Donnersberger Echo RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Abgang und ein Hoffnungsschimmer

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Für Rockenhausen ist der Umzug der Firma IGR nach Kaiserslautern eine bittere Pille. Aber es gibt auch positive Signale.

Eins vorweg: An dieser Stelle kann und soll nicht beurteilt werden, ob der geplante Umzug der Ingenieurgesellschaft Rockenhausen (IGR) nach Kaiserslautern alternativlos ist. Hypothetisch ist auch die Frage, ob die Firmengründer und langjährigen Vorstände Werner Andres und Hubert Bruch in gleicher Situation ebenfalls diese Entscheidung getroffen oder mit aller Macht probiert hätten, am Heimatstandort festzuhalten. Und ob dies auf Dauer der bessere Weg gewesen wäre.

Es ist jedenfalls sicher davon auszugehen, dass sich die jetzigen Geschäftsführer Tatjana Kuhn und Dominic Scheer ihren Entschluss wohlüberlegt haben und sie in der Überzeugung handeln, das Beste für das Unternehmen mit seinen rund 90 Mitarbeitern – davon etwa 50 in Rockenhausen – zu tun. Ob die Hoffnung aufgeht, in der Barbarossastadt durch die Nähe zu Uni und FH leichter an neue Fachkräfte zu gelangen, wird wohl erst in einigen Jahren zu sehen sein. Selbst wenn das renommierte, international tätige und an etlichen großen sowie unzähligen kleineren Infrastrukturmaßnahmen beteiligte Planungsbüro die Stadt- und Kreisgrenzen verlässt: Viele Nordpfälzer werden für eine erfolgreiche Zukunft die Daumen drücken! Und natürlich, das betont das Führungsduo, wird die IGR Rockenhausen nicht nur weiter im Namen tragen, sondern auch in unserer Region tätig bleiben.

Der Verlust von 50 Arbeitsplätzen wiegt schwer

Gleichwohl ist der Abschied des Unternehmens schmerzlich für die Stadt. Ob der damit verbundene Wegfall der Gewerbesteuerzahlungen im Haushalt nennenswert ins Gewicht fällt, sei mal dahin gestellt. Viel schwerer wiegt da wohl der Verlust von 50 Arbeitsplätzen – Menschen, die dann hier auch nicht mehr einkaufen, zum Bäcker, Metzger, ins Eiscafé oder Restaurant gehen, die künftig nicht in Rockenhausen tanken oder ihr Auto in die Werkstatt bringen, Kleider oder Schuhe kaufen und, und, und.

Hinzu kommt, dass mit der beschlossenen Verlagerung der inneren und der geriatrischen Abteilung des Westpfalz-Klinikums nach Kirchheimbolanden noch einmal das gleiche Schicksal zu erwarten ist. Der Abbau von 300 Stellen beim Sitzhersteller Adient und die Umsiedlung der Produktion der Firma Rema Fertigungstechnik nach Sembach sind weitere Beispiele der vergangenen Jahre. Diese Entwicklung ist bitter und konterkariert ein Stück weit die Bemühungen der vergangenen Jahre, trotz fehlenden Autobahnanschlusses Neubürger und -betriebe auf die westliche Seite des Donnersbergs zu locken.

Es gibt auch positive Entwicklungen

So ist zwischen 2020 und 2023 die Bevölkerung in der Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land erstmals seit vielen Jahren wieder gewachsen, im Kita-Bereich gibt es einen regelrechten „Run“ auf Plätze, seit Corona hat das Leben auf dem Land deutlich an Attraktivität gewonnen, in Rockenhausen laufen die Planungen für das lang ersehnte Baugebiet und in der Lohwiese stehen nach einigen Verzögerungen neue Gewerbeflächen zur Verfügung. Mit dem Evangelischen Diakoniewerk Zoar, das hier seine neue Großküche errichten will, und dem Pfalzklinikum gibt es bereits konkrete Interessenten, weitere könnten folgen.

Apropos Zoar: Das Unternehmen ist neben dem Sitzhersteller Adient der zweite große Arbeitgeber der Stadt, mit 1650 Mitarbeitern an landesweit 16 Standorten aber auch schon seit vielen Jahre dezentral unterwegs. Gerade mit Blick auf die genannten Abgänge ist es umso wichtiger und erfreulicher, dass Direktorin Martina Leib-Herr zu Beginn des Jahres im Gespräch mit der RHEINPFALZ eine klares Bekenntnis zu Rockenhausen im Allgemeinen, zur Zentrale auf dem Inkelthalerhof im Speziellen abgegeben hat.

Adient denkt „früher an später“

Weil wir gerade bei Lichtblicken sind: Positiv stimmen auch die Pläne im Rockenhausener Adient-Werk, über ein Leiharbeitsmodell den momentan vorhandenen Personalüberhang auszugleichen. Kurzfristig soll so ein weiterer Stellenabbau vermieden, langfristig einem in fünf bis sieben Jahren durch das altersbedingte Ausscheiden zahlreicher Mitarbeiter drohenden Fachkräftemangel vorgebeugt werden. „Früher an später denken“ – der Slogan passt gut zum weitsichtigen Handeln der Verantwortlichen um Werkleiter Guido Herkenrath.

Und auch wenn es nicht mehr wie einst fast 2500, sondern derzeit „nur noch“ rund 1100 Mitarbeiter in der Kreuzwiese gibt: Für viele Menschen in der Region ist es nach wie vor von großer Bedeutung, dass – und wie – es bei der ehemaligen Firma Keiper weitergeht. Das gilt nicht nur für die Beschäftigten (und ihre Familien): Zahlreiche weiteren Betriebe im Umkreis sind entlang der Wertschöpfungskette von der Entwicklung beim Autozulieferer abhängig. Dass hier – zumindest vorerst – offenbar keine weiteren Einschnitte zu befürchten sind, ist mehr als nur ein Silberstreif am Rockenhausener Horizont.

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