Dreisen RHEINPFALZ Plus Artikel Feuerwehr: Erst im Ahrtal mit angepackt, dann 7000 Euro Spenden gesammelt

Nach der Flutkatastrophe haben Aktive der Dreisener Feuerwehr zusammen mit weiteren Helfern aus der VG Göllheim im Ahrtal mit an
Nach der Flutkatastrophe haben Aktive der Dreisener Feuerwehr zusammen mit weiteren Helfern aus der VG Göllheim im Ahrtal mit angepackt.

Binnen vier Wochen hat der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Dreisen stolze 7000 Euro für die Opfer der Flutkatastrophe im nördlichen Rheinland-Pfalz gesammelt. Ein Grillfest mit Blasmusik war der vorläufige, aber keineswegs der endgültige Abschluss der Benefizaktion. Im Interview spricht der erste Vorsitzende Thorsten Kaufhold über die Spendenbereitschaft der Bevölkerung und die Spuren, die der Einsatz im Ahrtal hinterlassen hat.

Die Freiwillige Feuerwehr Dreisen wurde am Tag nach der Flutkatastrophe als Bestandteil eines Rettungszuges der Verbandsgemeinde Göllheim alarmiert. Wie war das?
Ehrlich gesagt hatten wir aufgrund der Distanz zum Ahrtal nicht damit gerechnet, alarmiert zu werden. Dennoch, wenn wir gebraucht werden, stehen wir zur Verfügung. Wir haben zusätzliche Pumpen in einen Anhänger geladen und sind mit der VG-Einheit nach Trier-Ehrang gefahren, wo das Flüsschen Kyll über die Ufer getreten war. Dort wurden wir auf Großfahrzeuge wie beispielsweise Radlader verteilt, um die Kräfte vor Ort bei der Suche nach Menschen zu unterstützen. In jeder Straße wurde an jedem Haus geschaut, ob jemand Hilfe benötigt. Andere waren damit beschäftigt, Keller auszupumpen. Auch bei der Evakuierung eines Seniorenheims waren wir im Einsatz.

Zwei Tage später wurden gezielt Hilfskräfte für Einsätze im Ahrtal alarmiert. Nun wurden Freiwillige gesucht, die auch mehrere Tage bleiben konnten.
Auch das war für uns keine Frage. Die Stimmung in der Mannschaft war sehr gut – doch mit jedem Meter, den wir die Straßen serpentinenmäßig hinunter ins Tal nach Dernau fuhren, wurde es ruhiger im Auto. Wir sahen Baucontainer und Fahrzeuge im Wingert, dann die unbeschreibliche Verwüstung. Plötzlich war kein Ton mehr zu hören, jeder hatte Tränen in den Augen und war geschockt. Nach der Ankunft brauchten alle einige Minuten, um sich wieder zu sammeln.

Was waren die Aufgaben für die Dreisener Feuerwehr?
Wir haben beispielsweise zusammen mit der Polizei und dem THW straßenweise jedes Haus und jede Wohnung durchsucht, ob sich noch Menschen dort befinden. Eine eigenartige Mischung aus Schock und Motivation hat es uns überhaupt ermöglicht, diese unglaubliche Belastung durchzustehen. Wir waren praktisch eine Einheit unter ganz vielen Helfern. Kontaktaufnahme nach draußen – also mal schnell mit dem Handy zu Hause anrufen – war nicht möglich. Die komplette Infrastruktur war zusammengebrochen. Von der Dreisener Wehr waren über die ganze Woche verteilt 22 Personen im Einsatz, zusammen mit den anderen Einheiten aus der VG Göllheim.

Wie ging es zu Hause weiter?
An Montag nach unserer Rückkehr war unser regulärer Übungsabend. Zunächst kam kein wirkliches Gespräch auf, erst nach gut einer halben Stunde fing der eine oder andere an zu erzählen. Das war eine unglaublich sensible Angelegenheit und wahrscheinlich auch ein erster Versuch, das Gesehene und Erlebte zu verarbeiten. An dem Abend wurde auch die Idee geboren, etwas für die Opfer in Dernau zu tun.

Und was konkret?
Die Aktivitäten als Feuerwehreinheit waren ja soweit erfüllt. Wir hatten deshalb die Absicht, Geld zu sammeln. Allerdings wollten wir nicht in eine große Sammelaktion spenden, sondern dahin, wo das Geld auf kurzem Dienstweg bei den Betroffenen ankommt. Die Feuerwehrkollegen aus Kirchheimbolanden waren da schon aktiv, somit haben wir unsere Spenden dort eingebracht. Die Aktion selbst haben wir auf vier Wochen begrenzt.

Wie erfolgte die Umsetzung?
Wir hatten zusammen mit unseren örtlichen Bäckermeistern die Idee, an einem Samstagvormittag Bratwürste zu grillen und hierbei Spenden für Dernau zu sammeln. Viele der Menschen, die morgens beim Bäcker waren, wussten dann Bescheid. Es war ein unglaublicher Zuspruch an diesem Tag und die Gäste zeigten großes Interesse an der Feuerwehrarbeit, die wir im Ahrtal geleistet hatten. Das hat uns Mut gemacht. Wir haben dann innerhalb des Dorfes in den wenigen Ladengeschäften Spendendosen aufgestellt und Flugblätter verteilt.

Und dann gab’s noch das finale Grillfest an der Scheune Keller...
Ja, und das Schöne war, dieses Mal wurden wir nicht nur materiell durch Geld-, Brot-, Kuchen-, oder Getränkespenden unterstützt, sondern auch von unserem Musikclub Fidelio. So wurde unerwartet – immer unter Beachtung der Corona-Hygienebestimmungen – trotz Nieselregens ein sehr gut besuchtes Grillfest. Am Ende der vierwöchigen Aktion kamen wir auf Erlöse und Spenden von 7000 Euro – plus das Geld, das einige Dreisener Bürger direkt auf das Spendenkonto überwiesen haben.

Sind weitere Aktionen geplant?
Aktuell zwar nicht, aber wir stehen in engem Kontakt zu einigen Ansprechpartnern in Dernau. Ich bin mir sicher, dass wir im Laufe der nächsten Monate weitere Ideen zur Unterstützung entwickeln werden.

Interview: Helmut Dell

Spendenkonto

Flutkatastrophe Dernau, IBAN DE10 5405 1990 0007 0380 60

Thorsten Kaufhold, erster Vorsitzender des Feuerwehr-Fördervereins Dreisen.
Thorsten Kaufhold, erster Vorsitzender des Feuerwehr-Fördervereins Dreisen.
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