WINNWEILER RHEINPFALZ Plus Artikel Erster Coworking-Space eröffnet

Jochen Schrör will mit seinem Coworking-Space Austausch mit Gleichgesinnten schaffen.
Jochen Schrör will mit seinem Coworking-Space Austausch mit Gleichgesinnten schaffen.

Ein Trend in der Arbeitswelt, nicht erst seit Corona, schwappt jetzt auch bis nach Winnweiler: Kontakte knüpfen im geteilten Büro ermöglicht Unternehmer Jochen Schrör. Seit einem Monat existiert mit „K8C“ in Winnweiler der erste Anbieter von Coworking-Spaces im Donnersbergkreis.

Von der Firma ist Home-Office verordnet. Zu Hause sind drei Kinder im Home-Schooling zu betreuen. Und dann schneit der Partner – die rein physische Anwesenheit völlig missinterpretierend – in den Raum: „Schatz, könntest du mal …“ Man kann sich die Situation gut vorstellen, aus der heraus Jochen Schrör, freier IT-Spezialist für Programmierung und Administration, die Idee zu seinem jungen Unternehmen gekommen ist. „Die Räume waren vorhanden, einiges an Hardware ebenso, und ich hatte Lust, etwas Neues auszuprobieren“, berichtet der Inhaber von „K8C“. Seit einem knappen Monat bietet er nun die ersten Coworking-Spaces für digitale Nomaden im Herzen von Winnweiler an.

Aktuell zwei – in absehbarer Zukunft vier oder mehr – Arbeitsplätze vermietet Schrör an Menschen, die zum Beispiel wie er selbstständig bei wechselnden Arbeitgebern beschäftigt sind, sich eigene Büroräume nicht leisten wollen und trotzdem den Austausch mit Gleichgesinnten suchen. „Der Grundgedanke des Coworkings (englisch für Zusammenarbeiten) ist für mich, Netzwerke zu spinnen, Kontakte zwischen Gleichgesinnten und damit Synergien zu schaffen, im Austausch neue Ideen zu entwickeln“, schildert Schrör seinen Ansatz. Auch nicht zu verachten: „Man hat eine Bürotür, die man schließen kann. Die Trennung von Arbeit und Freizeit fällt leichter, wenn ich meine Arbeit außer Haus verlagere.“

Flexibel auf die Kunden reagieren

Eine Arbeitsfläche komfortabler Größe, ein bequemer Bürostuhl, zwei Monitore inklusive Webcam und eine Dockingstation, um die eigenen Daten unkompliziert auf den Bildschirm zu bringen – fertig ist der Working-Space. Dazu gehören ein abschließbarer Rollcontainer, ein Farblaserdrucker, eine kleine Teeküche und eine komfortable Internetanbindung per LTE – im ländlichen Raum alles andere als selbstverständlich.

Perspektivisch kann sich Jochen Schrör, der mit seiner Familie in Imsbach lebt, vieles vorstellen: „Ob eigene, abschließbare Büroräume, ein vollständig eingerichteter Konferenzraum mit Präsentationstechnik oder vielleicht ein Video-Arbeitsplatz mit Greenscreen und professioneller Aufnahme- und Schnitttechnik – für mich ist vieles denkbar. Ich möchte flexibel reagieren auf den Bedarf, den meine Kunden mitbringen.“

Türen stehen 24 Stunden lang offen

Bisher ist es bei K8C noch recht ruhig. Die Information über das neue Angebot muss sich wohl erst noch ein wenig herumsprechen. „Ich hatte schon Leute hier, eher tageweise und aus dem persönlichen Bekanntenkreis“, berichtet Schrör von den zurückliegenden Anfangswochen. Angst vor Konkurrenz durch ähnliche Angebote in Kaiserslautern und Bad Kreuznach hat er nicht. „Es geht zunächst um Kostendeckung, nicht um Gewinn. Ich starte mal und schaue, was kommt“, gibt er sich hoffnungsfroh und zukunftsorientiert – auch über Corona hinaus. Ein Tag im „K8C“ kostet Interessierte 20 Euro, wer sich für einen Monat einmietet, zahlt 275 Euro.

Einen ihm eher fremden Wesenszug hat der ursprünglich aus dem Ruhrgebiet stammende Unternehmer mit seinem Umzug in die Pfalz kennengelernt: „Wenn die Arbeit weiter weg ist, zieht man bei uns auch um. Gerade im IT-Bereich ist es ganz normal, per Videokonferenz und dezentral irgendwo auf der Welt zu arbeiten – zumal wenn es um global agierende Unternehmen geht. Aber hier in der Pfalz, habe ich gemerkt, verzichten die Leute lieber auf eine berufliche Möglichkeit als umzuziehen. Die Heimatverbundenheit ist schon sehr stark.“ Bleibt abzuwarten, ob die digitalen Nomaden ihre neue Bleibe mitten in Winnweiler in den kommenden Wochen annehmen werden. Bei Jochen Schrör stehen ihnen die Türen 24 Stunden lang offen – kameraüberwacht und per Pin geschützt, versteht sich.

Im Netz

Weitere Infos zu dem Projekt gibt es unter www.k8c.de.

Nils erklärt: Coworking-Space

Der Begriff „Coworking“ stammt aus dem Englischen und bedeutet „zusammenarbeiten“. Und „Space“ steht für „Raum“. Damit ist der Kern der Sache eigentlich schon erklärt: Bei solchen Projekten gibt es Räume, in denen man zusammenarbeiten kann. Meistens gibt es dabei eine zeitliche Begrenzung, man mietet die Räume also nur ein paar Tage oder Wochen. Das heißt, die Leute, die den Coworking-Space nutzen, mischen sich bunt durcheinander. Gerade das ist für manche Leute sehr interessant.

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