Donnersbergkreis
Donnersbergkreis: Lothar Runge sieht Bestand an Muffelwild auch durch Luchse nicht bedroht
Laut Forstamtsleiter Lothar Runge, dem Vorsitzenden der Muffelwild-Hegegemeinschaft Donnersberg, lasse die gute körperliche Verfassung der Mufflons erwarten, dass der Bestand auch weiterhin gesichert ist. Insbesondere dürfe man im Hinblick auf die Gesundheit der Wildschafe optimistisch sein: Der einzige Verdachtsfall auf Moderhinke bei einem Stück Fallwild, einer bakteriellen Entzündung der Klauen, habe sich nicht bestätigt. Der Lippengrind, eine herpesartige Viruserkrankung der Lippen und Atemwege, könne als erloschen betrachtet werden, und die letztes Jahr bei Nutzvieh vereinzelt aufgetretene Blauzungenkrankheit habe nicht auf das Schalenwild übergegriffen.
Bei Luchsen „vorsichtige Entwarnung“
In Bezug auf die Anwesenheit von Luchsen am Donnersberg gab Runge vorsichtig Entwarnung. Sicher werde der Luchs das eine oder andere Mufflon holen, räumte er ein. Aber noch müsse man sich nicht um die Population ängstigen, auch wenn es zuweilen den Anschein habe, die Anzahl der Lämmer sei geringer als in früheren Jahren. Er sehe in der Rückkehr dieser „Raubkatze“ kein Problem; der Luchs passe hierher, sei unbestritten eine Bereicherung der heimischen Tierwelt. Im Übrigen hätte im jetzt zu Ende gehenden Jagdjahr nicht ein Luchsriss bei den Mufflons nachgewiesen werden können, versicherte Runge. Allerdings erinnerte Kreisjagdmeister Klaus Weber an die zwei am Röderhof unzweifelhaft von einem Luchs gerissenen Hausschafe. Der Schafhalter habe nach gewissen bürokratischen Umständen eine finanzielle Entschädigung erhalten.
Mehrfach wurde von Anwesenden der Verdacht geäußert, neben der Luchsin Bell, die sich seit 2018 am Donnersberg aufhält, seien hier weitere Luchse unterwegs. Zum einen würden die Risse am Röderhof dem Kuder Alfi zugeschrieben, und zum anderen sei Jägern des Öfteren ein körperlich starker Luchs ohne Sender-Halsband aufgefallen. Man habe Fotos von einer Fotofalle nach Trippstadt geschickt, eine Rückmeldung stehe aus. Runge vermutet, dass der Donnersberg für Luchse - nicht nur der Mufflons wegen - ein interessantes Biotop sei. Trotzdem habe das Trippstadter Luchsteam weiterhin vor, Bell einzufangen und im Pfälzerwald südlich der A 6 wieder freizulassen. Dabei gehe es vor allem um die Sicherung der genetischen Vielfalt der dort neu begründeten Luchspopulation.
Interessent für Forschungsarbeit gesucht
Nach wie vor halte sich das Muffelwild bevorzugt im Raum Schweisweiler-Imsweiler-Rockenhausen auf. Runge führte dies auf die ständige Unruhe im touristisch stark frequentierten Kernbereich des Donnersbergs einschließlich dessen Nutzung für sportliche Zwecke wie Mountainbiking zurück. Auf das letztes Jahr beschlossene Angebot, eine wissenschaftliche Untersuchung, etwa in Form einer Bachelor-Arbeit, über das Verhalten und die Äsungsgewohnheiten der Mufflons am Donnersberg mit 1000 Euro aus der Umlage zu fördern, habe sich leider kein Interessent gemeldet. Durch die Aufstockung des Betrags auf 1500 Euro finde sich vielleicht doch noch ein Student für das anspruchsvolle Projekt, so Runge.
Mit seiner Idee, weitere 1000 Euro aus der Umlage zu verwenden für die Anlage von Blühstreifen zur Insektenpflege, stieß Martin Teuber, Revierförster von Dannenfels und geschäftsführender Vorsitzender der Hegegemeinschaft, weitgehend auf Zustimmung. Derartige Flächen kämen letztlich allen Tieren zu Gute, auch den Mufflons. Nach kurzer Diskussion wurden sowohl die Erhöhung des Förderbetrags für die Studienarbeit als auch die Bereitstellung der genannten Summe für den Kauf von Saatgut für Blühstreifen angenommen.
Hinsichtlich der Jagdstrecke musste Runge bekennen, dass der Abschussplan erneut nicht erfüllt worden sie. Dem Soll von 45 Mufflons stünden nur 23 erlegte Tiere gegenüber. Runge bedauerte, dass gerade bei den Jagden des Forstamts den Schützen oft Widder vor die Büchse kämen, wegen der für den Abschuss von männlichem Muffelwild fälligen Gebühren aber nicht erlegt würden. Hingegen lobte er das Revier Schweisweiler, wo man mit einer Quote von 73 Prozent dem Planziel am nächsten gekommen sei; dieses Ergebnis müsste auch die Landwirte des Reviers etwas versöhnlicher stimmen. Das Plansoll von 45 Tieren wurde für kommendes Jahr fortgeschrieben.
Runge und Teuber wiedergewählt
Bei den Neuwahlen gab es nur wenige Veränderungen: Wiedergewählt wurden Runge als erster, Teuber als zweiter und geschäftsführender Vorsitzender und Timo Schulz als weiterer Vorsitzender. Lothar Burkhard und Karl-Heinz Kunz werden auch zukünftig die Kasse prüfen. Einen Wechsel gab es lediglich beim Schriftführer: Da Peter Siegler im Dezember 2019 zum Forstamt Otterberg wechselte, wurde diese Aufgabe der beim Forstamt Donnersberg für den Holzverkauf zuständigen Nadine Rosswinkel übertragen. Als Vertrauensleute für die zur Kontrolle der Hegeziele erforderlichen körperlichen Nachweise erlegter Mufflons stehen weiterhin Martin Teuber, Lothar Burkhart, Karl-Heinz Kunz und Timo Schulz zur Verfügung. Der ausgeschiedene Bernd Obentheuer wird nicht ersetzt. Lena Herr, Nachfolgerin von Klaus Weber als Sachbearbeiterin bei der unteren Jagdbehörde, nutzte die Gelegenheit, sich den anwesenden Jägern und Förstern vorzustellen.