Donnersbergkreis Im Ortskern ist größter Handlungsbedarf

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Ob ein Gastronomiebetrieb auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei in der Schlossstraße, Büros und Wohnungen im früheren Katasteramt oder Gewerbeansiedlungen auf der Kupferschmelz, dem einstigen Areal der Firma Gienanth: Die Studenten der Technischen Universität Kaiserslautern, die mehrere Wochen lang den Winnweilerer Ortskern inklusive Hochstein untersucht hatten (wir berichteten), haben eine Menge Vorschläge zur Sanierung beziehungsweise Umgestaltung des Zentrums erarbeitet. Die Ergebnisse haben sie nun im Festhaus öffentlich vorgestellt.

„Stadtentwicklung im ländlichen Raum“ heißt offiziell das Thema der Studie, die Studenten der Fachrichtung Raum- und Umweltplanung unter Anleitung von Professor Karl Ziegler am Beispiel des Winnweilerer und Hochsteiner Ortskerns unter Beachtung aktueller beziehungsweise drohender Leerstände bearbeitet haben. Inwieweit sich die Pläne tatsächlich umsetzen lassen, ist nicht nur eine Frage der Kosten, sondern auch der Interessen des jeweiligen Eigentümers, wie Ortsbürgermeister Rudolf Jacob in seiner Begrüßung vor rund 80 Besuchern betont hat: Die Studenten zeigten lediglich Möglichkeiten auf, lieferten Ideen und Denkanstöße, um den Ort attraktiver zu machen – ohne Einwilligung der Grundstücksbesitzer könne es aber selbstverständlich nicht zu Eingriffen kommen. Ist also ein Gelände im Privatbesitz, sind die Vorschläge der einzelnen Arbeitsgremien keine Entscheidungsgrundlage für die örtlichen Gremien. Allerdings sollte seiner Ansicht nach die Chance für Verbesserungen unter dem Einsatz öffentlicher Mittel genutzt werden. Zwar habe die Ortsgemeinde noch Optionen, weitere Neubaugebiete zu erschließen, so Jacob. Im Gemeinderat und den Ausschüssen sei man sich aber einig, dass eine Ausdehnung zu weiteren Leerständen führen würde. Stattdessen plädiere man dafür, den innerörtlichen Raum zu stärken. Auch Ziegler sieht mit Blick auf den demografischen Wandel und dem damit einhergehenden Rückgang der Bevölkerung eine große Herausforderung für die Dorfentwicklung. Sein Fazit aus vielen Untersuchungen: In Neubaugebieten stünden kaum Wohnungen leer – dieses Problem sei charakteristisch für Ortskerne mit ihren oft veralteten Gebäuden. Trotz Bevölkerungsrückgang steige die Zahl der Wohnungen seit 2002 stetig an, so Ziegler weiter. Auch dies führe zu einem Überschuss des Wohnangebotes. Die Schere zwischen der Anzahl der Einwohner und der Gebäude gehe immer weiter auseinander, so Ziegler. Zudem verliere eine Gemeinde, in der weniger Menschen lebten, auch an Kaufkraft, betonte der Professor. Zu Winnweiler im Speziellen sagte Ziegler, es gebe Leerstände und Brachen, die das Ortsbild ebenso verschandelten wie zum Teil schlechte Bausubstanzen. Kleine Grundstücke mit vergleichsweise großen Bauvolumen verhinderten Grünflächen und private Parkmöglichkeiten für Bewohner. Er hat aber auch eine gestiegene Qualität von Gebäuden im öffentlichen Raum festgestellt: Hier gebe es teils hochwertige Einzelobjekte. In verschiedenen Arbeitsgruppen haben die Studenten acht Teilbereiche unter die Lupe genommen. Dabei sind unter anderem die Altersstruktur, Belegungsdichte sowie jeweilige Nutzung der Gebäude systematisch erfasst worden. Davon ausgehend wurde ein Zielplan erstellt, auf den Konzepte zur Verbesserung der Wohnqualität aufgebaut werden können. Sehr unterschiedlich waren die vorgestellten Entwürfe bezüglich der geschätzten Kosten. Teuer ist grundsätzlich der Abriss von Gebäuden, billiger ist meistens die Sanierung. Ein Abriss wurde für einige veraltete Nebengebäude oder einzelne nicht mehr bewohnte, fast baufällig zu nennende Gebäude vorgeschlagen. Dadurch könnten unter anderem Verkehrswege ausgeweitet und die Lichtdurchlässigkeit erhöht werden. Auf frei werdenden Flächen könnten zudem private Parkmöglichkeiten geschaffen werden, so die Studie. „Das Wohnen im Ortskern wird auf Dauer gesehen an Bedeutung gewinnen“, sagte Ziegler und verwies auf die erstellten Konzepte für Schlossstraße und Neugasse. Allerdings könne eine solche Planung nur durch eine Bodenordnung umgesetzt werden. Als ein Beispiel nannte die dafür eingesetzte Arbeitsgruppe das Gelände der ehemaligen Gärtnerei in der Schlossstraße. Dort sei eine gestalterische Aufwertung mit einfachen Mitteln möglich. So könnte für die Bevölkerung ein Zugang zum Lohnsbach geschaffen werden. Infrastrukturell sei das etwa 2000 Quadratmeter große Gelände sehr gut angebunden. Vorgeschlagen wurde die Errichtung eines Gastronomiebetriebs mit einer Außenbestuhlung und das Anlegen eines öffentlichen Bewegungsplatzes. Über den Lohnsbach sei ein Steg, dahinter eine weitere Bebauung denkbar. Der Blick auf die Kirchen und die angrenzenden Kleingärten sollte freigehalten werden. Die Studenten haben eine Investitionssumme von rund 1,73 Millionen Euro errechnet. Weiteres Beispiel: das ehemalige Katasteramt, das sich noch immer im Eigentum des Landes befindet. Hier regen die Studenten die Schaffung von Geschäftsbüros und Wohnungen an. Dabei halten sie eine bauliche Erweiterung ebenso für möglich wie die Errichtung von sechs Garagen. Die Umsetzung der Pläne würde allerdings mit geschätzten 1,54 Millionen Euro richtig teuer werden. Erheblicher Sanierungsbedarf wird ferner für das Gelände um das denkmalgeschützte Gebäude auf der Kupferschmelz zwischen Winnweiler und Hochstein gesehen. Die kalkulierten Kosten für das ehemalige Areal der Eisengießerei Gienanth liegen bei rund drei Millionen Euro. Die Studenten empfehlen eine komplette Überplanung und eine künftige Ausweisung als Mischgebiet. Da die zu erschließenden Gewerbeflächen in einem Wohngebiet liegen, müsse es sich bei Neuansiedlungen um „verträgliches Gewerbe“ handeln. Abgeschlossen werden soll die begonnene Altlastensanierung, sowohl zur Bundesstraße als auch zur Bahnlinie hin wäre ein Lärmschutz zu installieren. „Im historischen Bereich von Hochstein sind relativ viele leerstehende Gebäude“, hat die entsprechende Arbeitsgruppe festgestellt. Soweit Übereinkunft mit den Eigentümern erzielt werden kann, sollten die teils veralteten Häuser abgerissen und das Grundstück einer ordentlichen Nutzung zugeführt werden. So könnten Einmündungsbereiche sicherer gestaltet und teilweise bestehende Engpässe entschärft werden. Angeregt wurde außerdem, kleinere, nebeneinander liegende Gebäude baulich miteinander zu verbinden. (llw)

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