Donnersbergkreis Ein Koffer voller Drogen

Einen seltsamen Fund machte ein 19-Jähriger im Februar am Ortsrand von Winnweiler: Einen blauen Koffer, der offensichtlich nach tagelangen Regenfällen eine Böschung heruntergerutscht war. „Ich habe eher aus Neugier den Deckel aufgemacht und sah eine Menge kleiner Päckchen, die ziemlich süßlich rochen“, erinnerte sich der junge Mann gestern vor der Strafkammer des Landgerichts Kaiserslautern. „Außerdem steckte da am Rand des Koffers eine Machete. Die habe ich dann erst mal mit nach Hause genommen.“
Ein paar Stunden später war dem Finder wohl doch etwas mulmig zumute. „Ich habe die Machete meiner Mutter gezeigt und von dem Koffer erzählt“, fügte der Auszubildende hinzu. „Sie hat das Messer dann am nächsten Tag zum Ordnungsamt gebracht und dort von meinem Fund berichtet.“ Kurz darauf erschien die Polizei am Fundort und sicherte den Koffer. Was da für den jungen Mann so seltsam roch, waren nicht weniger als rund fünf Kilogramm Marihuana, verpackt in handelsüblichen Portionen. Die Suche nach dem letzten Besitzer des Koffers fiel den Beamten nicht besonders schwer. Denn neben einer Reihe von Papieren fand sich auch ein gebrauchtes Handy in dem Gepäckstück. Das führte unmittelbar zu einem 24-Jährigen aus dem Donnersbergkreis. „Ich kannte den Jungen persönlich und habe zuerst bei seiner Mutter angerufen“, berichtete gestern ein Polizist, der mit den Ermittlungen betraut war. „Aber der junge Mann hielt sich nach ihren Angaben gerade in Spanien auf.“ Wenige Tage später erschien der 24-Jährige dann auf der Polizeiwache. Und gab sich nicht nur als Besitzer von Koffer und Inhalt zu erkennen, sondern packte regelrecht aus: Ursprünglich seien es sogar 7,8 Kilogramm Marihuana gewesen, die er gekauft und am Waldesrand versteckt hatte. Einen Teil davon habe er selbst verbraucht, einen anderen an Kunden verkauft. Aber die Machete habe er nicht für seine Drogen-Geschäfte, sondern eher für den Garten gebraucht: „Ich wollte nur nicht, dass die Waffe bei einer Razzia bei mir zu Hause gefunden wird.“ Als Motiv für seinen ambulanten Drogenhandel gab der gelernte Mechaniker „erhebliche finanzielle Probleme“ an. In seinem ursprünglichen Beruf könne er wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr arbeiten, deshalb habe er eine Security-Firma gegründet. „Aber in dieser Branche wird schlecht und manchmal gar nicht gezahlt“, erklärte der junge Mann sein Dilemma. So hätten sich in kurzer Zeit erhebliche Außenstände angehäuft, die er jetzt als Schulden vor sich her schiebe. „Deshalb bin ich auf die bescheuerte Idee mit dem Marihuana gekommen“, gab er zu. Eine Anklage wegen des „Besitzes und Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“ blieb ihm allerdings nicht erspart. Bei der gestrigen Verhandlung sprach seine Kooperationsbereitschaft für ihn: Sowohl der Staatsanwalt als auch das Gericht ließen den illegalen Waffenbesitz als strafverschärfenden Vorwurf fallen. Und auch die Tatsache, dass der 24-Jährige nicht einschlägig vorbestraft ist, galt zu seinen Gunsten. Am Ende plädierten sowohl Anklage als auch sein Verteidiger für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren – auf Bewährung, damit der junge Mann seine Reue auch praktisch beweisen kann. Eine Forderung, der sich die Strafkammer auch im Urteil anschloss. „Entscheidend war für uns, dass der Angeklagte nicht nur gestanden hat, sondern in den Vernehmungen auch seine Lieferanten genannt hat“, erklärte der Vorsitzende Richter. „Das hat unmittelbar zu weiteren Ermittlungen der Polizei geführt.“ |mibo DOPPELTERZEILENUMBRUCH