DONNERSBERGKREIS RHEINPFALZ Plus Artikel Erzeuger sehen die Zuckerrübe auf der Kippe

 Ein Berg von Zuckerrüben: Die Erzeuger kommen nicht umhin, die Früchte ihrer Arbeit zur Verarbeitung zu transportieren. Dies ha
Ein Berg von Zuckerrüben: Die Erzeuger kommen nicht umhin, die Früchte ihrer Arbeit zur Verarbeitung zu transportieren. Dies hat vor nicht langer Zeit noch weit mehr an Schmutz und Lärm mit sich gebracht.

Schmutzig, langsam, laut – so war die Rübenernte vor gut zwei Jahrzehnten. Transportgemeinschaften aber haben diese spürbaren Beeinträchtigungen merklich reduziert. Trotzdem ringen die Erzeuger weiter um Akzeptanz. Vor allem, weil der Rübenanbau bedroht ist.

Herbstzeit ist Rübenzeit. In der Region ist die Zuckerrübe noch ein wichtiger Bestandteil der heimischen Landwirtschaft und ein Wirtschaftsfaktor für Erzeuger und Verarbeiter, also für die Bauern, die die Feldfrucht anbauen, und für die Südzucker AG in Offstein, die Zuckerrüben, nicht nur aus der Nordpfalz, verarbeitet. Folgerichtig arbeiten auch die Landwirte, ihre Vertretung im Verband der Zuckerrübenanbauer und das Unternehmen in Offstein eng zusammen.

Seit den ersten Oktobertagen rollen die Lastwagen wieder von den Anbauflächen über Autobahn und Landstraße in die Zuckerfabrik. Der Rübenherbst beginnt und endet zu unterschiedlichen Zeiten, was mit dem Ertrag und den Wetterverhältnissen zusammenhängt und mit der möglichst optimalen Auslastung der Gerätschaften und der Fabrikanlage. Aufgrund der geschätzten Erntemenge wird 2020 die Rübenkampagne bis zum Jahreswechsel dauern, oft ging sie auch schon deutlich in den Januar hinein.

Eine weitere Kultur bedroht

Für die Transportgemeinschaften, die die Erzeuger mit Unterstützung der Zuckerfabrik 1992 gegründet hatten, bedeutete die Umstellung auf gemeinschaftlich organisierten Transport die Einführung der 24-Stunden-Schicht. Also werden auch nachts die Rüben von der Rübenmaus, so heißt das Lade- und Abreinigungsgerät, auf die Lastwagen geladen, und das rumpelt schon ganz schön. Die Organisatoren der Transportgruppen bemühen sich, nachts nicht am Ortsrand zu arbeiten, doch das ist nicht einfach und gelingt auch nicht immer.

„Wir haben Erntezeit, und da bleibt es nicht aus, dass die Bevölkerung das mitbekommt“, sagt Gerold Füge, Kreisvorsitzender des Donnersberger Bauern- und Winzerverbandes. „Wenn ich 25 Jahre zurückschaue, als die Landwirte noch in Eigenregie ihre Rüben nach Offstein gefahren haben, hat sich doch seitdem vieles verbessert. Es kommt längst nicht mehr so viel Erde und Schmutz auf die Straßen. Die langsamen Traktoren wurden von flotteren Lastwagen abgelöst, die kaum mehr als Verkehrshindernis zu bezeichnen sind. Beeinträchtigungen gibt es nur noch punktuell, weil das Abfahren der Rüben auf zwei Terminkorridore aufgeteilt ist“, so Füge.

„Heute haben wir ein ganz anderes wirtschaftliches Umfeld als noch vor zwei Jahrzehnten. Es steht auf der Kippe, wie es mit dem Rübenanbau weitergeht, die Biodiversität droht zu verschwinden, und mit ihr eine weitere Kultur, die für unsere Region typisch ist“, erklärt Christian Lang vom Verband der Zuckerrübenanbauer.

Belastung heute relativ gering

Lang sieht zum Transport der Rüben auf der Straße „keine wirtschaftlich sinnvolle Alternative“. Denn „vor 26 Jahren hat sich die Bahn aus dem Rübentransport herausgezogen, weil es für sie unrentabel war“. Lang räumt ein, dass „die Straßen in den Ortschaften drei Monate lang extrem verschmutzt“ waren, der Verkehr langsam und laut verlief. „Das war eine enorme Belastung der Bevölkerung. Heute ist sie vergleichsweise gering. Wir bitten um Verständnis, die Rübentransporteure bemühen sich um geringe Belästigung“, so der Sprecher.

Binnen drei Tagen sei in den meisten Fällen die Lärmbelästigung durch, alle Transportgruppen hätten Reinigungsgerät dabei, Anbauer und Transporteure „arbeiten an einer für alle verträgliche Abwicklung in der Erntezeit“, sagt Lang. Er weist darauf hin, dass in der Landwirtschaft ähnliche Maßstäbe wie in der Industrie gelten: Die Ernte-, Transport- und Verladekette müsse straff durchorganisiert sein. „Genau wie bei der Weinlese die Traubenvollernter sehr teure Maschinen sind, so müssen auch im Rübenanbau die Rode- und Verlademaschinen optimal genutzt werden, denn wenn die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben ist, wird die Zuckerrübe als Anbaufrucht immer weniger attraktiv.“

Getreide allein nicht sinnvoll

Getreide allein könne nicht sinnvoll angebaut werden, der Wechsel in der Fruchtfolge sei notwendig, um die Böden gesund zu halten. Zucker solle in der heimischen Region erzeugt werden; seit Jahren kämpften die Landwirte um einen angemessenen Preis. „Durch den Wegfall der Zuckermarktordnung wurde auf die Rübenanbauer zusätzlich großer Druck ausgeübt, deshalb muss auch jeder so rationell wie möglich arbeiten. Doch wir wollen mit allen gut auskommen und bitten um Verständnis für unsere Landwirtschaft“, sagt der Kreisvorsitzende der Landwirte und Winzer.

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