Donnersbergkreis „Ich habe gern mit Leuten zu tun“

„Mit 16, 17 Jahren stand das für mich fest“, blickt Marco Barthel zurück auf seine Entscheidung, Polizist werden zu wollen. Heute ist er 24 und der jüngste Beamte in der Kirchheimbolander Polizeiinspektion. Bereut hat er seine Entscheidung noch keine Sekunde.
Ganz am Ziel ist der junge Kommissar indes noch nicht. Denn Kirchheimbolanden sieht er nur als Durchgangsstation. „Die Stadt kannte ich nur von Verkehrsschildern“, räumt er ein. Eine offene Schwangerschaftsvertretung bot sich ihm hier an nach dem Jahr bei der Bereitschaftspolizei in Mainz. Sein eigentliches Ziel aber sieht er im Polizeipräsidium Koblenz und dort in St. Goarshausen. Das hat biografische Gründe, die sind etwas verwickelter Art, wie er schmunzelnd zu verstehen gibt. Geboren ist Barthel nämlich in Sachsen, in der Nähe von Freiberg. Nach der Wende verschlug es seine Familie an den Rhein, wo er am Fuß der Loreley aufwuchs. Später ging es wieder zurück nach Sachsen. Doch nach dem Abitur in Meißen zog es ihn wieder nach Rheinland-Pfalz, das er eher als seine Heimat ansieht. Die Polizeiausbildung, von der Barthel lebhaft erzählt, ist offenbar ihrerseits geprägt vom Unterwegssein. Theorie bei der Landespolizeischule beim Flughafen Hahn, Grundlagentraining bei der Bereitschaftspolizei in Enkenbach, mehrwöchige Praktika bei unterschiedlichen Dienststellen der Schutz-, Kriminal- und Bereitschaftspolizei – das bringt viele räumliche Wechsel mit sich, viel Bewegung mit stetig neuen Herausforderungen und Aufgaben. Etwas, was Marco Barthel spürbar schätzt. Viel unterwegs ist er ohnehin auch privat, denn er wohnt zur Zeit in Bad Dürkheim, auch der Freundin wegen, die in Landau studiert. „Ein Freund, von dem ich das gar nicht vermutet hatte, hat sich bei der Polizei beworben und davon erzählt“, sagt er auf die Frage, was bei ihm den Berufswunsch geweckt hat. Auch Fernsehbeiträge und Dokumentationen über die Polizeiarbeit habe er sich gerne angeschaut und sich dann im Internet weiter informiert. Der Beruf komme zudem seinem kommunikativen Wesen entgegen. „Ich habe einfach gern mit Leuten zu tun“, lacht Barthel. Dass der Beruf auch mit Risiken und belastenden Situationen einhergehe, könne er gut ausblenden. Solche Erfahrungen hat er schon machen müssen, das Überbringen der Todesnachricht eines Unfallopfers nennt er als bislang schwierigsten Moment. Darauf werde man aber in der Ausbildung vorbereitet. Der Bewerbungsweg führt zunächst zur Landespolizeischule, genauer: zum Fachbereich Polizei der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Büchenbeuren beim Flughafen Hahn. Die Bewerbungsformulare kann man über das Internet beziehen. Mit der Bewerbung müsse man sich zugleich für eines der fünf rheinland-pfälzischen Polizeipräsidien melden, in seinem Fall war das wegen des Wunschziels St. Goarshausen das PP Koblenz. Dass die Ausbildung über eine Fachhochschule führt, zeigt an, was vielen nicht bekannt ist: Der Weg in den Polizeidienst führt über ein duales Studium und einen Bachelor-Abschluss. Das heißt, dass man in der Regel Abitur oder FH-Reife mit Studienbefähigung mitbringen muss. Auch andere Voraussetzungen müssen erfüllt sein, das reicht von Vorstrafenfreiheit und Verfassungstreue über gute Gesundheit und Fitness bis zur Mindestgröße von 1,62 Metern. Und dann ist man noch lange nicht aufgenommen. Davor lag vor Barthel noch ein dreitägiges Auswahlverfahren – inzwischen ist es auf zwei Tage verkürzt. „Wir gehörten zum letzten Jahrgang mit dem großen Auswahlverfahren“, so Barthel. Und das hatte es offenbar in sich. Von den 23 Mitbewerbern, mit denen er angetreten sei, seien am Ende noch fünf übrig gewesen, erzählt Barthel. Mathe, Diktat, Aufsatzschreiben, Konzentrations- und Intelligenztests am PC, dann ein Sportprogramm mit einem Cooper-Test, eine gründliche medizinische Untersuchung, das Verhalten in einer Gruppendiskussion zu einem aktuellen Thema bis hin einem abschließenden Einzelgespräch – von Schritt zu Schritt sei die Zahl der verbleibenden Bewerber geringer geworden. Am Ende blieb die spannende Frage, ob der eigene Platz im Ranking der Kandidaten zur Aufnahme reicht. Es habe einige Wochen gedauert, bis die erlösende Zusage im Briefkasten lag, erzählt Barthel. Im Mai 2010 war es soweit, und er zog von Sachsen zum Hahn. „Viel Abwechslung“, charakterisiert er die dreijährige Ausbildung, die mehrere Theoriemodule zu inhaltlichen Aspekten der Polizeiarbeit auf dem Hahn mit Praxis an verschiedenen Polizeidienststellen verbindet, nicht zu vergessen das zwölfwöchige Grundlagentraining, wo jeden Tag Sport auf dem Programm stand sowie Selbstverteidigung, Schießtraining und andere Fähigkeiten, auf die ein Polizist in seinem Alltag angewiesen ist. Und am Ende muss auch eine Abschlussarbeit geschrieben werden, wie in jedem anderen Studium. Die Ausbildung tritt der Polizeianwärter bereits als Beamter auf Widerruf an. Das anschließende Jahr bei der Bereitschaftspolizei, das er in Mainz absolviert hat mit Einsätzen insbesondere zum Objektschutz, war dann die letzte Station, bevor ihn sein Weg nach Kirchheimbolanden führte. Bis Ende Oktober wird er noch in Kirchheimbolanden Dienst tun, danach geht es wieder zur Bereitschaftspolizei und dann, wenn es wunschgemäß läuft, zur Heimatdienststelle. Und längerfristig? Viele Wege sind möglich, vom Dienst mit der Hundestaffel bis zum Hubschrauberpilot. Marco Barthel scheint aufgeschlossen für alle Eventualitäten.