Donnersbergkreis Falsche Freundin am Apparat: So agieren Telefonbetrüger

Betrüger versuchen am Telefon nicht nur den Enkeltrick. Laut Polizei lassen sie den Angerufenen einfach raten, wer da am anderen
Betrüger versuchen am Telefon nicht nur den Enkeltrick. Laut Polizei lassen sie den Angerufenen einfach raten, wer da am anderen Ende der Leitung sei.

Donnersbergkreis: Betrüger, die am Telefon versuchen, an größere Geldbeträge zu gelangen, treiben auch in der Region ihr Unwesen. Eine 82-jährige Frau aus Winnweiler hat es in der vergangenen Woche erwischt. An ihrem Beispiel zeigt sich, wie diese Anrufer agieren.

Es ist etwa 1 Uhr mittags, als am Freitag das Telefon bei der Winnweilerin klingelt. „Ja, hallo! Weißt du, wer ich bin?“, habe sich eine Frauenstimme an anderen Ende gemeldet, berichtet die Seniorin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Die 82-Jährige habe sich sofort an eine frühere Schulkameradin erinnert, mit der sie seit kurzer Zeit wieder Kontakt hat. „Die Stimme hat in etwa gepasst“, schildert sie die Situation. „Cecilia?“, habe sie die Anruferin gefragt. „Ja, natürlich. Du hast mich sofort erkannt“, antwortet die Stimme am Telefon. Sie sei gerade in der Gegend und könne sie besuchen kommen, erzählt die vermeintliche Bekannte. „Da ich aber einen Termin hatte, habe ich ihr gesagt, dass das heute nicht geht“, erklärt die 82-Jährige. Dann berichtet die Frau am anderen Ende der Leitung plötzlich von einem Problem. „Sie hat erzählt, dass sie gerade bei einem Notar sei und mit dem Handy anrufe“, erinnert sich die Winnweilerin. Dann habe die Anruferin mehrmals gefragt, ob sie alleine sei, und betont, dass sie niemandem von diesem Gespräch erzählen solle. „Sie hat gesagt, dass sie sich eine Eigentumswohnung kaufen wolle. Wegen einem Zahlendreher fehlten ihr dazu aber 40.000 Euro“, berichtet die 82-Jährige. Den fehlenden Betrag könne sie erst am Montag beschaffen. Wenn sie den Kauf aber nicht noch vor dem Wochenende abschließe, verliere sie 4000 Euro, so die angebliche Schulfreundin.

Rund zehn Minuten dauerte das Telefonat

Schließlich bittet sie die Winnweilerin um Hilfe. „Sie fragte, ob ich ihr das Geld leihen könnte. Ich würde es am Montag wieder bekommen und sie würde mir als Dank noch 500 Euro geben“, erzählt die Seniorin. Da sich ihr Sohn aber um ihre Finanzen kümmere, hätte sie so spontan – selbst wenn sie gewollt hätte – gar nicht so viel Geld auftreiben können. „Da kann ich dir leider nicht helfen“, habe sie der vermeintlichen Freundin gesagt. „Ich meinte dann noch, dass es bei einem so hohen Betrag auf 4000 Euro auch nicht mehr ankommt. Aber sie sagte, sie bräuchte das Geld zum Renovieren.“ Dann hätten die Frauen aufgelegt. Rund zehn Minuten habe das Telefonat insgesamt gedauert. Misstrauisch sei sie aber erst geworden, nachdem das Gespräch beendet war. „Es kam mir dann schon komisch vor, dass sie mehrmals gefragt hat, ob ich alleine bin. Und dass ich keinem davon erzählen sollte“, sagt die Nordpfälzerin. Auch dass ihre Schulfreundin in ihrem Alter noch eine Wohnung renovieren wolle, habe sie irritiert. „Die ist ja schon über 80.“ Eigentlich komme ihre Bekannte aus der Vorderpfalz, die Frau am Telefon habe aber eher Nordpfälzisch oder Hochdeutsch gesprochen, meint sie im Nachhinein. Und auch die Stimme habe im eigentlich jünger geklungen.

Die Scham überwiegt

Als sie ihrem Sohn davon erzählt habe, sei der Verdacht aufgekommen, dass es sich um eine Betrügerin gehandelt habe. Das vermutet auch Norbert Völker von der Polizei Rockenhausen. „Es ist das klassische Vorgehen solcher Betrüger, die Leute raten zu lassen, wer da am Telefon ist“, sagt Völker. In diesem Fall habe die Frau zwar nicht auf einen Enkel, sondern auf eine alte Freundin getippt, aber die Betrüger seien spontan genug, um auf solche Situationen einzugehen. Für die Winnweilerin war es der erste Anruf dieser Art. „Sonst bekomme ich nur die, bei denen jemand sagt, ich hätte etwas gewonnen. Aber da lege ich immer direkt auf“, berichtet sie. Von anderen Betrugsversuchen vom vergangenen Freitag wisse man bei der Polizei Rockenhausen derzeit nichts. „Aber ganz oft melden die Leute uns solche Anrufe gar nicht. Wenn Geld überwiesen wurde, überwiegt die Scham. Und wenn nichts passiert ist, denken sie, das sei unnötig“, berichtet Norbert Völker. Dabei sollte die Polizei auch im Verdachtsfall informiert werden.

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