Alsenz Etwas Gemurre und viel Geduld: Ein Morgen am Impfbus

Drei bis vier Stunden müssen die Wartenden einkalkulieren, ehe sie am Impfbus auf dem Norma-Parkplatz in Alsenz an der Reihe sin
Drei bis vier Stunden müssen die Wartenden einkalkulieren, ehe sie am Impfbus auf dem Norma-Parkplatz in Alsenz an der Reihe sind.
Schlange mit Knick: Mehrere hundert Meter mussten Impfwillige anstehen, ehe sie den Bus erreicht hatten.
Schlange mit Knick: Mehrere hundert Meter mussten Impfwillige anstehen, ehe sie den Bus erreicht hatten.
Nach der Impfung ist vor der Imfpung: Nächste Woche macht der Bus Station in Rockenhausen.
Nach der Impfung ist vor der Imfpung: Nächste Woche macht der Bus Station in Rockenhausen.

Lange Menschenschlagen, mehrere Stunden Wartezeit: Die Bilder gleichen sich bei der Impfbus-Tour durchs Land. Am Donnerstag hat das rot-silberne Gefährt in der Nordpfalz Station gemacht. Auch hier war wieder Geduld gefragt. Zwar gab es wiederholt verständliches Gemurre zu hören – doch der vorherrschende Tenor war ein anderer.

Manfred und Christel Schäfer sind früh dran: Gegen 7.30 Uhr treffen der langjährige Alsenzer Kommunalpolitiker und seine Ehefrau Christel am Norma-Markt ein. Doch andere waren schneller, wie der 79-Jährige am Mittag im Telefonat mit der RHEINPFALZ berichtet: „Bei unserer Ankunft hatte sich bereits eine lange Schlange gebildet.“ Diese ist nach seiner Schätzung auf rund 200 Meter angewachsen, als das Paar fast vier Stunden später mit dem Biontech-Vakzin im Arm das Gelände wieder verlässt.

Die Schäfers haben sich „boostern“ lassen, also ihre mittlerweile dritte Impfung zum Schutz gegen das Coronavirus erhalten. Wie viele andere Menschen haben sie sich zum seit Monaten durch Rheinland-Pfalz tingelnden Impfbus aufgemacht, weil derzeit die Impfkapazitäten äußerst begrenzt sind: Viele Hausärzte sind wegen der großen Nachfrage ausgebucht oder haben lange Wartezeiten, die Impfzentren öffnen erst kommende Woche wieder – und liegen außerdem für Donnersberger, zumal im nördlichen Kreisteil, auch nicht gerade um die Ecke.

Rollator als Sitzgelegenheit

Kein Wunder also, dass wie in den Tagen zuvor andernorts nun auch in Alsenz „die Hölle los“ ist. Gerade für ältere Menschen ist das lange Anstehen hart, Schäfer empfindet es für manche sogar als „unzumutbar“. Da sind Senioren, die ihren Rollator zur Sitzgelegenheit umfunktionieren, andere haben geahnt, was kommt, und sich Klappstühle mitgebracht. Glücklicherweise öffnet im Laufe des Morgens das im Einkaufskomplex angesiedelte Café – im wahrsten Wortsinn zur Erleichterung derjenigen, die mal zur Toilette müssen.

Dass in der wartenden Masse nicht gerade überschäumende Begeisterung herrscht, versteht sich fast von selbst. Immer mal wieder sind Klagen zu hören, „wieso das Impfzentrum in Kirchheimbolanden geschlossen worden ist. Da wurde beispielsweise auf den Kreis oder den Landrat geschimpft. Ich habe den Leuten dann erklärt, dass die Impfzentren vom Land betrieben werden, dass dort die Verantwortung liegt“, erzählt Schäfer, der selbst mal als Beigeordneter in der Kreisspitze tätig war. Leid tun ihm darüber hinaus die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des mobilen Impfteams, die im Freien ausharren, die Anmeldungen der „Gäste“ entgegennehmen und deren Ausweise überprüfen müssen: „Das war auch für sie kein Vergnügen.“

