Donnersbergkreis Heute Abend ist das Warten vorbei
Eine sehnsüchtige Ballade, sie heißt „Ich warte“. Das ist Karolin Beslers jüngste Komposition. Und sie wartet tatsächlich: auf das Finale der „Kika“-Show „Dein Song“, Deutschlands einzigem Songwriter-Wettbewerb für Jugendliche. Im Casting hat sich die 19-jährige Bolanderin für die Live-Show qualifiziert. Weil ihr Stück begeisterte, übersprang sie sogar den Recall. In Köln singt sie heute um 19.05 Uhr live auf „Kika“ mit acht Konkurrenten um den Förderpreis.
Wer emotional bewegt ist, der kann das Gefühl oft nicht verbergen. Und Maria Mummert alias Mieze Katz ist bewegt, ihre feuchten Augen, ihr verträumter Blick enttarnen sie. Die blonde Elektropop-Sängerin grinst beseelt. Sie faltet die Hände vor dem Mund. Als sie rüber zu Laith Al-Deen zwinkert, nickt der Star-Produzent nur. Punktlandung. Karolin (19) merkt davon nichts. Sie treibt durch einen dunklen Tunnel, in dem es nur sie, ihre Stimme und den schwarzen Flügel vor ihr gibt. Eine andere Welt. „Ich sitz hier und warte, auf den richtigen Zug“, singt die junge Bolanderin sanft und hoch. Melancholie. Ihre offenen Haare fallen über das rote Jäckchen, ihr aufrechter Körper wippt leicht. Der letzte Ton verweht – und Al-Deen springt auf. Kein Wort, kein Urteil. Nur ausgebreitete Arme, die Karolin behutsam einwickeln. „Ganz, ganz schön war das. Vielen Dank! Großartig“, murmelt er. Karolin lacht schüchern. „Für mich war das total unwirklich. Eine Woche danach hab ich mich noch gefragt, ob ich jetzt wirklich weiter bin“, erzählt sie Monate nach dem Casting, in dem sie die vierköpfige Promi-Jury so berührte. Wenn sie heute Abend im Medienpark Köln-Hürth auf der großen, lichtgefluteten Bühne steht, will sie das wieder. Nicht nur die vier Promis sind dann das Publikum – sondern auch die Menge im brechend gefüllten TV-Studio und Hunderttausende an den Fernsehbildschirmen. Showdown. Karolin ist im großen Finale von „Dein Song“, dem populären Wettbewerb für Nachwuchs-Komponisten. „Aufgeregt bin ich jetzt noch nicht“, sagte die Studentin am Dienstagmittag, als sie im Auto nach Köln saß. „Ich will Spaß haben, die Show genießen. Wer gewinnt, liegt nicht in meiner Hand. Ich versuche, cool auf der Bühne zu stehen“, erwartet sie eine „krasse Erfahrung“. Acht Finalisten und Top-Acts wie Silbermond oder Louane sind dabei. Die Anrufer zu Hause entscheiden, wer „Songwriter des Jahres“ wird. Karolins „Ich warte“ hat keine schlechten Chancen: Es umging den Recall auf Ibiza, landete gleich zur Nachbearbeitung bei den Musikpaten. Wildcard. „Die Jury war ziemlich zufrieden“, lacht Karolin. „Ich warte“ kam daher wie eine traurige Ballade. Zweifel, Ratlosigkeit, Schwermut wurden darin transportiert. So war es bis zum Casting. In Kooperation mit den Paten von „Tonbandgerät“, einer Indiepop-Gruppe aus Hamburg, mit peppig-rockigen, knallenden Rhythmen, schliff Karolin im Studio ihren Song. „Ich warte“ erlebte eine Metamorphose. Es legte den schwarzen Trauermantel ab, hüllte sich dafür in ein buntes Kleid. Aus einem nachdenklichen Song für einsame Stunden wurde ein echter Beat, der den Gram wegbläst. Wer ihn hört, wird merken, dass die Melodie irgendwo hängenbleibt und in Dauerschleife weiterrattert. Ole Specht, Sänger von „Tonbandgerät“, nennt das „mehr Drive“. Gitarristin Sophia Poppensieker lobte: „Das war eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.“ Der Song ist flotter – der Kern vom Text her gleich, aber mit anderer Intention. „Musik ist halt Geschmackssache“, meint Karolin. „Die beiden Versionen vermitteln unterschiedliche Gefühle.“ Geschätzt eine halbe Million Zuschauer werden später Karolins neue „Ich warte“-Fassung im TV sehen. Das Warten ist dann vorbei.