Donnersbergkreis Drechsler, Besenbinder und Spielleute

Um etliche Zeitepochen zurückversetzt fühlten sich an diesem Wochenende die Besucher beim Mittelaltermarkt in Winnweiler. Hinter der Sparkasse und im Park herrschte drei Tage lang ein buntes Treiben. Unzählige Aktive sorgten für ein stimmungsvolles und ungewohntes Bild, die Lagerstätte war bis auf den letzten Platz gefüllt, und auf der Einkaufsmeile wurde rege gehandelt.
Veranstalter war eine Interessengemeinschaft, die zehn Jahre lang ausschließlich im südpfälzischen Kirrweiler einen Mittelaltermarkt ausgerichtet hatte. Seit diesem Jahr sind die rund 150 Aktiven auch an anderen Orten in der Pfalz unterwegs, so in der Domstadt Speyer und jetzt in Winnweiler. Über private Kontakte kam die Interessengemeinschaft an Winnweiler, das in diesem Jahr den Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung vor 1125 Jahren feiert. Ein solcher Markt passe in das Jubiläumsjahr, dachte sich Ortsbürgermeister Rudolf Jacob (CDU) und nahm Kontakt zu den Verantwortlichen auf. Auch eine Gedenkmünze wurde geprägt, die jetzt zum Kauf angeboten wurde. Sie zeigt das Winnweilerer Wappen mit den Jahreszahlen 891 und 2016 und auf der Rückseite die beiden Kirchen als Symbole von Winnweiler. Fast den ganzen Tag über wechselten sich musikalische Beiträge und Aufführungen von Gauklern ab. Mittelalterlich geprägt waren Instrumente und Gesang. Auch eine Gruppe aus Italien war vertreten. Nach einer 13-stündigen Autofahrt packten die Mittelalter-Fans ohne Verschnaufpause die Instrumente aus und begann zu spielen. „Herbei, herbei“ schallte es über das Gelände. Ein Jongleur bereitete sich auf seinen Auftritt vor. Während er die Fackeln mit brennbarer Flüssigkeit tränkte, pfiff er die „Bitte-warten-Melodie“. Geboten wurde ein Programm für die ganze Familie. Schießen mit Pfeil und Bogen war besonders beim Nachwuchs sehr gefragt. Eine Bereicherung war der Auftritt einer Falknerin mit ihrem possierlichen Tier. „Wir haben sehr motivierte Lagergruppen dabei“, erzählte Mitorganisatorin Nadine Baumann. Sie seien das Herzstück dieses Marktes. Mehrere Tage campieren sie in der kleinen Zeltstadt oberhalb des Parks, wo sie sich häuslich eingerichtet haben. Über der Feuerstätte hing ein kleiner Kessel. „Heute gibt es nur eine deftige Rindfleischsuppe“, verriet der Koch. Die Suppe konnte am Abend noch verzehrt werden, der kochende Gerstensaft nicht. „Wir sind noch voll in der Vorbereitung“, erzählte der Bierbrauer. Die gekochte Flüssigkeit musste erst noch mit Hefe angesetzt werden, und bis zum ersten Schluck davon werde es noch zwei Wochen dauern, hieß es. Verdursten musste aber niemand, denn die Korbflaschen waren gut gefüllt. Daneben gab es ein reichhaltiges kulinarisches Angebot. Dazu gehörte auch der Flammlachs. „Er wird geflammt, bis er fertig ist“, erklärte der Gourmet, ein gebürtiger Franzose. Er stamme aus einer Artistenfamilie und sei Weltenbummler, erzählt er. Ein weiterer Leckerbissen ist der Hanffladen, gefüllt mit Putenfleisch oder mit Champignons. Reichhaltig dazu die Getränke. Gerstenbräu, Rittertrank, Met und Keltentrank – um einen Auszug aus der umfangreichen Getränkekarte zu nehmen. Ein Schauer lief so manchem Besucher über den Rücken, der das Foltermuseum besuchte. Die Streckbank mit Stachelrollen und der Befragungsstuhl mit seinen vielen Spitzen ließen erahnen, wie in dieser Zeit „die Wahrheit“ ans Licht kam. Gleich neben dem Zelt stand der Scheiterhaufen. Gesittet ging es dagegen beim Drechseln zu. „Ohne Strom, eben wie im Mittelalter“, sagte der Meister, der mit Muskelkraft über ein Seil das Holz zum Drehen brachte. Den Drechselmeisel bohrte er ins Holz, und schon entstanden die ersten Ringe. Noch anstrengender war das Arbeiten des Steinmetz. Mit Feistel und Meißel bearbeitete der Künstler den harten Stein und schuf schon nach kurzer Zeit lauter kleine Blumen. Auch Kleidung war bei diesem Markt zu bewundern aus Baumwolle, Leinen und Leder. Unter den Ausstellern auch Marlene Groß aus dem benachbarten Lohnsfeld. „Alle Kleider habe ich selbst genäht“, erzählte die rührige Schneiderin. Darunter ein dreiteiliges Mittelalter-Kleid bestehend aus einem Grundkleid, einer Schürze und einer Tasche in Herzform. Die passende Kopfbedeckung bot sie auch gleich mit an. Breit auch das Angebot an Fellen, die fein aufgereiht offeriert wurden. „Das waren mal glückliche Hasen“, bemerkte eine Betrachterin beim Blick auf die Auslage. Daneben eine Mitmach-Werkstatt für Kinder, wer sich nicht mit Nadel und Faden befassen wollte, konnte zum Schwert greifen. Viel Bewunderung fand auch die Arbeit des Bürstenmachermeisters aus Karlsruhe. Mit Fingerfertigkeit stellt der Fachmann Bürsten und Besen aus Pflanzenfaser, Dachshaar, Schweineborsten oder Rosshaar her.