Donnersbergkreis Glück und Leid der Kindheit nachgespürt
Den in Winnweiler geborenen Udo Baus, der einst der Arbeit wegen seinen Geburtsort verließ, zieht es im Ruhestand zurück in seine Heimat. Mit im Gepäck: ein Buch, in dem er seine Kindheitserinnerungen niedergeschrieben hat. Am Freitagabend gewährte er im Rahmen des 111. Jubiläums der Buchhandlung Frank Einblick.
Ein Winnweilerer liest in Winnweiler über Winnweiler: Das hat etwas Heimatverbundenes. Und auch die Atmosphäre während der Lesung war, obwohl längst nicht alle Besucher aus dem Ort kamen, irgendwie familiär. Das gemütliche Ambiente und der warmherzige Empfang der Familie Frank im Literaturcafé ihrer Buchhandlung haben sicherlich einen wesentlichen Teil zu der lockeren, vertrauten Stimmung beigetragen. Einen besseren Ort hätte Baus für seine Lesung nicht finden können. Und so begab man sich mit ihm auf Reise in seine Kindheit… In seinem Buch „Dem Glück nachgeholfen“ erzählt er in kleinen Geschichten Kurioses und Alltägliches. Baus wurde 1941 in der Gemeinde im Donnersbergkreis geboren – inmitten des Zweiten Weltkrieges. So thematisiert das Buch auch traurige, durch den Krieg geprägte Ereignisse und Erinnerungen. „Aber ich freue mich, hier zu sein, und deshalb hören Sie heute Abend heitere Geschichten“, so Baus. Und so kam man bei der Lesung des Öfteren zum Schmunzeln. So bei der Geschichte „Als ich einmal ein Bauernbub war“, die auf lockere Weise erzählt, wie ihm die Kühe entlaufen waren, die gemeinen Bremsenstichen zu entfliehen versuchten, worüber sein Vater lauthals fluchte. Oder als ihm die hauseigenen Schweine seinen kostbaren Lutscher wegfraßen. Bei dem selbstironischen Kommentar „Wie der Herr, so’s Gescherr“ wurde die Heimatverbundenheit des Autors einmal mehr deutlich. Und auch vom Schlachtfest, „dem krönenden Höhepunkt des Jahres“, erzählt er detailverliebt, so dass man den Duft von frischer Wurst förmlich riechen konnte. In dem Kapitel „Von Saubohnen und Winterkirschen“ gewährt Baus einen Einblick in seine Familie: Er erzählt sehr bildhaft, wie sich die Geschwister untereinander geärgert haben und wie er den Streich mit einer Nadel, die seine Schwester ihm in die Unterhose eingenäht hatte, später rächte. Prinzipiell wurden jedoch alle Namen und Orte fiktiv gehalten, „der Diskretion wegen“, wie der Autor mit einem Augenzwinkern betonte. Und auch zum gewählten Titel des Buchs äußerte sich der Autor: „Ich hatte Glück in meinem Leben“, so das zufriedene Fazit, das vor allem mit Hinblick auf die vielen bereits verstorbenen Bekannten, Freunde und Familienmitglieder deutlich wurde. Illustriert wurde das Buch von Wolfgang Seipenbusch und bekam so einen weiteren Bezug zu Winnweiler, da der Maler und Bildhauer mittlerweile dort lebt und als Kunstpädagoge am Wilhelm-Erb-Gymnasium tätig war. Bei den Gästen kam die Lesung gut an, auch, weil Udo Baus zwischendrin und hinterher Gelegenheit gab, Fragen zu stellen. So gab der eine oder andere Besucher auch seine Kindheitserfahrungen zum Besten oder nickte während der Lesung zustimmend. Baus wollte seine Erinnerungen schriftlich niederlegen, bevor das Vergessen eintritt. Das ist ihm vor allem durch seine bildliche Sprache und die Liebe zum Detail anschaulich gelungen. Ein Blick ins Buch lohnt sich sicherlich für alle Generationen. Die einen werden dadurch an die „gute alte Zeit“ erinnert, die anderen lernen interessantes Neues über die Vergangenheit.