Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Ganz klar: Neubolanden war Werners Herrensitz

Das Wappen der Bolander muss schon zu Werners Zeiten über Neubolanden geweht haben.
Das Wappen der Bolander muss schon zu Werners Zeiten über Neubolanden geweht haben.

Nach allem, was wir jetzt wissen, ist es undenkbar, dass die Burg Neubolanden erst nach 1200 erbaut wurde.

Man kann es gar nicht oft genug sagen: Die Herren von Bolanden waren nicht irgendwer. Im 12. und 13. Jahrhundert gehörten sie zu den einflussreichen Familien im südwestdeutschen Raum, befanden sich buchstäblich im Zentrum der Macht und als Hofbeamte und Ratgeber ganz nah beim Kaiser. Die Burg Neubolanden war folglich keine bescheidene Angelegenheit, ganz im Gegenteil. Als Vorzeigeprojekt neureicher Emporkömmlinge – und das ist hier durchaus positiv gemeint – kann man sie mit modernen Oligarchen vergleichen, und genau wie diese mussten sie mit ihrem Reichtum protzen. Bescheidenheit konnten sie sich gar nicht leisten, denn als formal unfreie Ministeriale standen sie im harten Konkurrenzkampf um ihre gesellschaftliche Position. Einer der höchsten Bergfriede im ganzen Land, ein Mordstrumm von Palas – sie zeigten, was sie hatten. Vollkommen undenkbar ist es daher, dass dieser Prachtbau wirklich erst nach 1200 errichtet wurde und dass Werner II., der wichtigste und bekannteste Bolander, der bereits um 1190 starb, folglich noch auf Altbolanden, das kaum mehr als ein Bauernhof mit Wassergraben und Palisade drum herum war, gesessen haben soll. Viel wahrscheinlicher ist es, dass Neubolanden zur gleichen Zeit wie Kloster Hane gebaut wurde, nämlich um das Jahr 1120, und zwar von Werner I. Nur so ergibt die Geschichte überhaupt Sinn.

Mehr zum Thema
x