Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Gnadenhof: Betreiberin sucht Hilfe, Kadaverfunde werfen Fragen auf

Teile des Heus auf dem Gnadenhof sind ungenießbar. Die Betreiberin betont aber, dass die Tiere dieses Heu meiden würden.
Teile des Heus auf dem Gnadenhof sind ungenießbar. Die Betreiberin betont aber, dass die Tiere dieses Heu meiden würden.

Auch nach der Beschlagnahmung der Tiere bleibt der Gnadenhof Thema. Auch, weil weiterhin herrenlose Schafe in der Gegend umherlaufen – und Kadaverfunde gemeldet werden.

Auf dem Grundstück des Gnadenhofes für Wiederkäuer bei Rockenhausen ist es still geworden. Nachdem das Veterinäramt dort in der vergangenen Woche alle verbliebenen Tiere beschlagnahmt hat, bewegt sich dort zurzeit nur wenig. Kritiker des Hofes feiern das Durchgreifen der Behörden und fühlen sich bestätigt. Für die Betreiberin Susanne Bischoff ist indes eine Welt zusammengebrochen. Das Vorgehen des Veterinäramtes kann sie keineswegs nachvollziehen und hofft nun auf Hilfe. Währenddessen streifen einzelne Schafe immer noch nahe des Hofes umher – und ein Jagdpächter meldet mehrere gefundene Kadaver.

„Für mich ist eine Welt zusammengebrochen“, sagt Susanne Bischoff im RHEINPFALZ-Gespräch. Die 69-Jährige wirkt niedergeschlagen, zeigt immer wieder Videos ihrer Tiere auf dem Smartphone. Aufgegeben hat Bischoff jedoch keineswegs. Ihre Schreiben an den Landrat und das Veterinäramt, in denen sie darum bittet, ihre Tiere wiederzubekommen und für ihre Art der Tierhaltung wirbt, bleiben unerhört und ohne Antwort. Dem Landrat schlug sie unter anderem vor, um den Gnadenhof eine Art Naturschutzgebiet auszuweisen. „Freilaufende Wiederkäuer schaffen strukturreiche Lebensräume, fördern Insekten, stabilisieren Böden und ermöglichen die Rückkehr ganzer Nahrungsketten“, schreibt sie darin. Der Donnersbergkreis könne Vorreiter werden. Für Bischoff ist es unverständlich, dass eine Antwort ausbleibt. Sie ist sich weiterhin sicher, keinen Fehler gemacht zu haben. Im Schreiben des Veterinäramtes, welches der RHEINPFALZ vorliegt, erhielt Bischoff aber bereits am 21. Januar klare Anweisungen, welche Mängel sie am Hof beseitigen müsse. Sollte dies nicht geschehen, würden die Tiere zum 4. Februar abgeholt werden. Unter anderem bemängelte das Veterinäramt den Zustand und die Art des Futters und des Trinkwassers. Auch sollten die „lahmenden Ziegen und Schafe“ im gleichen Zeitraum tierärztlich behandelt werden. Auch die Unterbringung ohne echte Einzäunung wurde bemängelt. Die Tiere sollten außerdem regelmäßig geschoren werden, und auch die Klauen sollten geschnitten werden. Auch der Zustand des Geländes musste laut Behörde verbessert werden und frei von herausragenden Nägeln, Plastikteilen, Drahtresten und Stacheldraht sein. Umgesetzt hat Bischoff diese Vorgaben laut Angaben des Veterinäramtes nicht. Zum Teil sieht die Betreiberin die Notwendigkeit der Forderungen nicht ein. Bei anderen Dingen fehle ihr die Hilfe, was körperliche Arbeit angeht, wie sie betont. „Nur wenn ich Hilfe habe, um das Gelände wieder in einen guten Zustand zu versetzen, habe ich eine Chance, meine Tiere wiederzubekommen“, sagt Bischoff.

Freilaufende Tiere stammen aus früherer Herde?

