Bolanden
Ein poetisches Stück übers Reisen und Ankommen im Jenseits
Die Figurenspielerin Friederike Overweg und der Musiker Michael Protzen begeben sich in ihrem Stück „Wohin die Reise geht, weiß keiner mehr“ auf eine metaphorische Reise über das Unterwegssein und Ankommen im Jenseits und im Geist.
Als „eine Stunde Kurzweil und Überraschung“ war der Auftritt des Theaterduos im Vorfeld angekündigt. Versprochen wurde nicht zu viel: die vielseitig Begabten Friederike Overweg und Michael Protzen boten mit ihrem Programm einen ungewöhnlichen Mix aus tiefsinnigen, unterhaltsamen und unerwarteten Momenten sowie raschen Szenenwechseln.
Zwei Gestalten, deren Aufgabe die Schwarzmalerei ist, betreten die Bühne. Zunächst ist es ein leerer Raum, in dem „die Fantasie ihr eigenes Bild entwickelt“. Doch anstatt zu arbeiten und lieber den Boden abzukleben, lassen sich die Protagonisten in Malerkluft zunächst von ihrer Neugier um einen rätselhaften Koffer verführen.
Die kaleidoskopartige Reise geht los: die Plane verwandelt sich dabei in eine universell und vielfach eingesetzte Requisite. Kunstvoll ergänzt wird das Spiel von den ausdrucksstarken Masken und handgeführten Figuren, die Figurenspielerin Overweg allesamt selbst gestaltet hat.
Lyrisches aus der Feder von Christian Morgenstern, Hilde Domin, Jürgen Hultenreich, Robert Gernhardt, aber auch eigene Texte werden in die Szenendialoge eingeflochten. Instrumentenbauer und Musiker Michael Protzen unterlegt das Stück dramaturgisch mit seinem Spiel an verschiedenen Saiteninstrumenten. Auch auf Fantasieinstrumenten wird gespielt, am Ende darf ein Alphorn nicht fehlen.
Die skurril-verrückte Performance-Reise macht zahlreiche Stationen, geht im Reisebüro Transform der Frage nach der Nutzung nachhaltiger Verkehrsmittel nach. In einer folgenden Szene wird in einem Boot gerudert, auch nach Struktur und Form wird bei der Suche gefahndet. In herrlichstem Pfälzisch sinniert ein Facility Manager über die Unsinnigkeit des Verreisens an exotische Orte. Nur um anschließend launisch festzustellen, dass es dort ja „genauso wie daheim, nur halt woanders ist“.
In der Folge begegnet man illustren Figuren wie dem Sensemann; ein Drache aus hauchzart-wehender Malerplane darf über die Bühne schweben. An der Pforte zum Jenseits wacht die selbstbewusste Handpuppe Zerbela, nachdem der echte Höllenhund Zerberus zuvor abgedankt hat. Schließlich darf sich noch die Haupt(farb)rolle im Stück die philosophische Frage stellen: Wie spielt man das Ende der Illusion? Im Jenseits winke doch lediglich eine einzige Sehenswürdigkeit, nämlich der Alte vom Berge. So darf Gott dann höchstpersönlich und ausgestattet mit extralanger Farbrolle und Rauschebart abschließend Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ zitieren.
Die Stunde mit dem Duo erwies sich als das Gegenteil von Schwarzmalerei: mit ihrer Mischung aus Performance, Theater, Musik und Figurenspiel verwandelte das Duo das Blaue Haus in eine kleine Große Oper.