Göllheim / Einselthum RHEINPFALZ Plus Artikel Hans Appel widmet Liebeserklärung an das Zellertal seinem Weinritter-Freund Herbert Bayer

Wird an Aschermittwoch 80 Jahre alt: Herbert Bayer aus Einselthum.
Wird an Aschermittwoch 80 Jahre alt: Herbert Bayer aus Einselthum.

Nicht nur, dass Hans Appel im hohen Alter eine Autobiografie verfasst hat: Der langjährige Bürgermeister der Verbandsgemeinde Göllheim hat quasi nebenbei noch ein Werk übers Zellertal verfasst. Am Mittwoch überreicht er es an einen guten Freund: Herbert Bayer aus Einselthum nimmt es zu seinem 80. Geburtstag in Empfang.

Mit über 85 Jahren hat sich Hans Appel daran gemacht, eine Autobiografie zu schreiben. 700 Seiten hat er über seine Erinnerungen verfasst. In einer Art Auskopplung ist daraus noch ein Werk über das Zellertal entstanden, gefüllt mit historischen Fakten, der Beschreibung von Erinnerungen und auch mit politischen Reden. Gewidmet ist das Buch dem Einselthumer Herbert Bayer.

Eigentlich wollte er Lehrer werden, doch er ging in die Verwaltung. Appel war 45 Jahre Bürgermeister von Göllheim und parallel dazu im Hauptamt 27 Jahre Bürgermeister der Verbandsgemeinde Göllheim. Im April 1933 geboren, bekam der heute 90-Jährige den Krieg noch hautnah mit. „Ich habe erlebt was die Nazis den Juden angetan haben, und ich erinnere mich noch sehr genau an den Tag der Kapitulation 1945“, erzählt Appel.

1957 nach Göllheim gekommen

Ab 1943 besuchte er das Gymnasium in der Stadt Kaiserslautern, die in Trümmern lag. 1949 begann er mit der Lehre in der Verwaltung. Zehn Jahre war er bei der Kreisverwaltung Kirchheimbolanden tätig. Mit dem Umzug 1957 nach Göllheim legte er den Grundstein für seine erste Amtszeit als Bürgermeister, die 1964 begann.

Ohne Parteizugehörigkeit, dafür mit der Überzeugung, „stets im Interesse der Bürger zu handeln“, galt Appel auch für manch politischen Mitstreiter als unbequem. Er wollte nicht gefällig sein, vielmehr seine Vorstellungen umsetzen. Bei Göllheim verhinderte er eine geplante Mülldeponie, im Zellertal machte er sich für die Zellertalschule stark. Nach Verwaltungsreform und Gründung der Verbandsgemeinden blühten die Ortsgemeinden auf. Als Appel im Amt war, wurde 1972 jede Gemeinde kanalisiert, Straßen wurden erneuert und viele Entwicklungen angestoßen. Der Zusammenschluss von Harxheim, Zell und Niefernheim zur Gemeinde Zellertal steht mit dem Namen Appel in Verbindung.

„Stets Argumente abgewogen“

„Ein Grundsatz meiner Politik war immer das Abwägen von Argumenten, und wenn jemand bessere Argumente vorlegte, habe ich auch nachgegeben“, sagt Appel. „Wir haben niemals gesagt, das machen wir jetzt, nur weil wir die politische Mehrheit haben.“ Er ist der Ansicht, dass substanzlose Mehrheitsentscheidungen in der Bevölkerung zu Politikverdrossenheit führen und eine Gefahr für die Demokratie darstellen können.

Aus der aktiven Politik schon lange ausgeschieden, beobachtet Appel mit dem sprichwörtlichen Fernglas aber immer noch das Geschehen in der Verbandsgemeinde. Dabei übt er keine Kritik an Amtsinhabern, jedoch an getroffenen Entscheidungen: So sieht Appel die Zellertalbahn kritisch, dennoch freut er sich, wenn der Zug bald wieder rollen sollte. „Die Gemeinden werden mit hohen Geldsummen belastet, und wenn die Strecke fertig ist, dauert es nicht lange, bis die ersten Klagen kommen wegen Lärm.“

Faible für Riesling trocken

Sein Herz schlägt für das Zellertal. Es habe viel zu bieten, eine reichhaltige Geschichte und besonders gute Weine. Appel selbst bevorzugt Riesling trocken. Und da verwundert es auch nicht, dass er schon in den 1970er Jahren mit Herbert Bayer vom Weingut Martinspforte zusammenarbeitete. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft.

Daraus hervorgegangen ist die Institution Weinritter im Zellertal: Alljährlich wird ein Bürger, der sich um das Zellertal verdient gemacht hat, mit besonderen Ehren bedacht und zum Weinritter geschlagen. Hans Appel war der erste Weinritter, und Herbert Bayer ist bis heute der Hüter des Siegels. Zum Geburtstag und als Dankeschön überreicht Hans Appel am Mittwoch in einer feierlichen Zeremonie das Zellertaler Werk an Herbert Bayer.

Widmet sich dem Schreiben: der langjährige Göllheimer Bürgermeister Hans Appel.
Widmet sich dem Schreiben: der langjährige Göllheimer Bürgermeister Hans Appel.
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