Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Eintrittspreise Naturbad: Notwendige Erhöhung oder Tropfen auf den heißen Stein?

Im vergangenen Jahr haben 32.359 Gäste das Rockenhausener Naturerlebnisbad besucht – das waren pro Öffnungstag im Durchschnitt 2
Im vergangenen Jahr haben 32.359 Gäste das Rockenhausener Naturerlebnisbad besucht – das waren pro Öffnungstag im Durchschnitt 251.

Sollen die Eintrittspreise für das Naturerlebnisbad erhöht werden, obwohl das am dicken finanziellen Minus nur marginal etwas ändert? Vor dieser Frage stand der VG-Rat Nordpfälzer Land – die Antwort fiel eindeutig aus.

Bäder sind fast immer Zuschussbetriebe. Die Erkenntnis ist weder neu noch macht sie vor manchen – schon gar nicht vor ländlichen – Regionen halt. Hohen Betriebs-, Investitions- und Personalkosten stehen in der Regel relativ niedrige Eintrittspreise und damit (zu) geringe Einnahmen gegenüber. Schließlich soll der Besuch auch für Familien mit wenig Einkommen erschwinglich sein – ein Schwimmbad dient der Grundversorgung, als gesellschaftliche Interaktionsstätte, wirkt dem Bewegungsmangel bei Kindern entgegen und ist somit Teil der Sport- und Gesundheitsförderung. Dass Energie immer teurer wird und Beschäftigte aufgrund tariflicher Vereinbarungen mehr Geld erhalten, hat die Schere in den letzten Jahren noch weiter auseinandergehen lassen.

Nun haben Kommunen trotz der wichtigen Funktion ihrer Bäder darauf zu achten, dass Kosten und Nutzen in einem angemessenen Verhältnis zueinander bleiben. Mit anderen Worten: Wird das Defizit zu groß, muss an der Preisschraube gedreht werden – in dem Wissen, dass erstens eine schwarze Null dennoch Utopie bleibt, zweitens der Tarif-Bogen auch nicht überspannt werden darf. Fällt die Erhöhung zu hoch aus, bleiben Gäste weg – was sowohl in gesellschaftspolitischer als auch in monetärer Hinsicht kontraproduktiv wäre. Im Winnweilerer Verbandsgemeinderat hat angesichts eines jährlichen Fehlbedarfs von rund 800.000 Euro die Abwägung kürzlich dazu geführt, dass der Eintritt um durchschnittlich rund 40 Prozent angehoben wird – wobei sich der Anstieg unterschiedlich auf die einzelnen Ticketmodelle verteilt.

Ein Loch von 600.000 Euro

Nun sahen sich Werkausschuss und Verbandsgemeinderat Nordpfälzer Land vor die gleiche Diskussion gestellt. „Um den Verlust nicht noch größer werden zu lassen, werden wir nicht umhin kommen, eine Preiserhöhung durchzuführen“, sagte Bürgermeister Cullmann in der Sitzung im Katzenbacher Bürgerhaus. Denn im Wirtschaftsplan des Naturbads für 2024 ist – ohne Anpassung des Eintritts – bei Erträgen von 644.000 Euro und Aufwendungen von 700.000 zwar „nur“ ein Minus von 56.000 Euro veranschlagt. Hinzu kommt allerdings der sogenannte ausgabenwirksame Verlust in Höhe von 548.000 Euro, der von der VG-Kasse abzudecken ist; macht unter dem Strich ein Loch von 604.000 Euro.

Letztmals waren die Entgelte für das Rockenhausener Freibad vor zwei Jahren leicht angehoben worden – allerdings erstmals nach Jahren des Stillstands und dann auch nicht in allen Bereichen. So waren die Tarife für Kinder und Jugendliche unverändert geblieben. Nun legte die Verwaltung einen Vorschlag für einen Anstieg in fast allen Kategorien vor: Beispielsweise soll künftig eine Familienkarte 100 statt wie bisher 80 Euro, ein Tagesticket für Erwachsene 5,50 statt 4,50 Euro sowie für Kinder- und Jugendliche 2,50 Euro statt zwei Euro kosten (siehe Grafik). Dadurch könnte der Verlust um rund 20.000 Euro gesenkt werden. Cullmann betonte, dass die Preise für Schwimmkurse prozentual bewusst weniger erhöht werden sollen als die übrigen Tarife. Zudem seien die Kurse für Grundschüler der vierten Klassen weiterhin kostenlos.

