werden. Die Kerweborsch un -mäd erfreuten sich an ihrem Bürgermeister, hatte er ihnen doch die in seinem Keller gefundene Kiste, in der einst die Kerwe 1993 beerdigt wurde, überlassen. Der Inhalt war eine Flasche des Siegerweines, der damals als Kerwewein ausgeschenkt wurde. Die Kerwejugend versteigerte die Rarität in der amerikanischen Versteigerungsform. Als der Wecker rasselte, waren 69,16 Euro in der Sammelbüchse.
Temperamentvoll zur Matinee
Im Kerwegottesdienst erinnerte Pfarrer Josef Mattheis an den Ortspatron Sankt Bartholomäus, nach dem viele Kirchen benannt worden seien. Im Frankfurter Dom würden die Marterwerkzeuge Messer und Kette, wie sie auch der Immesheimer Wappen zeigt, als Reliquien aufbewahrt. Dem Ortspatron gebühre Dank, dass er Gottes Sohn die Treue bis in den Märtyrertod gehalten habe, so der Prediger.
Der Musikalische Frühschoppen wurde dem Titel Matinee gerecht, beherrscht doch das Blasorchester der Zeller Kolpingfamilie alle Arten der Blasmusik. Paulokat am Pult erwies sich einmal mehr als temperamentvoller Musiklehrer, der seine Musikinterpreten in Hochform vorzeigen konnte. Die Anneliese, die Marianka, die Fischerin vom Bodensee und viele Frauen mehr begeisterten seit Jahrzehnten bis heute die Kerwegäste. Auch wenn die heutige Kerwe-Blasmusik anspruchsvoller geworden ist und auch Titel aus Musicals, Operetten bis zu modernen Schlagerhits enthält. Mit Tischmusik wurde zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen. Eine reich bestückte Kaffee/Kuchentafel wurde anschließend eröffnet.
Von Glück, Unglück und etwas dazwischen
In Erinnerung an die dauerhaft gültigen Kerwegebote, nach denen keiner nüchtern die Kerwe verlassen und man niemals Rheinhessen-Wein trinken darf, aber die Pfälzer Platten wegputzen soll, widmete sich der Redner David den Geschehnissen im Ort. Glück im Unglück hätte eine Familie, „die saßen beim Friehstück un drauße is de Schopp abgebrannt“, hieß es da. „De Schopp is verbrennt, de Windergaade verzoh, doch Leib und Lebe – es war noch alles do“, so der Kerwetrost. Von einer umgekippten Rolle berichtete David Kauk: „mer gucken aus em Fenschder naus, do fahrn vorbei zwee Rolle mit Heu belaad, so hoch wie e Haus.“ Das Unglück war ebenso vorhersehbar wie unaufhaltsam. Aber „des war dem egal. Es war halt so.“
Auch „de Vebandsbojemoschder“ musste als Teil der Kerwerede herhalten. Da er im vergangenen Jahr erfolgreich geholfen hatte, „die Hupsburg“ abzubauen, empfahl er sich für ähnliche Aufgaben in diesem Jahr. „Sollt er diesjohr widder kumme wolle, is er gern gesieh, des uffrolle vun de Hupfburg kriet er schunn ganz gut hie.“