Donnersbergkreis
Donnersberger Echo: Mikroplastik geht viele etwas an

Plastik in den Meeren, im Essen, im Magen von Fischen und Vögeln - die Verseuchung durch Plastikmüll ist ein Riesenthema, und das zu Recht. Dass Plastik in der Landwirtschaft eine wichtige Rolle spielt, rückt immer dann ins Bewusstsein, wenn die Frühjahrsstürme in der Vorderpfalz die Abdeckungen auf den Gemüsebeeten verwehen. Auch im Herbst, wenn die Siloballen getürmt werden und die Silage mit dicken Folien und alten Autoreifen beschwert auf den Äckern liegen, wird unübersehbar, dass Umweltschutz auch ein Thema der modernen Landwirtschaft sein muss. Mikroplastik ist überall, auch auf den Feldern im Donnersbergkreis, auch im Viehfutter und auch in der Nahrung. Mit dem Service, die Silofolien der Landwirte im Kreis jedes Jahr im September regelmäßig einzusammeln und kostenlos zu entsorgen, zeigt die Kreisverwaltung, dass es hier ein Problembewusstsein dafür gibt. Und sie gibt damit ein Zeichen der Wertschätzung für die Landwirte. Umso unverständlicher ist es, dass dieses kostenlose Angebot durch Landwirte gefährdet wird, die ihre Folien nicht wie verlangt besenrein abgeben, oder mehr noch, die sogar andere Abfälle darin einwickeln, um so Kosten und Mühen der Entsorgung zu sparen. Ganz offensichtlich besteht also noch nicht bei jedem ein Problembewusstsein im Umgang mit Plastik. Es ist wohl nicht damit getan, wie im Falle des Imsweilerer Landwirtes, auf einzelne zu zeigen und sie zu schwarzen Schafen ihrer Zunft zu ernennen. Der richtige Umgang mit Plastik in der Landwirtschaft ist ein Thema, das viele angeht und für das es große Lösungen braucht. Und bis dahin könnte man es im Einzelfall auch mit einem niederschwelligen Hilfsangebot auf Nachbarschaftsebene versuchen. Ein Dreck-weg-Tag auf den Imsweilerer Äckern beispielsweise wäre ein Zeichen der Solidarität und könnte einen guten Neuanfang markieren.
Schnelles Internet: Große Kraftanstrengung
Auf dem Schneebergerhof werden dieser Tage Gräben aufgerissen. Nicht im negativen, sondern im wahrsten Wortsinn. Die Bewohner des Hofs hatten die Nase voll vom langsamen Internet – und greifen nun zu Bagger und Schaufel. Stück für Stück schaffen sie Erde beiseite, damit hier bald Glasfaserleitungen liegen können. Schuften fürs schnelle Surfen. Auch wenn im Fall des Schneebergerhofs glückliche Umstände zusammenkamen: Die Eigeninitiative der Bürger – junge wie alte – ist bewundernswert. Aber wer das hört, dem kommt vielleicht auch eine andere Frage in den Sinn: Muss das sein? Die Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag das Ziel gesetzt, bis 2025 in alle Teile Deutschlands Gigabit-Netze zu bringen. Statt derzeit irgendwo im Niemandsland soll sich Deutschland bald an der Weltspitze im Bereich der digitalen Infrastruktur befinden. „Unser Ziel lautet: Glasfaser in jeder Region und jeder Gemeinde, möglichst direkt bis zum Haus“, heißt es im Vertrag. Ganz schön ambitioniert. Denn die Realität sieht anders aus. Immerhin räumt auch die Regierung ein: „Dafür ist eine gemeinsame Kraftanstrengung von Telekommunikationsanbietern und Staat erforderlich.“
Die Kraftanstrengung leisten im Fall des Schneebergerhofs aber andere. Die Bürger, die nur etwas haben möchten, das heutzutage selbstverständlich sein sollte. Klar: Dort, wo viele Menschen leben, ist es für Telekommunikationsanbieter verhältnismäßig einfach (und kostengünstig), Haushalte zu versorgen. Zugleich lässt sich dort viel Geld verdienen. Ist die Besiedelung zu dünn, wird es schnell „unwirtschaftlich“, wie die Firmen argumentieren. Es ist aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar und ihr gutes Recht – fair ist es für die Betroffenen nicht.
Der Staat will hier neue Anreize schaffen. Das ist gut so – auch wenn es nicht der einzige Lösungsweg ist. Von Politikerseite wird ja gern die Notwendigkeit der Stärkung des ländlichen Raums betont. Das Muskeltraining per Schaufel kann damit nicht gemeint sein. In Zeiten, in denen jedes Schulkind auf das Internet angewiesen ist, gehört zu dieser Stärkung auch eine gute digitale Infrastruktur. Die Kluft zwischen Land und Ballungsgebieten wird sonst immer größer – und es wird immer schwerer, Firmen oder Familien auf dem Land zu halten geschweige denn diese anzulocken.