Winnweiler
Drei Whisky-Brenner aus der Pfalz kreieren den ersten Pfalz-Blend
Normalerweise sind die drei Brenner Konkurrenten, jeder destilliert immerhin schon einige Jahre seinen eigene Whisky. „Konkurrenz gibt es nicht, allenfalls Mitbewerber“, sagt Bernhard Höning. Die drei Mitbewerber haben sich jetzt zusammengetan, um ein erstes gemeinsames Produkt herzustellen, einen Pfalz-Blend, quasi ein Best-Off aus den jeweiligen Destillen, vereint in einer Flasche. „Bernhard hat uns schon länger getriezt, dass wir etwas gemeinsam machen sollten“, erzählt Ralf Hauer. „Die Idee fanden wir alle nicht schlecht, aber es hat dann doch zweieinhalb Jahre gedauert, bis es zur Realisierung kam“, ergänzt er.
Drei Whisky-Welten prallen aufeinander
Im Frühjahr war es soweit. Auch wenn vom ersten Gedanken bis zur fertigen Flasche alles Zeit brauchte, dafür passe jetzt alles und der Verkauf steht bevor. „Jeder von uns hat ein Fass ausgewählt, jedes fünf Jahre alt. Das erste Treffen für den Blend fand in Dürkheim statt“, erzählt Bernhard Höning. Im Gepäck hatte bei dieser Zusammenkunft jeder der drei Brenner 0,5 Liter des eigenen Whiskys. Bei allen dreien standen für den Blend 210 Liter Basis zur Verfügung. „Das Beste aus unseren Kellern eben“, ergänzt Thomas Sippel, der ein Fass seines Palatinatus-Whiskys beisteuert. „Das ist ein Single Malt gelagert im amerikanischen Eichenfass, in dem vorab ein Spätburgunder reifte“, sagt Sippel, der 2011 seinen ersten Whisky produzierte.
Bernhard Hönings Single-Malt kommt aus dem Oloroso-Sherry-Fass. „In meiner kleinen Destille fülle ich jedes Jahr nur ein Fass ab, immer in einem anderen Holzfass und immer mit anderem Malz“, erklärt Höning. Bei Ralf Hauer ist es getorfter Single-Malt, der fünf Jahre im Old-Forester-Bourbon-Fass gereift ist. In der eigenen Linie heißt dieses Produkt Saillt Mór, ein gälisches Wort für Saline“, erläutert der Bad Dürkheimer, was seinen Beitrag ausmacht. Sein Whisky ist übrigens eine sogenannte Fass-Stärke mit 63,2 Prozent Alkoholgehalt. „Alles was bei mir in 0,5-Liter-Flaschen abgefüllt wird, sind Fassstärken, das geht bis 60 Prozent“, so Hauer.
„Jedes zweite Wort war Honig“
Damit prallen drei Whisky-Welten aufeinander, die eigentlich unterschiedlicher nicht sein könnten. „Wir waren von der Idee überzeugt, haben uns vorher genaue Gedanken gemacht, was wir in den ersten Pfalz-Blend geben wollen“, sagt Höning. Von jedem der drei Brenner stammt der gleiche Anteil des jetzt entstandenen Endprodukts. Vor dem Zusammenführen der drei Whiskys mussten die Fassstärken von Hauer und Höning im Alkoholgehalt etwas reduziert werden. „Es gab drei Versuche, bis wir mit dem Ergebnis zufrieden waren“, sagt Thomas Sippel.
„Jedes zweite Wort beim Blenden und Probieren war Honig“, lacht er. Und er hat recht. Wer probiert kommt an dem Begriff Honig nicht vorbei. Das ist die erste Note die man schmeckt. Beim zweiten Nippen am Glas kommt eine rauchig Note, fast wie brennendes grünes Holz. Im Abgang schieben sich dann Karamellnoten in den Vordergrund. Das alles zu schmecken ist leicht. Insgesamt ist mit dem Paltarmor ein überaus runder Blend entstanden, auf den die drei Brenner zurecht stolz sind. „Unser erster Blend ist kein komplizierter Whisky geworden, der zu hohe Ansprüche an den Verbraucher stellt“, sagt Ralf Hauer, der in einem Whisky-Club das Erzeugnis bereits vorab einmal vorgestellt hat. Dort kam das Urteil: „Vielschichtig in den Aromen, aber nicht zu kompliziert. „Das hat mich gefreut, damit ist unser Konzept aufgegangen.“
Einzigartigkeit ist wichtig
1260 Flaschen Paltarmor sind ab 1. Oktober auf dem Markt und dann in allen drei Brennereien erhältlich. „Lauchen nennt man das, wie ein Raketenabschuss eben“, erfreuen sich die drei Whisky-Brenner über Fachsprache. Jeweils 20 Flaschen mit der Signatur der drei Erzeuger sind als Spezial-Edition in den drei Destillen zu bekommen – für Sammler, die schnell genug sind, um sich eine dieser besonderen Flaschen zu sichern. „Wir sehen mal, was passiert, das Ergebnis kennen wir nach dem ersten Verkaufswochenende. Mein Gefühl ist sehr gut“, sagt Sippel. „Wenn der Whiskey weg ist, dann ist er weg. Immer gleichen Geschmack zu erzeugen, das überlassen wir den Großen auf dem Markt“, schiebt er nach. Ein Pfalz-Blend soll immer etwas anderes sein, niemals gleiche schmecken.
„Jeder von uns betreibt einen kleinen Betrieb, wir können nur mit besonderem Whisky punkten. Im Gespräch bleiben ist wichtig“, ergänzt Hauer. Was in jedem Fall beim Treffen mit den Vätern von Paltarmor zu spüren ist, hier haben drei Männer Spaß am Blenden gefunden. Auf weitere Taten der Väter des ersten Pfalz-Blend darf man gespannt sein.