Donnersbergkreis
Homeoffice kommt langsam an seine Grenzen
Von Jutta Glaser-Heuser und Rainer Knoll
Mehr als die Hälfte aller Mitarbeiter der Kreisverwaltung arbeiten derzeit bereits regelmäßig im Homeoffice. Diese Quote zu erhöhen, sei nicht vorgesehen, heißt es aus der Personalabteilung des Kreishauses. „Wir haben eine Eine-Person-pro-Büro-Regelung ausgegeben“, so die ergänzende Information. Weiterhin sei der Zeitrahmen stark ausgeweitet worden: Schon seit Beginn der Pandemie bestehe die Möglichkeit, die Arbeitszeit zwischen 5 und 21 Uhr zu erbringen.
Ausgeschlossen sei die Hausarbeit im Bereich der Deponie, am Empfang oder bei Abteilungen mit starkem Publikumsverkehr, etwa der Zulassungsstelle. Zudem gebe es auch in anderen Bereichen Vorgänge, bei denen persönliche Termine von Bürgern in der Verwaltung zwingend erforderlich seien.
Adient: Anwesenheit so weit wie möglich reduzieren
Im Rockenhausener Werk des Autozulieferers Adient (aktuell 1163 Mitarbeiter, davon 100 Azubis) werden sich durch die neue Verordnung keine gravierenden Änderungen ergeben. Denn das Unternehmen habe „bereits im November alle 100 Standorte in Europa angewiesen, alle Mitarbeiter, deren Arbeit es ihnen erlaubt, ins Homeoffice zu schicken“, teilt Sprecherin Annika Wiertz auf Anfrage der RHEINPFALZ mit. Der Zeitraum sei vorerst bis April befristet, „bei Bedarf werden wir das noch anpassen“. Auch für den Nordpfälzer Standort des weltweit größten Herstellers von Fahrzeugsitzen sei das Arbeiten von zu Hause in den Bereichen eingeführt worden, in denen es möglich ist – „in den produktionsnahen Bereichen ist dies natürlich so nicht umsetzbar“, so Wiertz weiter.
Darüber hinaus habe das Unternehmen eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um den Schutz der Mitarbeiter, deren Präsenz im Werk erforderlich ist, bestmöglich gewährleisten zu können. So werden laut Wiertz beim Betreten des Gebäudekomplexes in der Kreuzwiese Schnelltests angeboten – „nach den Weihnachtsferien haben wir sogar alle Mitarbeiter vor ihrer Rückkehr an den Arbeitsplatz getestet.“ Die Teilnahme an der Aktion sei freiwillig gewesen, von den Beschäftigten aber ohne Ausnahme unterstützt worden. „Seit dem 3. Januar konnten wir so 1280 Tests durchführen. Wir hatten in den Schnelltestungen drei positive Ergebnisse, die aber nach durchgeführten PCR-Tests nicht bestätigt werden konnten“, informiert die Sprecherin. Des weiteren werde Adient europaweit alle Arbeitnehmer, die an den Arbeitsplatz kommen müssen, „so schnell wie möglich“ mit medizinischen oder FFP2-Masken ausstatten.
VG-Verwaltung: Wichtig ist die Erreichbarkeit am Telefon
„Durch die neue Verordnung ergibt sich für uns ein kleiner Unterschied“, sagt Michael Cullmann, Bürgermeister der VG Nordpfälzer Land: Bislang habe man intern die Vorgabe gemacht, dass aus jedem Geschäftsbereich ein Mitarbeiter an seinem Arbeitsplatz anwesend sein soll. „Wir haben das nach den Beschlüssen von Dienstag nun dahingehend aufgeweicht, dass der- oder diejenige auch ins Homeoffice gehen kann, wenn er beziehungsweise sie dann telefonisch erreichbar ist.“ Somit sei zwar weiterhin zu den Öffnungszeiten der Verwaltung von jedem Sachgebiet jemand verfügbar, aber nicht zwingend vor Ort. Für die Bürger bedeute dies, dass sie in nächster Zeit bei Anliegen unbedingt zuvor die Verwaltung telefonisch oder per E-Mail kontaktieren, um einen Termin auszumachen.
Des weiteren werde die VG so schnell wie möglich an alle Beschäftigten FFP2-Masken ausgeben. Cullmann betont, sowohl er als auch die leitenden Angestellten hätten schon vor Corona die Möglichkeit gehabt, zeitweise von zu Hause zu arbeiten. Dank der technischen Ausstattung der Verwaltung sei die Ausweitung auf die übrigen Mitarbeiter auch relativ problemlos möglich gewesen.
Volksbank: Auch in Zukunft für mobiles Arbeiten offen
„Wir haben bereits lange vor der jetzigen Verordnung reagiert und unseren Mitarbeitern dort, wo es machbar und sinnvoll ist, das mobile Arbeiten von zu Hause ermöglicht“, sagt Vorstandssprecher Günter Brück von der Volksbank Alzey-Worms. Allerdings sei das nicht ganz einfach, weil aufgrund der sensiblen Kundendaten und des Bankgeheimnisses keine privaten Computer genutzt werden dürfen. Zudem gelten die Banken als systemrelevant und möchten daher den Geschäftsbetrieb vor Ort möglichst uneingeschränkt aufrecht erhalten. „Auch dadurch sind uns also Grenzen gesetzt“, so Brück.
Schon zu Beginn der Pandemie habe man in der Volksbank alle erdenklichen Vorkehrungen getroffen, um die Mitarbeitern in den Schalter- und Büroräumen ein sicheres Arbeitsumfeld zu bieten. Es seien Abteilungen getrennt und Schutzwände installiert worden, zudem könnten viele Einzelbüros genutzt werden. Brück: „Generell stehen wir dem Thema des mobilen Arbeitens auch für Zeiten nach der Pandemie durchaus offen gegenüber.“
Sparkasse: Heimarbeit auf ein Drittel ausdehnen
Man versuche, die Heimarbeit noch weiter auszuweiten, von einem Viertel der Belegschaft auf ungefähr ein Drittel. „Aber wir kommen da jetzt an Grenzen“, so Frank Holzheimer vom Vorstandssekretariat der Sparkasse Donnersberg. Aktuell arbeiteten 51 Mitarbeiter von daheim, das funktioniere gut, und auch in puncto Datensicherheit müsse man keine Bedenken haben. „Wir sind durch ein spezielles Einwahlsystem abgesichert.“
Wo möglich biete man im Haupthaus den Mitarbeitern ein eigenes Büro an, um Kontakte zu reduzieren. Hinzu komme ein Arbeitszeit-Schichtmodell, um auch hier Ausweichmöglichkeiten zu schaffen. Natürlich lasse sich in einem Kreditunternehmen nicht alles Online regeln, der Kundenkontakt sei wichtig und dürfe nicht ganz wegfallen. „Aber auch da treffen wir Vorkehrungen, haben Trennwände aufgestellt und bieten genügend große Büroräume an.“