Donnersbergkreis Erst Hecken- jetzt traditionelle Arzneipflanze
Weißdorn, seit Jahrhunderten gegen Herz- und Kreislaufschwäche im Einsatz, ist die Arzneipflanze des Jahres 2019. Dort, wo die Natur noch nicht ausgeräumt ist, findet sich Weißdorn als Zwischenhecke zwischen Feld und Wiese oder bietet am Waldrand Tieren Schutz und Lebensraum.
Der Weißdorn (Crataegus), meist als Strauch bekannt, kann als Baum bis zu acht Meter hoch werden und gehört zur Familie der Rosengewächse. Weltweit gibt es 200 bis 300 Arten, in Europa rund 20, und in Deutschland kennt man eigentlich nur zwei Arten, den Eingriffeligen und den Zweigriffeligen Weißdorn. Wie es der Name bereits kundtut, befinden sich an den Ästen spitze Dornen. Es gab Zeiten, da waren ganze Viehweiden mit Weißdornhecken eingefriedet. Das dornige Gebüsch hielt das Nutzvieh auf der Weide und die Fressfeinde draußen. Das ist heute eher selten zu sehen. Dafür ist der Weißdorn aufgrund der Unbedenklichkeit und der guten Verträglichkeit des Wirkstoffs seit 2016 von der deutschen Zulassungsbehörde als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Weißdorn ist damit ein anerkanntes, mild wirkendes pflanzliches Mittel gegen Herzschwäche. „Die wirksamen Inhaltsstoffe kommen in den Blättern und Blüten vor. Weißdorn hat in experimentellen Untersuchungen die Herzkranzgefäße erweitert und verbessert damit die Durchblutung des Herzmuskels. Auch andere Wirkungen wie Erhöhung der Schlagkraft wurden gesehen“, erzählt Gärtnermeisterin Sabine Günther aus Kindsbach, was im Weißdorn stecken kann. Sie sagt aber gleich dazu: „Wer Weißdorn einnimmt, muss Geduld haben. Die Heilpflanze wirkt nicht sofort, sondern teilweise erst nach mehrwöchiger Anwendung.“ Die weißen Blüten des Weißdorns sind von Mai bis Juni zu sehen. Aus ihnen entwickeln sich im Herbst leuchtend rote Früchte. Sind erst die Früchte da, wird wohl niemand mehr den Weißdorn mit der Schlehe, die tiefblaue Früchte trägt, verwechseln. „Die Schlehe (Prunus spinosa) ist eine kleine heimische Wildpflaume, die aus der Ferne dem Weißdorn schon sehr ähnelt“, verweist Sabine Günther. Bei näherer Betrachtung fällt auch die helle Rinde beim Weißdorn und die ziemlich dunkle Rinde bei der Schlehe, auch Schwarzdorn genannt, auf. Während die Schlehe Inhalt eines Schnapses sein kann, kann die rote Weißdornfrucht für Marmelade verwendet werden. „Die Früchte sind eher fad im Geschmack“, sagt Günther. Ob man nun die Weißdornblüten, gemischt mit Blättern, als Tee kocht oder sich über einen extrem frostharten und ziemlich dornigen natürlichen Zaun freut oder einfach nur einen kleinen Strauch im Garten hat, weil er herrlich blüht – Schmetterlinge und Co. werden es danken.