Rockenhausen / Kaiserslautern
Erika und Anja Klos stellen gemeinsam aus
Die spannende Frage, die Ausstellung mit Werken zweier sich so nahe stehender Künstlerinnen zu besuchen, lautet vordergründig sicherlich: Gibt es Gemeinsamkeiten? Oder dominieren Unabhängigkeit und Individualität? Fürwahr eine gute Frage, führt sie das Interesse doch umso weiter zu Gedanken zum jeweiligen Hintergrund subjektiver Mach- und Lesarten, aus denen ein vielfältiges Sortieren zwischen verbindend gemeinsamen und trennend einsamen Aspekten folgen kann.
Tatsächlich beeindruckt die gleichermaßen großzügige wie verdichtete Präsentation auf beiden Museumsebenen durch eine gemeinsame zeitgenössische Bildsprache der Abstraktion. Mehr noch. Trotz der unterschiedlichen Medien – Erika Klos’ Malerei und Grafik in der ersten Etage und Anja Klos’ Fotografik im Erdgeschoss – verbindet beide Künstlerinnen doch das malerische Moment ihrer Exponate. Mal wirkt dieser malerische Blick distanziert, reserviert und deutungsfern, mal berührend, bewegend und verträumt. Auslöser sind Farbspiele und das mehrlagig geschichtete Gestalten.
Wissen, Wollen, Reflektieren
Erika Klos, die weit über die regionalen Grenzen hinweg hoch geschätzte Künstlerin der hiesigen Szene, machte sich von jung an auf den kreativen Weg andauernden Veränderns. Das bedeutete während ihres knapp 50-jährigen Künstlerinnendaseins, Ausdrucksformen zu kreieren, initiieren, experimentieren, improvisieren, ob in gestaltender, inhaltlicher oder materieller Art. Im Künstlergespräch mit der Kunsthistorikerin Svenja Kriebel vom Museum Pfalzgalerie zur Vernissage betonte „la grande Dame“, gleichermaßen Kunst und Familie gewichtet zu haben. Nicht zuletzt deswegen forderte die Kunst neben Können, Wissen und Wollen das Reflektieren darauf, wo sie selbst im Leben steht beziehungsweise wohin das Leben sie stellte. Explizit als Kontinuität persönlichen Erwachsens.
Spuren dieser Haltung bereichern das symptomatisch erd- und naturfarbene Oeuvre der jetzt 87-Jährigen. Besonders die jüngsten Arbeiten verdichten den Kommunikationsgedanken mit den Dialogen Transparenz und Dichte, Struktur und Konstruktion sowie Drei- und Zweidimensionalität aus Pergamentpapier und Pappmaché-Objekten. Bildsprachliche Attribute wie ikonographische Zyklen entschlüsseln zudem die intuitiv-emotionale Intelligenz ebenso wie das philosophische Gedankengut der Künstlerin.
Irritation und Imagination
Die Ärztin Anja Klos begann wesentlich später, sich eigener Kunst zu widmen. Ihr Medium wurde die Fotografie, bis ihr mit Handyfotografie gelang, was sie erzielen wollte: Irritation und Imagination. Ihr geht es nicht darum, Natur abbilden oder ein Narrativ gestalten zu wollen. Entscheidend bleibt für sie vor allem das Licht. Besser gesagt: die Lichtführung eines natürlich wandernden Tageslichtes. Dessen jeweiliger Einfall wird bezeichnend für die Strukturen ihrer Motive. Und sie spielt mit Schärfe und Unschärfe, linearer oder punktueller Tiefenschärfe. Die Kamera richtet sie auf unsaubere oder verkratzte Glas- und Kunststoffscheiben. So bildet sich das Dahinter mit aufgelösten Konturen ab und ergibt diffuse, farblich monochrome oder leuchtend getönte Bildräume.
Die Titel der entstandenen Motive beziehen mal zeitliche Aspekte wie „Early Morning“, also den frühen Morgen, ein, mal zeichnende wie „Grüner Staub“ oder gegenständliche wie „Roter Stuhl“. Anja Klos’ Lichtbildnerei eignet sich damit bestens dazu, Bilder im Kopf anderer anzuregen. Denn verfremdete, nur angedeutete Elemente lassen konkrete Dinge oder Vorgänge aus und schaffen damit Raum für eigene Assoziationen.
Das wahre Verfremden bis zur absoluten Abstraktion ursprünglich fotografierter Gegenstände erreicht die Künstlerin im Vergrößern ihrer verschleierten Aufnahmen. Und so kommt zustande, was die Bildtitel des stark erweiterten Raumdenkens im zeitlichen, inhaltlichen und materiellen Sinn besagen. Nicht ohne Fragen zu stellen. Etwa danach, was Unschärfen mit unserer Wahrnehmung machen, was sie fordern. Auch lässt sich über das Wort „Unschärfe“ weiter reflektieren. Unscharfe Diskussionen zum Beispiel können gewollt sein.
Ein Fazit dieser Ausstellung mit insgesamt 79 Exponaten ist, dass offensichtliche Gemeinsamkeiten schnurstracks zu Unterschieden führen. Der offensichtlichste ist der Kontrast zwischen traditionellen und modernen Techniken, der über Jahrzehnte gewachsenen Methodik seitens Klos, der Älteren, gegenüber der Möglichkeiten der Nutzung neuer Medien mit ihren komplexen Funktionen, aus denen Klos, die Jüngere, mutig wagte, sich nur eine zu eigen zu machen. Sehr empfehlenswert.
Die Ausstellung
„Just You Just Me“ im Museum für Kunst Rockenhausen, Speyerstraße 3, bis 2. Juli. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 14.30 bis 17.30 Uhr.