Donnersbergkreis „Holzschnäppchen“ locken die Heimwerker an
Gleich fünf „Holzwürmer“ wollen eine Tanne haben und bieten für den Stamm. So treiben sie den Preis von 190 auf 250 Euro hoch. Richtig spannend wurde es zeitweise bei den beliebten Lauterecker Holzschnäppchen am Samstagvormittag. 54 Stämme von 17 verschiedenen Baumarten lockten zahlreiche Hobbyschreiner, Drechsler oder Heimwerker zum Holzlagerplatz „Staudacker“ an der Bundesstraße zwischen Heinzenhausen und dem Reckweilerhof.
Rund 55 Festmeter Holz interessierten bereits erfahrene Käufer wie auch Neulinge. Das Forstamt Kusel bot ein breites Spektrum von Nadel- und Laubhölzern aus dem Staats- und Gemeindewald der Region an. Von den rund 25 in unseren Wäldern heimischen Gehölzen wurden 17 angeboten, darunter beispielsweise die Weißtanne, der Baum des Jahres, wie Werner Pfaff, der Büroleiter des Forstamtes, erklärte. Diese werde nach und nach die Fichte ablösen und sei dadurch, dass sie gut mit Trockenheit klar komme, gut geeignet. Auch die unempfindliche und schnell wachsende Douglasie erfreue sich großer Beliebtheit. Schon immer hoch im Kurs stehe die Eiche, die immer „lebendiger“ gewünscht werde, also mit vielen Ästen, sodass sie ein besonderes und individuelles Bild ergebe. Außerdem im Angebot: Weymouthskiefer, Bergahorn, Fichte, Eiche, Esche bis zur Robinie, Kirsche oder auch Birke. „Hauptsache, es regnet nicht“, sagte die Leiterin des Forstamtes, Gabi Kleinhempel, kurz vor der Versteigerung, als die potenziellen Käufer sich schon ein genaues Bild vom Angebot machten oder sich bei Wildwurst und Kirschglühwein wärmten. Prompt fielen einige Tropfen, die jedoch keinen Holzbegeisterten bange machten. Im Gegensatz zu den Vorjahren berichtete Kleinhempel diesmal nichts zu Maserungen oder Eigenschaften der einzelnen Stämme, denn „die kennen sich richtig gut aus“, wusste sie von den „Holzwürmern“. Stattdessen setzte sie in diesem Jahr auf ein Spiel. Aus einem hölzernen Bierkasten konnten die Anwesenden eine Flasche aus Holz entnehmen und dem richtigen Stamm zuordnen. Doch das war gar nicht so leicht, und die ersten Zuordnungen waren auch nicht richtig. Manche brauchten einen zweiten oder gar dritten Anlauf, um aus 17 Holzarten die richtige zu finden. Wie in den Vorjahren leitete Revierleiter Werner Schramm die Versteigerung, die erst nach und nach in die Gänge kam. Wer Interesse am aufgerufenen Stamm hatte, hob die Hand. Bei mehreren Interessenten stiegen die Preise schrittweise um zehn Euro, bis nur noch einer übrig war. Zum ersten Wettbieten kam es beim 19. Stamm, einer fünf Meter langen Eßkastanie, die statt für 90 Euro für 110 Euro den Besitzer wechselte. An Ort und Stelle wurde der Stamm von „Sprühmeister“ Joachim May mit dem Namen des Käufers versehen und der Information, ob der Stamm für 19 Euro Transportkosten in das Sägewerk Brücher nach Rathsweiler gebracht und dort geschnitten werden soll – wovon die meisten Käufer Gebrauch machten. Diesen besonderen und unkomplizierten Service schätzte unter anderem Steffen Machemer aus Bad Kreuznach. Bereits zum dritten Mal war er bei der Aktion dabei und versprach Förster Werner Lamneck: „Ich werde wiederkommen.“ Sechs eher „handliche“ Stämme habe er erworben, und der Name „Holzschnäppchen“ sei sehr treffend. Besonders schätzt Machemer, der Dekoartikel für Weihnachtsmärkte und Holzspielzeug herstellt, neben den recht günstigen Preisen, dass heimische Edelhölzer angeboten werden, die sonst nicht so leicht zu bekommen sind. „Besonders spitz war ich auf die einzige Linde“, die er gegen einen Mitbewerber für 70 Euro erwerben konnte, und „die Erle hat so eine schöne Rinde“ schwärmte Machemer im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Am teuersten war eine zehn Meter lange Lärche, „ein richtiges Stück Holz“, wie Schramm den mächtigsten Stamm mit 3,32 Festmetern und einem Durchmesser von 65 Zentimetern ohne Rinde bezeichnete, für den der Käufer 590 Euro zahlen muss. Im Anschluss an die Versteigerung waren noch 17 Stämme übrig – die Zeit der Schnäppchenjäger startete. Im Einzelgespräch mit Schramm wurde nachverhandelt und mancher Stamm günstiger vergeben. Aus Erfahrung wusste Schramm zu berichten:„Mancher ruft zu Hause an und fragt bei der Frau, was er noch ausgeben darf.“ Außerdem: „Je mehr Glühwein getrunken wird, desto schöner werden die Stämme.“ Er behielt recht, denn nach eineinhalb Stunden waren nur noch fünf Stämme übrig. „Das ist wunderbar gelaufen“, befand Kleinhempel und war sicher, dass auch die restlichen Hölzer noch weggehen. Fichte oder Eiche seien gut zu verkaufen – sofern die Holzfreunde nicht noch beim Forstamt anrufen, um die letzten Stämme zu erwerben.