Donnersbergkreis Eiskeller aus dem Winterschlaf geholt
Gut 50 Jahre lang nutzte ihn kein Mensch. Er diente lediglich als Abstellraum. Jetzt wurde der in Felsen geschlagene Natureiskeller auf der Winnweilerer Eisenschmelz in seiner ursprünglichen Funktion reaktiviert. Seit Anfang des Jahres reift, kühlt und lagert in dem knapp 60 Quadratmeter kleinen unterirdischen Bauwerk das Bier der „Schnorres“-Hobbybrauer.
1742 gründete Nikolaus Gienanth die „Winnweilerer-Schmelz“, das erste Eisenhüttenwerk. Die sogenannte Eisenschmelz diente der Unterbringung der Arbeiter. Noch heute bieten die historischen Altbauwohnungen rund 30 Menschen ein Zuhause. Die Herrenhäuser sowie der Innenhof von 1800 sind noch sehr gut erhalten. Der Wohn- und Gewerbepark Eisenschmelz wird von Axel Mayer verwaltet, der neben der Wieland/Schultz GmbH aus Neustadt 50-prozentiger Eigentümer ist. In den alten Gemäuern befinden sich eine Zimmerei und Schmiede-Werkstatt. 1845 wurde der Eiskeller zur Kühlung von Lebensmitteln und zur Eislagerung erbaut. Doch mit zunehmender Industrialisierung und Massenproduktion wuchs der Bedarf an großen, elektronisch gesteuerten Kühlräumen – und die Eiskeller waren zu klein. „Der Eiskeller auf der Eisenschmelz wurde jahrzehntelang nur noch als Abstellraum genutzt“, erzählt Rudolf Jacob, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Winnweiler. Die Betonung liegt auf „wurde“. Denn Anfang des Jahres kamen Berufsschullehrer Martin Leister und Ingenieur Christoph Przygoda– beide befanden sich ohnehin auf der Suche nach einem Kühlhaus – auf die Idee, ihr naturtrübes „Schnorres“-Bier im Winnweilerer Eiskeller kühlen und reifen zu lassen. Dafür war einige Arbeit nötig. Haufenweise Schutt, der sich bei diversen Abrissarbeiten angehäuft hatte, mussten die beiden aus dem Eiskeller entfernen. Das Duo beschichtete den Lehmboden mit Splitt und Paletten und versah die Eingangstür mit einem neuen Schloss. Zwar gibt es auf der Eisenschmelz noch weitere kleinere Keller, die sind allerdings mit Sandstein gemauert und daher weitaus wärmer. Für die Lagerung des Bieres muss dagegen gewährleistet sein, dass es durchgehend kühl bleibt. „Der Natureiskeller hat eine Durchschnittstemperatur von drei bis vier Grad, je nach Jahreszeit plus minus zwei Grad“, erklärt Leister. In etwa fünf Metern Tiefe ist das rund 60 Quadratmeter große Souterrain in Felsen geschlagen. Im Winter tropft es von der Felsdecke herunter. „Das ist ein ganz besonderes Raumklima mit beeindruckender Atmosphäre. Im Gegensatz zu einem Kühlhaus reift das Bier hier in einer natürlichen Kälte, ganz ohne Stromverbrauch“, so Leister, der betont, dass heute keine Brauerei mehr Bier in einem Eiskeller lagere. Zusammen mit Kollege Przygoda begann Leister, das „Schnorres“ im vergangenen Jahr auf zwölf Quadratmetern im Keller seines Elternhauses in Winnweiler zu brauen. Das Geld einer erfolgreichen „Crowdfunding“-Aktion wollten sie eigentlich in einen 200-Liter-Sudkessel investieren. „Das Gesundheitsamt stellte allerdings besondere Anforderungen an die Größe der Braulokation. Von unserer Seite war das dann nicht mehr machbar“, erklärt Leister. Seit Anfang des Jahres brauen die leidenschaftlichen Biertrinker ihr Flüssiges daher mittels einer gemieteten Brauanlage in der Pfalz. Die „Crowdfunding“-Einnahmen investierten sie in Pachtbeiträge, die Herstellung und Lagerung sowie in Flaschen und Etikettierung. Rund 1500 Liter Bier produzieren Leister und Przygoda nun monatlich. Beide hegen den Wunsch, irgendwann eine eigene Brauerei zu gründen – falls Ort und Kapital vorhanden sind. Die Eröffnungsfeier des Eiskellers auf der Eisenschmelz Anfang März war jedenfalls ein voller Erfolg. Über den ganzen Tag verteilt folgte eine Vielzahl von Interessierten der Einladung und kamen dabei neben dem kühlen Gezapften auch in den Genuss einer Eiskellerführung. Leister und Przygoda präsentierten ebenfalls ein altes Feuerwehrauto von 1970. Bis vor Kurzem war es noch im Einsatz, nun haben die beiden Männer das Fahrzeug zum Ausschankwagen mit vier Zapfhähnen und 500 Liter Fassungsvermögen umgebaut. VG-Bürgermeister Jacob ist von den beiden Hobbybrauern angetan. „Ich finde es sehr interessant, was ein Lehrer und ein Ingenieur in ihrer Freizeit so alles machen“, sagt er schmunzelnd. Jacob orderte gleich mehrere Exemplare der Schnorres-Flaschen für die Verbandsgemeinde zum Verschenken. Übrigens: Vor 500 Jahren hielt der Bayerische Landständetag fest, dass zur Herstellung des Bieres nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden dürfen. Dieses sogenannte Reinheitsgebot von 1516 ist die älteste, noch heute gültige Lebensmittelgesetzgebung der Welt. Die „Schnorres“-Gründer Leister und Przygoda sind besonders stolz darauf, den Eiskeller zum 500. Jubiläum des Reinheitsgebotes wiedereröffnet zu haben. Dieser steht nun jeden ersten Mittwoch im Monat ab 18 Uhr zur Besichtigung offen. „Schnorres“-Bier kann dann auch getestet und erworben werden. Info Weitere Informationen unter www.schnorres.net.