Donnersbergkreis Fleischkäsweck, Wein und Weitblick

Begeisterten Anklang fand unsere gestrige RHEINPFALZ-Lesertour, die zweite in diesem Sommer, bei den mehr als 30 Teilnehmern: Unter der Führung von Kultur- und Weinbotschafterin Heidi Zies aus Niefernheim, zugleich Vorsitzende des Vereins Zellertal aktiv, ging es drei Stunden lang durch das Zellertal.
Zuerst führte der Weg entlang der Pfrimm von Niefernheim nach Wachenheim, dann den Steilhang hoch nach Mölsheim, anschließend ging es durch die Weinberge bis kurz vor Zell und dann wieder zurück nach Niefernheim. Start und Ziel war jeweils der Dorfplatz. Als Überraschungsgast hatte sich eingangs der Tour Architekt Peter Kummermehr aus Kirchheimbolanden auf dem Niefernheimer Dorfplatz eingefunden, um die dortigen Skulpturen zu erläutern. Er hat sie vor 21 Jahren im Rahmen eines Wettbewerbs angefertigt. Nächste Station waren die berühmt-berüchtigten „Niefernheimer Löcher“. Dabei handelt es sich um ein Feuchtgebiet an der Pfrimm zwischen Niefernheim und Wachenheim mit grundwassergefüllten Tümpeln. Im größten soll angeblich einst in Nacht und Nebel ein Wagen mit dem Nibelungenschatz samt Kutscher und Pferden versunken sein. In Wachenheim ging es am Kneippbecken und an der Reitanlage vorbei scharf nach links, wo die erste, gleichzeitig aber auch letzte Steiletappe (den Hang hoch nach Mölsheim) die Wanderer bei der schwül-warmen Witterung ordentlich ins Schwitzen brachte. Zum Glück war die Erfrischung nicht weit: Im Aegidiuspark, einer malerisch gelegenen Anlage unter Schatten spendenden Bäumen und mit grandiosem Panorama, dort findet von Ende April bis Ende Oktober jeden Sonn- und Feiertag die „Weinrast mit Weitblick“ statt, wartete schon Andrea Hagmaier vom gleichnamigen Mölsheimer Weingut mit gut gekühltem Sekt und Secco und natürlich auch erfrischendem Wasser auf die ausgetrockneten Wanderer. Wenig später brachte Metzgermeister Erwin Lind aus Harxheim eine herzhafte Stärkung: frisch aufgeschnittene Fleischkäsebrötchen aus eigener Herstellung. Winzerin Hagmaier erläuterte den interessierten Zuhörern das Konzept der „Weinrast mit Weitblick“: Winzerbetriebe, die teilnehmen möchten, kaufen einen oder mehrere Anteile und können dafür 15 Jahre lang einmal pro Jahr, bei mehreren Anteilen entsprechend öfter, an einem Sonn- oder Feiertag ihre Weine ausschenken, wobei das Speiseangebot vom einfachen Spundekäs bis zu komplizierteren Gerichten reichen kann. Nach der willkommenen Rast mit Weck, Wein und Weitblick ging es weiter auf dem parallel zur Straße oberhalb des Ehrenmals verlaufenden Wanderweg Richtung Zell. Das Dörfchen gilt als ältester Weinort der Pfalz. Der Weinbau dort geht der Legende nach auf den aus England stammenden Lokalheiligen Philipp zurück. Das alles spielte sich im achten Jahrhundert ab, und im Ortsnamen „Zell“ findet sich noch versteckt ein Hinweis auf seine „Cella“, seine Einsiedlerklause. Der Ort selbst wurde auf der Tour nur gestreift – Heidi Zies versprach aber, im nächsten oder übernächsten Jahr noch eine RHEINPFALZ-Tour anzubieten und sich dann auf Zell und Umgebung zu konzentrieren. Stattdessen ging es in den Schneckenwingert. Der Name bezieht sich nicht auf ein großes Schneckenvorkommen, sondern auf einen schnecken- oder spiralförmig angelegten Weinberg, mit dem sich zwölf Männer, die Mitglieder des Vereins Wingertschnegg, vor einigen Jahren ein im Wortsinn abgedrehtes Denkmal gesetzt haben. Im dazugehörigen und stilsicher aufgebauten Wingertshäuschen wurde noch einmal kurz Schatten gesucht, bevor es bergab wieder nach Niefernheim ging. Zum Abschluss schenkte Heidi Zies jedem Teilnehmer noch ein Gläschen ihrer selbstgemachten Marmelade, die es am Hofladentag im Oktober auch zu kaufen gibt: der Erlös geht an den Zellertaler Kindergarten. Der begeisterte Schlussapplaus der Teilnehmer für Heidi Zies und auch für die RHEINPFALZ legte nahe, dass die Führung gut angekommen war. Allgemeiner Tenor: „Man fährt oft weiter weg, um da zu wandern, und übersieht die Schönheiten, die die unmittelbare Heimat zu bieten hat.“ (ajh)