Donnersbergkreis Geschenkt oder nicht...

Die Rechenschieber standen parat. Und beim TTC Winnweiler zerbrachen sie sich die Köpfe. Reicht nur ein 9:1? Oder auch ein 9:3? Wochenlang ging das so, jede Eventualität einbezogen. Der Endspurt der Bezirksliga Westpfalz Nord wurde zur akribischen Kalkulation. „Natürlich haben wir gerechnet. Das Ziel nach der Vorrunde war, Meister zu werden“, sagt Günter Haag, lädierter Teamkapitän des TTC. Mit dem TTV Siegelbach, dem härtesten Konkurrenten, lag Winnweiler lange gleichauf – beide trennten wenige Spiele. Ein Hauch von Nichts in dieser Klasse. Zwei Spieltage vor Ende schien die Dramatik auf dem Siedepunkt. Vor knapp 14 Tagen aber klarte sich auf: Die verzwickten Rechnereien hätte sich der TTC sparen können, alles Kribbeln, alles Zittern war vergebens. Sämtliche Spannung wurde vom TTV künstlich generiert. Dem TuS Gerbach schenkte er ein 9:0 – und, obwohl die Meisterschaft in der Theorie weiter drin ist, war die Aussage hinter dem „Aufstellungsfauxpas“ in den Doppeln eindeutig. Der TTV verzichtet. „Man will sportlich Meister werden. Mit dem Beigeschmack ist das schade“, meinte TTC-Zwei Björn Böttger damals. „Es ist blöd, wenn man die Meisterschaft halbwegs geschenkt bekommt. Aber dafür können wir ja nix“, betont Haag vor dem letzten Spiel bei Absteiger TTC Herschweiler-Pettersheim (Sonntag, 9.30 Uhr). Ein Remis reicht. Es wird einige geben, die Winnweiler belächeln, die abwinken, der Aufstieg sei ein Freilos, ein Geschenk. Das stimmt nur zum Teil: Hätte der TTV sich nicht mehrfach das Bein gestellt, wäre für den TTC die Relegation geblieben. Aber ja, die Meisterschaft, das muss man ohne Brille sehen, ist geschenkt. Präsident Gunter Franck erklärt zwar: „Wir hatten das leichtere Restprogramm und hätten es auf normalem Weg geschafft.“ Das aber bleibt These. Wie entfesselt und „wie Messer“ auf 180, so Franck, zerlegte der TTV die Winnweilerer jüngst 9:1, übernahm mit zwei Pluspunkten vorm TTC die Liga-Spitze – um eine Woche später bei Underdog TuS Hochspeyer alles wieder zu vergeigen! Garant Marcello Mühlemann, zuvor nur gegen Höringens Marcel Dohmen unterlegen, gab zwei Einzel ab. Und da glaubt einer an einen schlechten Tag oder Zufall? Der TTV hatte seinen Entschluss frühzeitig gefasst – das 9:1 gegen Winnweiler, das viele verwirrte, war reines Psycho-Spiel. Siegelbach ließ den Boss raushängen, wollte manifestieren, wer die Eins ist, wenn er aufdreht. „Auf sportlichem Weg wäre es schwierig geworden, noch vorbeizukommen“, sieht es Haag realistisch und blickt auf das 1:9: „Ich denke, zu dem Zeitpunkt wollten die noch aufsteigen.“ Genauso wird es jetzt diejenigen geben, die das Siegelbacher Schieben anprangern. Zu Unrecht. Der TTV hat nicht in den Abstiegskampf eingegriffen, keinen Schaden angerichtet und räumt wohl auch Platz zwei für den TV Alsenborn. „Er hat erkannt, dass er nicht stark genug ist“, meint Franck. Ohne Mühlemann, der eine Auszeit einlegt, wären die Lauterer in der 2. Pfalzliga aufgeschmissen. Hatte der TTV eine andere Wahl? Gut, er hätte sich im Falle des Titels oben abmelden können – für 500 Euro. Das soll der Verband mal Klubs mit 2000-Euro-Etat erklären. Wundern muss sich der PTTV dann über die Schleichwege nicht. Siegelbach bleibt, Winnweiler rückt hoch. Wie, ist am Ende schnuppe. „Wir entwickeln uns weiter zur Tischtennis-Hochburg“, grinst Franck süffisant. Das zählt. (ppp)