Donnersbergkreis „Er hat den Willen“

Donnersberger Begegnungen: Vor wenigen Wochen wurde die Sportplakette an Günter Paulus aus Kirchheimbolanden verliehen. Es ist die höchste Auszeichnung des Landes Rheinland-Pfalz für den Sport. Dabei sein konnte der Vorsitzende des Sportkreises Donnersberg nicht. Im Oktober hatte er einen schweren Schlaganfall erlitten.
. Günter Paulus strahlt über das ganze Gesicht. Dass er an diesem Abend dabei sein kann, ist alles andere als selbstverständlich. Seine Frau Gundi und seine Tochter Michelle schieben den 61-Jährigen in seinem Rollstuhl ins Winnweilerer Festhaus. Die Auszeichnung der „Sportler des Kreises“ ist die erste Veranstaltung, die Paulus nach seinem schweren Schlaganfall vom 14. Oktober des vergangenen Jahres besuchen kann. „Ein ganz toller Abend“, sagt er über das Programm. Für die neue Form, für die gemeinsame Sache des Donnersbergkreises und der RHEINPFALZ, um die Leistungen der Sportler zu würdigen, hatte sich Paulus als Mitglied des Sportlerwahl-Beirates des Kreises selbst stark gemacht. Einige Wochen vor der Preisverleihung ist der Vorsitzende des Sportkreises Donnersberg selbst geehrt worden. Mit der höchsten Auszeichnung des Landes Rheinland-Pfalz für den Sport – der Sportplakette. Bei der Feier in Mainz konnte Paulus dagegen nicht dabei sein. Zu diesem Zeitpunkt war er noch in der Reha in Sankt Wendel. Für die lange Fahrt vom Saarland nach Mainz hatte die Ärztin kein grünes Licht gegeben. Verständlich. Günter Paulus hatte es im Oktober schwer erwischt. Schlaganfall mit Hirnblutungen. Dann kam auch noch eine Lungenembolie hinzu. Mehrmals zitterten seine Frau und seine Töchter um das Leben von Günter Paulus. „Er hat den Willen, deswegen muss er weiterkämpfen“, sagt Gundi Paulus. Sie ist stolz auf ihren Mann. Stolz auf das, was er schon wieder geschafft hat. Anfangs konnte er nicht sprechen, das funktioniert wieder gut. „Auch wenn ich noch Probleme bei der Sprachfindung habe“, wie Paulus erzählt. Er sitzt im Rollstuhl, die rechte Seite seines Körpers ist gelähmt. Aber es gibt Grund zur Hoffnung: „Die Ärztin in Sankt Wendel hat gesagt, dass es zwei Jahre dauern kann, bis wieder Leben im Bein ist und er darauf stehen kann“, berichtet Gundi Paulus. Täglich stehen derzeit Behandlungen an – Krankengymnastik und Ergotherapie. „Es sind kleine Schritte, aber es wird besser“, hat der 61-Jährige festgestellt. Geduld ist gefragt. „Aber das ist nicht gerade meine stärkste Tugend.“ Sein großes Ziel ist es, in zwei Jahren mindestens auf einem Bein stehen zu können. „Dann wäre vieles geschafft. Das ist es, was wir uns wünschen“, erzählt seine Ehefrau. Über deren Unterstützung und die große Mithilfe seiner 28-jährigen Tochter Michelle, die im Mainzer Wirtschaftsministerium arbeitet, sowie seiner 32-jährigen Tochter, Isabel, einer Altenpflegerin, ist Günter Paulus unendlich dankbar. Dass er eine Genesungskarte des Stadtrates – dessen Mitglied Paulus ebenfalls ist – ins Krankenhaus bekommen hat, dass Stadtbürgermeister Klaus Hartmüller ihn dort besucht hat, dass sich seine Platznachbarin im Stadtrat, Ursula Fischer, ständig um ihn erkundigt, das gibt Günter Paulus Kraft, wie er betont. „Auch die Nachbarn, Freunde und Bekannte fragen jeden