Bubenheim
Feuerwehren der VG Göllheim trainieren mit Experten von Euro-Waldbrand
Hitze und Dürre brachten die Feuerwehren im Jahr 2023 an ihre Belastungsgrenzen. Allein die Feuerwehren in der Verbandsgemeinde Göllheim hatten in den Monaten Juni und Juli rund 30 Vegetationsbrände zu löschen. Im Jahr darauf zeigte sich die Natur von einer anderen Seite: Dank der nassen Witterung blieben die großen Brände weitestgehend aus. Dennoch bereiten sich die Wehren in der VG Göllheim intensiv auf die weiteren Herausforderungen durch den Klimawandel vor.
Feuerlinie auf dem Stoppelfeld
Der international anerkannte Experte Christian Schmidt, Chef des Unternehmens Euro-Waldbrand, leitete eine großangelegte Übung auf einem Acker des passionierten Feuerwehrmanns Markus Osswalt bei Bubenheim und gab den Einsatzkräften wichtige Einblicke in moderne Löschtaktiken und -techniken. Schmidts bundesweit tätiges Team mit Sitz in Schwirzheim in der Eifel besteht aus Spezialisten mit umfangreichen Kenntnissen in der Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden. Es ist sowohl für luft- als auch bodengestützte Maßnahmen ausgerüstet. Der 46-jährige Schmidt ist seit 30 Jahren bei Werks- und Berufsfeuerwehren im Einsatz.
An einem heißen Nachmittag, an dem heftiger Wind über das elf Hektar große Stoppelfeld fegte, fanden sich die Wehrleute in voller Montur unter der sengenden Sonne ein. Schweiß rann den Einsatzkräften über die Stirn. Schmidt griff zu einem ungewöhnlichen Mittel, um eine realistische Übungssituation zu schaffen: Mit einem Brandbeschleuniger legte er eine kleine Feuerlinie auf dem Stoppelfeld. Der Wind und die trockene Vegetation taten ein Übriges: Innerhalb weniger Minuten breitete sich das Bodenfeuer aus.
Dem Feuer die Nahrung entziehen
Anders als zumeist üblich, blieb das Wasser erstmal außen vor. Stattdessen mussten die Einsatzkräfte mithilfe einer speziellen Harke, einer Kombination aus Rechen und unterschiedlich breiten Haken, Brandschneisen schaffen. Dadurch soll die brennbare Fläche schnell eingegrenzt und dem Feuer die Nahrung entzogen werden. In Dreiergruppen arbeiteten die Feuerwehrleute zusammen, um eine etwa einen Meter breite Schneise ins Feld zu schlagen. Als die Flammen durch den Wind weiter angefacht wurden, kamen sogenannte Feuerpatschen zum Einsatz. Diese traditionellen Löschinstrumente waren über Jahrzehnte hinweg das wichtigste Werkzeug bei Bränden, bevor wasserführende Fahrzeuge die Arbeit in größerem Stil zum Einsatz kamen.
Das bloße Schlagen auf das Feuer löschte zwar die Flammen, führte aber zu feinem Funkenflug und einer weiteren Ausbreitung des Feuers. Schmidt demonstrierte daher eine Technik, bei der die Flammen mit der Feuerpatsche vorsichtig „ausgestreichelt“ werden – unterstützt durch einen feinen Wassernebel, den ein Feuerwehrmann mithilfe einer Löschlanze erzeugte.
Schläuche statt Wasserwerfer
Auch Löschfahrzeuge kamen zum Einsatz. Das seit Kurzem in Göllheim stationierte Speziallöschfahrzeug für Vegetationsbrände wurde auf seine Tauglichkeit geprüft. Während ein Wasserwerfer bis zu 70 Meter weit spritzen kann – dabei aber der Wasservorrat schnell erschöpft ist –, wechselten die Einsatzkräfte auf einen dünneren Feuerwehrschlauch und liefen in sicherer Entfernung vor dem Fahrzeug her, um gezielt zu löschen. Besonders anspruchsvoll: die technische Abstimmung zwischen Fahrgeschwindigkeit und Wasserdruck, um den nötigen Druck auf die Leitung zu bringen. Als deutlich einfacher entpuppte sich die Alternative, aus der Dachluke des Fahrzeugs zu löschen.
Wichtig ist dabei, die Selbstsicherung nicht zu vernachlässigen. Auf einem Getreidefeld würde sich der Brand weitaus schneller ausbreiten, erläuterte Schmidt, dies erfordere ein noch größeres Maß an Überblick und Vorsicht. Für die Feuerwehrleute aus der VG Göllheim war die Übung eine schweißtreibende, aber äußerst lehrreiche Erfahrung. „Wir haben spezielle inhaltliche Themen kennengelernt, die in der regulären Feuerwehrausbildung nicht so intensiv behandelt werden“, resümierte ein Teilnehmer. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten in zukünftigen Einsätzen von unschätzbarem Wert sein.