Albisheim
Hase, Mäusebussard und ein Ohrenkneifer: Kleine Spürnasen gehen auf Entdecker-Tour
Auch der zunächst graue, wolkenverhangene Himmel hat die kleinen Spürnasen im Alter von zwei bis etwa zwölf Jahren nicht davon abgehalten, sich samt ihren erwachsenen Begleitern am Wanderparkplatz Rebfugium zu treffen. Von hier machte sich die Gruppe mit den Naturführern Wolfgang Müller und Joachim Rheinfrank auf den kindgerechten Weg namens „Gugg e mol“ hoch zum Warteturm, dem Albisheimer Wahrzeichen. Die Tour startete mit einer Überraschung: Wolfgang Müller verteilte zu Beginn Lupenbecher – mit ihnen können interessante Funde direkt begutachtet und bestimmt werden, was die Kinder sofort mit großem Hallo ausprobierten.
Die VG Göllheim hatte die Wanderung organisiert, Mitarbeiterin Elena Keller war auch zusammen mit ihrer Tochter persönlich dabei. Gefördert wurde das Spürnasenweg-Projekt aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums. So sind die acht Tafeln entlang der knapp zwei Kilometer langen Strecke ideale Motivation für die Kinder, neugierig von Station zu Station Wissenswertes rund um die heimische Natur zu erfahren. Doch dank der beiden Führer blieb es nicht bei der gut lesbaren Theorie mit Informationen rund um Bienenhäuser, Streuobstwiesen und Landwirtschaft: Schon nach wenigen Metern wurden die Spürnasen fündig. „Da krabbelt was!“, rief eine von ihnen – eine andere hatte eine der vielen Schnecken entdeckt und schupste diese vorsichtig in den Lupenbecher.
Wie heißt bloß ein Ohrschliffer auf Hochdeutsch?
Rätsel gab den Teilnehmern zunächst ein kleines, längliches, zartbraunes Krabbeltier auf. Die beiden Experten begutachteten den Fund und stellten dann fest: „Das ist ein junger Ohrschliffer!“ Soweit der pfälzische Name – doch wie lautet eigentlich der korrekte hochdeutsche Begriff? Nach mehreren Vorschlägen einigte man sich schließlich lachend auf Ohrenkneifer – als solcher ist der Ohrwurm alias Forficula auricularia zumindest im südwestdeutschen Sprachraum bekannt. „Aber der kneift niemand und schon gar nicht ins Ohr“, beruhigte Müller die Spürnasen, die den Krabbler kritisch beäugten. Dann erklärte er die Nützlichkeit des Käfers, der es auf Blattläuse, Milben und Gespinstmotten abgesehen hat.
Unterwegs entdeckte die Gruppe eine Spur, die sich über eine Wiese zog. „Da läuft ein Hase!“, rief es plötzlich von hinten – tatsächlich flitzte einer der seltenen echten Feldhasen den Wingertsberg hoch. „Woran erkennt man den Unterschied zwischen Hase und Kaninchen?“, fragte Müller. Das wussten die Großen unter den Kleinen sofort: „An der Länge der Ohren.“
Trockenmauer Heimat für Krabbeltiere und Amphibien
Auf dem Weg von Station zu Station machten sich vor allem bei den jüngsten Teilnehmern ein paar Ermüdungserscheinungen bemerkbar, doch ein geländegängiger Kinderwagen und die Trage auf dem Rücken des Großvaters schufen Abhilfe. Vorbei am alten jüdischen Friedhof, hoch zur großen Sitzbank mit herrlichem Ausblick auf Gauersheim und das Leiselbachtal zog der Tross weiter zum Zielpunkt Warteturm. Unterwegs gab es noch eine aufgesetzte Trockenmauer zu bestaunen, die allerlei Krabbeltiere und Amphibien beheimatet. Wiederholt segelte ein Mäusebussard über die Felder, Mauselöcher am Boden wurden untersucht – doch die graubraunen Flitzer sind zu schnell für die jungen Wanderer.
Hoch oben über Albisheim war dann Picknick angesagt. Und anschließend – da haben die Großen während der Wanderung gut aufgepasst – wurden Abfall und Reste entweder im Rucksack verstaut oder in den Mülleimer geworfen. Beeindruckt waren die jungen Zuhörer, wie lange allein Papier braucht, bis es sich in der Landschaft zersetzt – von Glas- oder Plastikmüll ganz zu schweigen. Müllers Ratschlag: Alles wieder mit nach Hause nehmen und getrennt entsorgen.
Zum Schluss gibt’s einen Anstecker als Erinnerung
Ganz am Ende, als es alle bis ins Ziel geschafft hatten, brach auch noch die Sonne durch die Wolken und verzauberte den Platz zwischen den Reben mit herrlichem Ausblick ins herbstliche Zellertal. Elena Keller hatte für alle noch eine kleine Erinnerung: Anstecker mit den drei Maskottchen des Weges, den Bienchen Paul, Rosa und Fritzi. Wolfgang Müller und Joachim Rheinfrank verabschiedeten sich von der Gruppe, die den Weg zurück zum Parkplatz antrat – gut gelaunt und motiviert, mit einem bewussteren Blick auf die Region und ihre Besonderheiten.