Im Vergleich „sehr moderate“ Erhöhungen

Anja Schwarz (SPD) erinnerte daran, dass die Notwendigkeit einer Gebührenanpassung bereits vor einem Jahr Thema im Rat gewesen sei. „Wenn wir uns die Preiserhöhungen in Winnweiler anschauen, dann sind unsere sehr moderat“, so Schwarz. Auch mit Blick auf weitere Bäder in der Region – etwa das vergleichbare Naturbad in Landstuhl – könne die SPD-Fraktion dem Verwaltungsvorschlag zustimmen. Diese Ansicht teilte Christian Rupp für die CDU: „Wir können bei dieser Erhöhung um 20 bis 25 Prozent mitgehen. Wir stehen hinter dem Schwimmbad, es soll in jedem Fall weitergeführt werden.“

Anderer Meinung in Sachen Preise war dagegen Volker Schwarz (Bündnis-Grüne): Zwar „funktioniert ein Schwimmbadbetrieb leider nur mit einem erheblichen Defizit“. Dennoch sei er der Ansicht, „dass solche Erhöhungen den Einzelnen deutlich treffen, die Gesamtbilanz aber nur sehr marginal verbessern. Ob der Verlust für die VG am Ende 520.000 oder 540.000 Euro beträgt, ist der berühmte Tropfen auf den heißen Stein“, so Schwarz. Cullmann erwiderte, er könne diese Sichtweise zwar nachvollziehen, „aber auch 20.000 Euro sind Geld“. Und wer mit seinen Kindern zweimal ins Kino gehe, zahle dort in etwa so viel wie für eine Jahreskarte im Naturbad. „Ich denke, 100 Euro ist für eine ganze Saison und für das, was man geboten bekommt, immer noch sehr günstig. Wir sollten uns auch nicht unter Wert verkaufen“, so der Bürgermeister.

Antrag auf kostenloses Schwimmabzeichen

Den Anstieg der Tarife hielt Helmut Faller (FWG) zwar für gerechtfertigt. Jedoch gab auch er zu bedenken, dass aktuell „für die Menschen die Kosten überall durchschlagen“. Daher stellte er den Antrag, die Gebühren in Höhe von sieben Euro für das Ablegen des Schwimmabzeichens zu streichen. „Es kann nicht sein, dass ein Kind wegen diesen sieben Euro sein Abzeichen nicht machen kann“, so Faller. Sein Vorschlag wurde jedoch bei zwei Ja-Stimmen im Rat und einer Ja-Stimme im Ausschuss (jeweils FWG) abgelehnt. Gegen die neuen Eintrittspreise votierte lediglich Volker Schwarz.

Zur Sache: Förderverein und Folienschäden

Für das Naturerlebnisbad soll ein Förderverein gegründet werden. Bürgermeister Michael Cullmann hat eine Anregung von Winfried Hammerle (Freie Liste Nordpfalz) aus dem Vorjahr aufgegriffen und einen Satzungsentwurf entstellt. Diesen wird er nun den Fraktionsvorsitzenden im Verbandsgemeinderat Nordpfälzer Land zukommen lassen. Ziel sei, den Betrieb des Bades „ideell und finanziell zu unterstützen, sei es durch Spenden, Beiträge, Zuschüsse oder sonstige Zuwendungen“. Denkbar sei ferner, etwa mit der Durchführung von Veranstaltungen und Festen Einnahmen zu generieren. Cullmann warb um aktive Mitarbeit im Verein, sei es aus den Reihen des Rates oder aus der Bevölkerung.

Einstimmig verabschiedet hat der VG-Rat den Wirtschaftsplan für 2024. Große Investitionen sind in den nächsten Jahren nicht geplant. Allerdings gebe es seit geraumer Zeit immer wieder Wasserverluste im Schwimmerbecken. „Hierbei konnten bereits mögliche Ursachen systematisch ausgeschlossen werden“, so die Verwaltung. Derzeit gehe man davon aus, dass Beschädigungen an der Folie für das Versickern verantwortlich sind. Zum Teil seien schon Leckagestellen entdeckt und repariert worden. Weitere Untersuchungen und gegebenenfalls Arbeiten an der Folie stehen dieses Jahr auf der Agenda. Zudem sind 5000 Euro für das Erstellen einer Machbarkeitsstudie zur Sanierung und energetischen Optimierung der Zirkulationspumpen vorgesehen. Der Auftrag ist erteilt, die Umsetzung soll in den Jahren 2024 bis ’26 erfolgen.

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