Donnersbergkreis Funkenflug und mediterrane Düfte
Tapas, Cervesa, Flamenco und Bolero: Zum neunten Mal stieg am Freitagabend in der Innenstadt Winnweilers das Festival „Feuer im Gemäuer“, inzwischen fest verankert im Donnersberger Event-Kalender – in diesem Jahr unter dem Ländermotto Spanien. Der ausrichtende Gewerbeverein ließ die Ideen wieder sprudeln. Bullen konnten geritten, mediterrane Köstlichkeiten mit viel Sangria runtergespült werden. Rundgang an einem warmen Abend mit Iberico-Atmosphäre.
Petroleum. Ein beißender Geruch zieht in die Nase, dicht verfolgt von einem drückenden Hitzeschwall. Dem Artisten laufen die Tropfen von der Stirn. Make-up verwischt, Schminkglitzer klebt auf den Wangen. „Absolute Körperbeherrschung“, staunt ein junger Mann, drei Meter entfernt, und schaut zwinkernd in das Inferno. Alles leuchtet. Man meint gerade, die Bühne brenne. Lichterloh. Dabei sind es nur die vier Fackeln, die der Artist in einem Höllentempo durch die Nacht wirbelt. Flammen, Funken. Überall. Das Gesicht des Künstlers glüht. Die Brennstäbe tanzen um seinen Körper, er lässt sie rotieren, glimmende Fetzen sprühen. Flammenkarussell. „Wenn da was schief geht“, pflichtet die Freundin des jungen Mannes bei. „Bei uns ist es schon heiß. Ich will nicht wissen, wie es sich da vorne anfühlt.“ Er sagt: „Das ist imposant, wenn ihm die Teile so ums Gesicht fliegen. In der Hitze!“ Als der drahtige Feuerkünstler im schwarz-roten Top sein heißes Werkzeug in den Winnweilerer Nachthimmel schmeißt, raunt die Menge. Er fängt es. Sicher. Noch einmal spritzt es Funken. Dann verbeugt er sich. Ende. Mit einem wonnigen Lächeln steht Gunter Franck in seiner Buchhandlung. Es ist früher Abend, die Pflasterstraßen draußen füllen sich. Im Vorjahr stand der Vorsitzende des Gewerbevereins Winnweiler an gleicher Stelle, verkleidet als arabischer Scheich, umhüllt von weißem Gewand. „Orient“ war 2015 das Motto der achten Auflage von „Feuer im Gemäuer“. Heute ist es Spanien. Den Sombrero Cordobes und das Barett lässt er diesmal im Schrank. Ein Polo tue es auch. „Wir haben ja jedes Jahr ein anderes Ländermotto. Spanien bietet sich da an, sowohl kulinarisch als auch kulturell“, erklärt Franck. Karibik, USA, Frankreich, Italien. „Feuer im Gemäuer“ durchwanderte mittels Delikatessen die halbe Welt. Heute können sich die Besucher mit scharfer Paella stopfen. Oder sich mit von Sangria beschwipsten Früchten gegen die warme Abendsonne wehren. Ein Duft von Meeresfrüchten, von Knoblauch, Oliven und gebratenem Gemüse wabert durch die Innenstadt. „Es war Zeit, dass mal Spanien kommt. Ich muss auch gleich meinen Rundgang machen“, sagt Franck, seit zehn Jahren an der Spitze des Gewerbevereins. Wenn das Wetter passt wie heute, es gut 25 Grad warm ist, die Sonne von oben herab brennt, dann ist das für die Veranstaltung ein Segen. Da gab es bereits schlechtere Jahre, erinnert sich Franck. Kühl war es, dazu prasselte ein ekliger Nieselregen auf die Masse runter. Für ein Ländermotto wie das sonnenverwöhnte Spanien wäre das, nun ja, eher kontraproduktiv. Das Flair muss stimmen, um kalte Cervesa, feurige Tapas und pfiffige Flamenco-Tänze zu genießen. Durch die jährlich wechselnden Länder soll „Feuer im Gemäuer“ abwechslungsreich sein. Angepasst werden an das Motto Getränke, Essen, Rahmenprogramm. Mit dem roten Faden, dem Flammenspiel, hat das nichts zu tun. Oder gibt es Unterschiede zwischen spanischem und orientalischem Feuer? Auch heute beleuchten Feuertöpfe die Läden, wieder knallt ein buntes Feuerwerk, und es ziehen Flammenkünstler durch die Gassen. „Das Fest hat sich mittlerweile etabliert. Wir merken das am Zuspruch“, betont Franck. Besucherzahlen könne er nicht nennen. Da habe es zuletzt Probleme mit Markenlizenzen gegeben. Spanien ist das Land der Stiere. Eine große Tradition hat das Stierreiten, das Rodeo, zwar eher in Süd- und Nordamerika – aber irgendwie passt es ja trotzdem, wegen des Symboltieres. Leon krallt sich am Griff fest. Mit rechts. Der Elektro-Bulle schüttelt sich, ruckartig fährt er hoch und runter. Wild holpert Leon auf dem Sattel herum. Seine Rechte hängt am Riemen, er dagegen zur Hälfte in der Flanke der bulligen Maschine. Patsch! Leon knallt in die luftige Matte. 22 Sekunden. Nicht schlecht. „Es ist komisch, wenn man da so rutscht. Der ganze Kopf wackelt mit. Das ist schwer“, meint der Elfjährige und grinst. „Man muss schon ein Fuchs sein“, weiß später auch Marcel (19) und hält sich 44 Sekunden auf dem Ungetüm. Beide lachen. Ist ja auch ein Spaß. Später steht Marcel vor der Feuershow, der heiße Dunst schlägt ihm ins Gesicht. In der Hand hält er ein gekühltes Cervesa. Salud.