Donnersbergkreis Himmel und Erde
«WINNWEILER.» Die Verinnerlichung und Entrückung des Menschen durch die Ausdruckskraft der Musik, dieser zentrale Gedanke der Musikästhetik bestimmte den Charakter des Benefizkonzertes in und zugunsten der protestantischen Kirche Winnweiler. Dessen erfolgreicher Verlauf war am Sonntag zudem geprägt vom harmonischen Zusammenwirken vieler lokaler und regionaler Kräfte, die unter Gudrun Scherrers Gesamtleitung gebündelt wurden.
Das Motto „Musik zwischen Himmel und Erde“ und die durchweg sehr ansprechenden Leistungen von Chören, Ensembles und Solisten bewirkten Momente der musikalischen Faszination und nachhaltigen Inspiration - auch für die weitere kirchenmusikalische Arbeit. Aus musikdramaturgischen Gründen spielte der protestantische Posaunenchor unter der Leitung und Mitwirkung von Bezirkskantor Martin Reitzig am Anfang und dann zum Ausklang, sozusagen als Präludium und Postludium. Für Blechbläserensembles wie hier das aus Trompeten, Wald- und Tenorhorn sowie Posaunen bestehende ansatztechnisch zwar nicht ideal, aber insgesamt konnten die Bläser bei einem festlich-pompösen Barock-Klassiker von Jeremiah Clarke dessen Stil am Nerv treffen und auch bei der schwedischen Filmmelodie von Stefan Nilsson die klangliche und stilistische Vielseitigkeit heutiger Posaunenchöre eindrucksvoll demonstrieren. Das nach biblischen Themen klar und von strukturierender Hand gegliederte Konzertprogramm brachte zum Barock-Auftakt einen programmatischen „Kontrapunkt“, der auf Anhieb begeisterte: Der protestantische Kirchenchor Winnweiler profitierte beim Swing-Kanon und danach bei vielen weiteren Programmpunkten von Gudrun Scherrers umsichtiger Leitung, der subtilen, einfühlsamen Begleitung an Klavier und Orgel (Florian Juzitza) sowie Violine (Sebastian Galwas), in die sich wie an späterer Stelle (bei der Bezirkskantorei) auch der protestantische Blockflöten-Kreis mit Sopran - und Altblockflöten nahtlos in den ausgewogenen klingenden Chorklang integrierte und diesen auch noch wirkungsvoll stützte. Vor allem beim Swingtitel brachten zudem die Kindergottesdienstkinder eine frische Klangfarbe in melodischem Liebreiz in den beseelten Vortrag ein. Reintönend und das Motto der gelungenen und ansprechenden Veranstaltung (und zugleich Titel eines Chorsatzes) von Lorenz Maierhofer mit Ausdruck und pulsierendem Leben erfüllend, war dieser Titel ebenfalls eine programmatische Bereicherung. Zwischen chorischen Kostproben des Könnens und dem strahlenden Glanz der hochpolierten Blechbläser ragten die auf höchstem Niveau präsentierten Beiträge des Instrumentalduos noch deutlich heraus: Der Geiger Sebastian Galwas fiel durch das Erfassen von Themen und das stringente Ausformen von Verzierungen und Figurationen bei einer Händel-Sonate auf. Sein Klangpartner war der auch auf der Harfe sich immer wieder auszeichnende Florian Jurzitza, der sehr einfühlsam, mit seismographischem Gespür für die ariosen Kantilenen der langsamen Sätze und für die Metrik der Allegri souverän und im nahtlosen Zusammenspiel agierte. In diesem Sinn war auch die Serenade von Ruggero Leoncavallo ein Erlebnis hinsichtlich der ariosen Melodiebögen, die hier gemeinsam zelebriert wurden. Ein schwerer Prüfstein der Celloliteratur ist der Zyklus von sechs Solo-Suiten für Violoncello solo von Bach. Mit der scheinbarer Mehrstimmigkeit durch Verlagern von melodischen Linien auf verschiedene Register, mit virtuosen Überleitungen zwischen Motiven und filigranen Verzierungen und rhythmisch beseelten metrischen Grundmustern stilisierter Tänze sind sie eine Art Evangelium des Cellisten. Niemand durfte daher eine exemplarische Meisterleistung von Constanze Schmidt erwarten. Dennoch zeigte sie beste Voraussetzungen hinsichtlich Bogen- und Lagentechnik, klare Strukturierung und Metrik und arbeitete die thematische Substanz neben Skalenläufen der C-Dur-Suite konsequent heraus. Bei dem hymnischen Chorsatz von Wolfgang Carl Briegel des Hochbarock hatte die Bezirkskantorei Kirchheimbolanden-Winnweiler in puncto chorischer Homogenität und klanglicher Expressivität sowie gestalterischer Intensität ihre stärksten Momente. Reitzig leitete souverän vom Klavier aus und setzte den protestantischen Blockflöten-Spielkreis Kirchheimbolanden ein. Solistisch brachte Reitzigs Vortrag des Präludiums C-Dur von Bach Licht und Klarheit in das artifizielle und komplizierte kontrapunktische Stimmengewebe. Schon das angedeutete Postludium der Bläser ließ es erahnen: Der protestantische Kirchenchor Winnweiler setzte die programmatische Akzentverschiebung von Bach zu Blues fort: Im Spiritual und irischer Folkmusik verbanden sich Choristen und Solisten auf Handtrommeln wie Floden Bakala aus Afrika und Christel Kasper vom Kirchenchor zu einer Einheit, getragen vom pulsierenden Rhythmus. Zuvor hatte Gudrun Scherrer selbst nicht nur als Chorleiterin Akzente gesetzt: Ihr solistischer Vortrag von Amanda McBrooms Ballade „Die Rose“ konnte mit dieser betörend schönen Stimmgebung sicher jedes empfängliche Gemüt bewegen.