Währenddessen sollen zumindest einige ihrer Tiere weiterhin bei Rockenhausen unterwegs sein. Gesichtet wurden mindestens zwei Schafe. „Die sind schon seit Jahren unterwegs“, bestätigt auch Susanne Bischoff. Die Tiere seien Teil einer kleinen Herde, die sie vor ein paar Jahren kurzfristig aufgenommen hatte. Diese Tiere waren ein Stück abseits der anderen untergebracht. „Das Gehege wurde während einer Jagd durch fliehende Wildschweine niedergetrampelt. Deshalb sind die Schafe entlaufen“, sagt sie. Ein Teil, so vermutet Bischoff, sei in der Folge erschossen worden. Ein kleiner Rest streunt seitdem jedoch durch die Gegend. Diese Tiere sind laut Veterinäramt als herrenlos eingestuft – und somit nicht im Zuständigkeitsbereich der Behörde. Was mit ihnen geschieht, ist aktuell völlig offen. „Die sind scheu und auch nicht zahm“, sagt Bischoff. Die freilaufende Gruppe, die sich stets abseits der anderen Tiere aufgehalten haben soll, erklärt womöglich auch schreckliche Funde, die ein Jagdpächter in der Gegend gemacht hat. „In den vergangenen Jahren haben wir mindestens sechs Kadaver von verendeten Schafen und Ziegen, die auf Wiesen oder am Waldrand lagen, entsorgt“, erklärt Harald Schwab, der seit mehr als 15 Jahren im Revier jagt, in dem auch der Gnadenhof liegt. Außerdem seien noch Tierkadaver hinzugekommen, die im Wald lagen und beim Waldbegang gefunden wurden. Das deckt sich auch mit Entdeckungen, die anonyme Informanten der RHEINPFALZ zugespielt hatten, inklusive Bildern von Körperteilen verendeter Ziegen oder Schafe.

Kadaverteile wie dieses wurden in der Vergangenheit immer wieder in der Nähe des Hofes gefunden.
Kadaverteile wie dieses wurden in der Vergangenheit immer wieder in der Nähe des Hofes gefunden.

Für Susanne Bischoff ist ausgeschlossen, dass Tiere aus ihrer eigentlichen Herde gestorben oder verschwunden wären, ohne dass sie es gemerkt hätte. „Es gab zwei Fälle, wo meine Tiere während ihres Freigangs gestorben sind. Die sind mir aber bekannt“, sagt sie. Alle weiteren hätten demnach nichts mit ihr zu tun. Sie habe die Tiere jeden Abend gesehen, und ihr wäre sofort aufgefallen, wenn jemand gefehlt hätte, betont sie.

Bischoff beklagt „unverhältnismäßiges Vorgehen“

Was die restlichen Vorwürfe angeht, wehrt sie sich ebenfalls weiterhin. „Meine Tiere hatten gutes Futter und sind sehr wohl selbst in der Lage, ihre Lebensmittel auszuwählen“, sagt sie. Demnach streitet sie keineswegs ab, dass Teile des auf dem Hof gelagerten Heus verschimmelt und somit zum Verzehr ungeeignet sind. „Da gehen die Tiere aber gar nicht erst dran. Die essen nur das gute Heu“, betont sie. Das Einschreiten des Veterinäramtes kann sie daher nicht nachvollziehen. Auch habe sie das Wasser regelmäßig gewechselt. Dem Veterinäramt wirft sie hingegen vor, „unverhältnismäßig heftig“ vorgegangen zu sein. Die Zufahrt zu ihrem Hof sei nicht mehr befahrbar, auch seien Teile der Paletten, die Bischoff als Umzäunung nutzt, umgeworfen worden. Ob sie jedoch weiterhin rechtliche Schritte erwägt, lässt sie offen. Zu kostspielig und zu wenig aussichtsreich sei das wohl. Auch einen Neuanfang mit neuen Tieren schließt sie für sich aus – allein schon aus emotionalen Gründen. So hofft sie aktuell auf Unterstützung und ein Einlenken der Behörden. Aussichtsreich scheint das jedoch nicht, solange Susanne Bischoff an ihrer Art und Weise einer Tierhaltung ohne Zäune und ohne Rücksicht auf die Belange der umliegenden Landwirte, Autofahrer, Jäger oder sonstiger Beteiligter festhalten will.

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