Tag“, berichtet Gundi Paulus. Seit 26. Februar ist ihr Mann wieder daheim. Dort, im Esszimmer, hängen auch die Urkunde und Fotos von der Preisverleihung in Mainz. Gemeinsam mit Tochter Michelle, mit Klaus Hartmüller, mit dem Stadtbeigeordneten Hans Leverkus und Ursula Fischer war Gundi Paulus in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Die Gratulation von Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat sie an ihren Mann weitergegeben. „Diese Auszeichnung bedeutet mir sehr viel“, sagt dieser. Vorgeschlagen wurde er vom Sportbund. Es ist bei weitem nicht die erste Ehrung, die der 61-jährige Kirchheimbolander erhalten hat. 2004 wurde ihm beispielsweise das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Damals unter anderem für sein Engagement in der Sportjugend Pfalz, der Sportkreisjugend Donnersbergkreis, im Kreisjugendring, im Gesamtvorstand des Sportbundes Rheinland-Pfalz oder im Vereinsleben des Schützenvereins Tell. Denn das Sportschießen ist die große Leidenschaft des 61-Jährigen. „In der Schule waren wir in einer Klasse. Der war so unsportlich“, sagt Gundi Paulus lachend – und schiebt nach: „Bei den Bundesjugendspielen hatte er immer eine Entschuldigung.“ Dass Günter Paulus einmal Vorsitzender des Sportkreises sein würde, hätte sie sich damals nicht träumen lassen. 1989 hatte er das Amt von Karl Siebecker übernommen. „Ich bin der Ansprechpartner zwischen Vereinen und Kreisverwaltung und zwischen Vereinen und Sportbund“, erläutert Paulus. Ein Amt, das viel Zeit und Arbeit erfordert. Günter Paulus macht es gerne. Und er ist froh, in Tristan Werner einen Stellvertreter zu haben, der ihn gerade in letzter Zeit so stark unterstützt hat. „Ich hätte mir keinen besseren Stellvertreter wünschen können“, sagt der 61-Jährige. Paulus war auch unter anderem 1990 Mitbegründer des Vereins der Freunde und Förderer der Berufsbildenden Schulen Alzey und von 1983 bis 1989 Beisitzer im von ihm mitbegründeten Verein „Haus der Jugend Kirchheimbolanden“. Der Freundschaftskreis Kirchheimbolanden-Louhans wurde von ihm im Jahr 1977 mitbegründet. Im Stadtrat ist Paulus für die CDU seit 2004. „Spätestens in einem halben Jahr will ich wieder an den Sitzungen teilnehmen.“ Bis dorthin hoffen er und seine Frau auch auf einen neuen Rollstuhl, der kleiner als der derzeitige ist. „Mit einem solchen Thema habe ich mich vorher nie beschäftigt“, gesteht Gundi Paulus. Nun gelte es genau auszuloten, wo man aufgrund gegebener Barrierefreiheit Essen gehen kann. „Mit dem Rollstuhl durch die Fußgängerzone zu fahren, ist unmöglich“, nennt sie noch ein Beispiel. Eines aber ist für Gundi und Günter Paulus machbar: ein Urlaub in Grömitz an der Ostsee. Seit 2006 fahren sie dort regelmäßig hin. „Da ist es praktisch barrierefrei“, erzählt Günter Paulus. Vorher muss aber noch ein Problem gelöst werden: Ohne ein neues, speziell für ihn geeignetes Auto wird das Vorhaben schwierig. Beide schauen sie sich derzeit danach um. Dann müssten künftig solche Fahrten wie die zur Sportlerwahl-Preisverleihung nach Winnweiler auch nicht über ein Spezialtaxi organisiert werden. Und wer Günter Paulus kennt, der weiß, dass ihm solche Abende gut tun. Und sicher auch Kraft geben. Die kann er wahrlich gebrauchen.