Donnersberger Echo RHEINPFALZ Plus Artikel Energiesparen: Kalte Dusche für den Hallensport

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Dass in diesen Zeiten jeder seinen Beitrag zum Energiesparen leisten muss, ist unbestritten. Aber ist das Abstellen der Duschen in Sporthallen wirklich nötig und effektiv?

Ums gleich vorweg zu sagen: Bei diesem Thema bin ich befangen. Schließlich besteht der (weibliche) Rest meiner Familie aus Hallensportlerinnen – genauer gesagt aus Basketballerinnen. Ich habe also bereits das ganze Elend der Corona-Zeit – in diesem Fall auf den Sport bezogen – hautnah miterlebt: von Saisonabsagen über Vereinsaustritte, fehlende Einnahmen und Training unter Pandemie-Bedingungen bis hin zum zigfachen Umschreiben von Hygienekonzepten, als der Spielbetrieb endlich wieder aufgenommen wurde.

Und jetzt noch die Folgen des Ukraine-Kriegs – fraglos muss das Leid der Menschen dort bei allen Überlegungen an erster Stelle stehen – sowie der davon ausgelösten Energiekrise. Die hohen Spritpreise, die bei einer Sportart mit oft weiten Auswärtsfahrten besonders zu Buche schlagen, sind das eine – das andere ist der Beschluss mancher Kommunen (auch) im Donnersbergkreis, in ihren Sporthallen mit Beginn der Sommerferien die Duschen vorerst abzuschalten. Völlig verständlich, dass die Träger in ihrem Zuständigkeitsbereich nach Einsparpotenzial suchen. Ich bekomme allerdings zuhause am Esszimmertisch von meinen Töchtern die verzweifelte Frage gestellt, „wie das eigentlich unter diesen ganzen Bedingungen mit unserer Mannschaft weitergehen soll“.

Raumtemperatur absenken: absolut hinnehmbar

Keine Frage: Jeder – auch der Vereinssport – ist in der Pflicht, einen Beitrag zur Bewältigung der misslichen Lage zu leisten. Wenn etwa in Hallen die Temperatur bei Spielen um drei, vier Grad abgesenkt wird, ist dies absolut hinnehmbar. Ebenso, dass in den Ferien, wo viele Sportarten noch Sommerpause haben, die Duschen abgestellt wurden.

Wenn aber nun langsam die Spielrunden starten, sollten die Kommunen noch einmal über das Duschverbot nachdenken. Für das Heimteam lässt es sich ja noch argumentieren, dass der Weg nach Hause oft kurz und dort ja die Möglichkeit zum Duschen vorhanden ist – wenngleich damit weder Wasser noch Energie gespart, sondern die Kosten nur aus der öffentlichen in die private Hand verschoben werden. Aber wie lange werden es Sportlerinnen und Sportler – geschweige denn Eltern von Kindern und Jugendlichen – mitmachen, wenn diese nach Auswärtsspielen durch die Kälte verschwitzt zum Auto laufen und dann eine Stunde nach Hause fahren? Jede Wette: Spätestens nach der zweiten Erkältung werden die ersten Abmeldungen im Vereinsbriefkasten liegen ...

„Sport ist mehr als eine Freizeitaktivität“

Die Diskussion darüber wird nicht nur in unserem Kreis geführt. Unter anderem hat der Deutsche Olympische Sportbund ein Positionspapier an die Politik verschickt. Darin heißt es, der „vereinsbasierte und gemeinwohlorientierte Sport ist wesentlich mehr als eine Freizeitaktivität“. Er müsse als „unverzichtbarer Teil der sozialen Daseinsvorsorge“ berücksichtigt werden, falls es im Winter um die Schließung von Sportstätten und Turnhallen ginge.

Dass in unserem Kreis bislang davon abgesehen wird, ist begrüßenswert. Und sollte sich die Krise verschärfen, die Gebäude gar als Wärmehallen benötigt werden, dann reden wir ohnehin vorerst nicht mehr vom Wettbewerbssport. Aber noch ist es ja nicht so weit – deshalb sollte auch beim Thema Duschen genau hingeschaut werden: Mich würde mal interessieren, wie viel Energie (und Geld) durch das Abstellen tatsächlich gespart wird. Und ob der Nutzen von den mit einem weiteren Niedergang des Vereinssports einhergehenden immateriellen Kosten nicht deutlich übertroffen wird.

Vorschläge: Kälter und kürzer duschen, Intervalle ändern

Und schließlich frage ich mich, ob es nicht auch eine Lösung zwischen Schwarz und Weiß geben könnte: Zwar reagieren Menschen oft nur auf Verbote – aber für das Thema Energie scheinen mir die meisten inzwischen doch sensibilisiert. Warum also nicht zunächst einmal versuchen, die Sportlerinnen und Sportler um eine möglichst kurze und kalte Dusche zu bitten – und in den Hallen, wo es machbar ist, die Intervallschaltung zu ändern. Denn eine Menge Wasser wird auch dadurch verschwendet, dass die Duschen recht lange nachlaufen. Mal abgesehen davon, dass sich bei langem Verzicht auf heißes Wasser in den Leitungen Legionellen bilden können – was auch wieder Kosten verursacht.

Eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung wünsche ich mir für den Vereinssport – dessen Probleme natürlich weit über das Thema hinausgehen –, aber auch persönlich für die Laune an unserem Esszimmertisch. Aber das mit der Befangenheit hatten wir ja schon ...

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