Donnersbergkreis Genialer Gratwanderer
«ROCKENHAUSEN.» Einmal über den großen Teich von der neuen in die alte Welt und zurück lautete die Marschroute beim Neujahrskonzert, das vom Orchester des Pfalztheaters Kaiserslautern in der Donnersberghalle regelrecht zelebriert wurde. Und – wer hätte das gedacht? – eine solche Veranstaltung ohne den legendären Donauwalzer von Johann Strauß Sohn scheint ebenso wenig vorstellbar wie ein Heilig-Abend-Gottesdienst ohne „Stille Nacht“.
„An der schönen blauen Donau“ stimmte der im Lauf seiner Karriere ebenfalls weit gereiste Dirigent Jan Michael Horstmann sozusagen als krönenden Höhepunkt des Programms an, was zwar von der Konzeption her nicht ganz stimmig war, weil der imaginäre Ozeandampfer zu diesem Zeitpunkt längst wieder in Amerika festgemacht hatte. Aber das wäre auch das einzige Haar in der Suppe, das sich nach langem und intensivem Suchen hätte finden lassen. Schon lange zuvor hatte das Ensemble, das in Rockenhausen in üppiger Gala-Besetzung antrat, die knapp 450 Gäste im doppelten Wortsinn im Sturm erobert. Unter anderem mit dem Bravourstück „Winterstürme“ aus der Feder des einst populären Komponisten Julius Fucík oder dem furios-virtuosen „Danse diabolique“ aus der Feder von Joseph Hellmesberger. Diesen heute eher selten gespielten Werken hatte das Orchester des Pfalztheaters so bekannte Stücke wie den Ungarischen Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms oder „Farewell to America“ des Johann Strauß junior gegenüber gestellt, in dem der damalige Megastar der leichten Muse nach einer erfolgreichen Gastspielreise Abschied von der Neuen Welt und damit Kurs Richtung Europa nahm. Nach eindrucksvollen Fanfarenklängen der Blechbläser zitiert er darin die amerikanische Nationalhymne in eher verhaltenem Streicher- und Holzbläsersound quasi in den Rückspiegel blickend. Im Zentrum des Abends stand jedoch die Musiker- und Komponistenpersönlichkeit Leonard Bernstein, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern könnte, würde er noch leben. Seine Ouvertüre zu „Candide“ eröffnete den Abend schwung- und stilvoll. Bereits hier zeigte sich die hör- und sichtbare Freude der Ensemblemitglieder am eigenen Tun und präsentierte sich ein musikalischer Leiter, der nicht nur den Überblick über die teils vertrackten Rhythmen und Taktwechsel bewies, sondern seine Mannschaft auch anzufeuern verstand. Ganz im Sinne dessen, was vor der Pause im Konzertwalzer „Künstlerleben“ von Johann Strauß Sohn vertont erklang. Zuvor hatte sich der Bassbariton Wieland Satter musikalisch mit der sogenannten Registerarie des Leporello „Madamina, il catalogo é questo!“ von Mozart vorgestellt. Leider bekam er nur noch zwei weitere Gelegenheiten, die Strahlkraft und das angenehme Timbre seiner Stimme vorzustellen. Einmal bei Léhars „Ja, die Liebe ist so wie ein Schaukelbrett“ aus „Giuditta“ und dann in Bernsteins „Lonely town“ aus dessen musikdramatischem Werk „On the town“, einer Hommage an seine Wahlheimatstadt New York. Aus dem gleichen Opus begeisterten nicht zuletzt die drei „Dance Episodes“ und wiesen einmal mehr den Komponisten als genialen Gratwanderer zwischen „ernster“ und „unterhaltsamer“ Musik aus. Zugleich repräsentierten sie die ganze Bandbreite der Stimmungen und Facetten, derer ein so glänzend disponierter Klangkörper wie das Pfalztheater-Orchester fähig ist. Klar, dass das begeisterte Publikum Zugaben forderte – und dieser mittels frenetischem Applaus vorgetragenen Bitte auch entsprochen wurde. Der „Mambo“ des US-amerikanischen Stardirigenten und -komponisten schien den Ausführenden wie auf den Leib geschnitten und erntete einmal mehr stürmischen, nicht enden wollenden Beifall.