Diszipliniert, geduldig, rücksichtsvoll

Jetzt kommt das große Aber: Trotz der ungemütlichen Umstände verhalten sich die Impflinge nach Schäfers Eindrücken sehr diszipliniert, geduldig und rücksichtsvoll. „Da gab es kein Vordrängeln oder Meckern, dass es zu langsam geht. Während es an der Supermarkt-Kasse vielen ja oft nicht schnell genug geht, hat hier die Gemeinschaft mal wieder gestimmt.“ Des weiteren habe, soweit er das sehen konnte, niemand aus Frust die Schlange verlassen oder wieder kehrt gemacht. Für zeitliche Entspannung sorgt ferner der Winnweilerer Allgemeinmediziner Rainer Kuhn: Um die Wartezeit zu verkürzen, führt er die obligatorische Aufklärung über die zur Verfügung stehenden Stoffe oder mögliche Reaktionen an der frischen Luft durch – damit es dann beim eigentlichen Akt im Bus schneller geht. Nach dem Piks bringt er zudem den Impfnachweis auf den neusten Stand.

Apropos Personal: Für dieses hat Schäfer generell ein großes Lob parat: „Da kann man nur sagen: Daumen hoch! Die Organisation war gut, die Mitarbeiter haben unter anderem dafür gesorgt, dass ältere oder nicht so stabile Menschen vorgezogen werden. Darüber hat auch niemand gemeckert.“ Nach seiner Einschätzung ist die Menge übrigens bunt gemischt – sowohl was den Impfstatus als auch was den Wohnort anbelangt. „Da waren etliche Jüngere zu sehen, die ich eher den ,Erst- oder Zweitimpfern’ zurechnen würde. Andererseits sind wie gesagt auch viele Ältere zur Auffrischung gekommen. Leute aus unserer Gegend waren ebenso vertreten wie aus Rockenhausen oder Bad Kreuznach, ein junger Mann hatte es von seiner Mutter gehört und ist mit ihr extra aus Mainz gekommen“, so das Alsenzer Urgestein.

Nicht der Impfbus ist das Problem

Wichtig ist ihm zu betonen, „dass ja nicht der Impfbus das Problem ist – im Gegenteil: Meine Frau und ich sind sehr froh, dass es dieses Angebot gibt und das wir hier die Gelegenheit zur Impfung hatten.“ Man hätte eben auf Bundes- und Landesebene früher für eine ausreichende Logistik sorgen müssen. Dies sei auch der Tenor unter den vielen Impfwilligen am Norma-Markt. Die sind zudem mit Petrus im Bunde: Immerhin ist es trocken und nur mäßig kalt, später lässt sich sogar ab und zu die Sonne blicken.

Einen Wermutstropfen gibt es aber doch: Am frühen Nachmittag geht – wie zuvor andernorts auch – der Impfstoff zur Neige. Wer nach 14 Uhr eintrudelt, wird gebeten, zu einem anderen Termin wiederzukommen. Was ja immer noch besser ist, als stundenlang anzustehen und am Ende doch leer auszugehen. Übrigens: Am 24. November macht der Bus Station in Rockenhausen, zwei Tage darauf beginnen die „Donnersberger Impftage“.

Manfred Schäfer muss sich dieses Datum nicht notieren: Er und seine bessere Hälfte haben die Impfung hinter sich, als sie gegen 11.15 Uhr das Norma-Gelände verlassen. Angst vor den Nebenwirkungen hat der 79-Jährige nicht („Das gehört eben dazu“), er freue sich nach den Strapazen aber schon auf seine Couch. Seine Frau sei dagegen „härter im Nehmen als ich“: Sie wolle jetzt erst einmal etwas kochen. Frisch „geboostert“ schmeckt die Gemüse-Lasagne bestimmt nochmal so gut ...

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